Afrika! - Botswana


7.7.2009 Bulawayo - Francistown

Die Grenzformalitäten dauern endlose 2 Stunden. Nachdem ich mich am Roadtax/Versicherungs-Schalter durchgewartet habe, schickt man mich wieder weg, weil ich keine Pula's habe. Es ist verboten, die lokale Währung einzuführen, aber man muß zwingend damit bezahlen. USD oder Euros werden nicht akzeptiert. Also renne ich zu einem zur Wechselstube umfunktionierten Wohnwagen und erstehe dort zu einem absurden Kurs zuzüglich 10% Kommission den Gegenwert von 100 USD. Und warte mich wieder durch die endlose Schlange. Es herrscht das totale Chaos, weil der Herr Kassierer kein Wechselgeld hat. Wenigstens kann ich passend bezahlen. Man verkauft mir zur Roadtax auch noch eine Versicherung, obwohl ich eine Comesa-Versicherung habe, die auch für Botswana gültig geschrieben ist, aber mir sind die paar Pula dafür den Aufstand nicht wert.
So schaffen wir es heute nur bis Francistown, wo wir es uns auf dem Campinggelände des Marang Hotels gut gehen lassen. Die Gruppe Südafrikaner, die neben uns ihr Lager aufgeschlagen haben, berichten Schlimmes über den Zustand der Pisten in den Makgadikgadi Pans. Sie sind nur mit Hängen und Würgen durchgekommen, aber ich mit meinem Truck sollte keine größeren Probleme haben. Das kann ja spannend werden!

8.7.2009 Francistown - Kubu Island

Ich tanke noch einmal voll - Diesel ist hier noch einmal billiger als in Simbabwe - und ich kann mit Kreditkarte bezahlen und so den absurden Umtauschkurs zuzüglich satter Kommission vermeiden. Zu unserer Überraschung läßt man uns an allen Veterinär-Sperrzäunen unbehelligt passieren, so daß Pipo völlig umsonst in seinem Versteck ausharren muß. Er ist nicht einmal beleidigt, als ich ihn wieder aus dem Klamotten-Staufach befreie, sondern gähnt und streckt und reckt sich, als sei er gerade eben aufgewacht.
Die Piste nach Mosu ist wie die weiter nach Mmatshumo in einem hervorragenden Zustand und erlaubt zügiges Vorankommen. Nur ist die Sicht auf die Salzpfannen leider nicht so gut - sie verstecken sich hinter Büschen und Hügeln. Leider. Aber Kubu Island soll traumhaft in den Salzpfannen liegen - dort werden wir sie dann ja in aller Schönheit betrachten können. Ab Mmatshumo wird die Piste mal (weich-)sandig, mal steinig. Vor allem aber eng. Links und Rechts und Oben kratzen die Bäume am Truck, ein herzzerreissendes Gequietsche am Lack. Die Tsitsane Pan, durch die die Piste führt, steht voll Wasser. Ich umfahre sie am Rand entlang - immer wieder sinke ich bedrohlich ein, nur Geschwindigkeit hilft. Stehenbleiben wäre fatal. Durch wachsweichen Untergrund erreichen wir schließlich den Veterinärzaun, an dem uns der Torwärter weitere schlechte Nachricht bringt. Die Sua-Pan steht voll Wasser, der Zugang nach Kubu Island ist 'difficult to impossible'. Wir sollen uns an die nördliche Pistenvariante halten. 3km weiter beschließe ich umzudrehen. So weit das Auge reicht steht die Piste unter Schlamm. Wir sind alleine unterwegs - weiterzufahren wäre schlichtweg dumm. Wir wollen an der Tsitsane Pan nächtigen - das reicht als Abenteuer, wir können ja in ein paar Wochen wieder zurückkommen, bis dahin sollten die Pans soweit abgetrocknet sein, daß ein Queren halbwegs gefahrlos möglich ist. Wir kommen allerdings nicht so weit. Ein paar hundert Meter vor dem Gate ist Schluß. Die rechte Fahrzeugseite sackt in Sekundenbruchteilen komplett ab. Ich sitze fest. Bis auf die Achsen. Na servus.
Jeder Versuch freizukommen verschlimmert die Situation nur noch. Der Torwärter kommt herbeigeeilt, ist aber auch ratlos. Sobald ich versuche, die Achsen freizuschaufeln, sinkt der Truck nur noch weiter ab. Er steht im Wasser. Mit 19° Schräglage. Es gibt in 20km Umkreis keinen Stein, nur vereinzelt Bäume, von denen man Äste besorgen könnte, sonst nur Gras, Schlamm, Sand und Mücken.
Der Torwärter telefoniert nach Hause. Und schickt eines seiner Kinder in die Behörde. Sie besitzt einen Traktor, die wahrscheinlich einzige Möglichkeit, den Truck wieder loszubekommen. Aber ob die Regierungsbehörde den Traktor herausrückt, ist fraglich. Heute ist es sowieso schon zu spät - der Traktor hat keine Beleuchtung, es ist bereits nach 15 Uhr, frühestens morgen ist eventuell Hilfe zu erwarten.
Wir richten uns auf eine 'schräge' Nacht ein. Und schlafen trotz der unguten Situation tief und lange. Am Morgen messe ich nach - es sind nach wie vor 19° Schräglage. Wir sinken also nicht weiter.
Der Traktor läßt auf sich warten. Stunde um Stunde vergeht. Schließlich bringt der Torwärter Nachricht. Der Traktor ist 'out of fuel', sie müssen erst Diesel organisieren. Morgen vielleicht. Schließlich ist auch das Gesprächsguthaben unseres Freundes erschöpft, mein Telefon will und will sich nicht einbuchen, uns bleibt aber noch mein Satelliten-Telefon (Inmarsat, das Thuraya System versagt in diesen Breitengraden).
Mein Bier-Vorrat geht zu Neige. Das erfreut mich gar nicht. Aber wir halten es gut aus in unserer schrägen Lage, lesen, kochen (man muß eben den Topf festhalten, dann bleibt er auch auf der Kochplatte), genießen die Stille und die Einsamkeit, so gut es geht und hoffen auf morgen.
Spät in der Nacht brummt ein Auto heran. Der Fahrer stellt sich als 'General Manager' von Kubu Island vor und verspricht uns Hilfe für den nächsten Tag - er will mit 6-7 Mann anrücken, Steine mitbringen und uns aus unserer mißlichen Lage befreien helfen. 100 Pula (ca. 15USD) will er pro Mann und Nase dafür. Nachdem meine Argumentationsmöglichkeiten doch arg begrenzt sind, willige ich gerne ein. Und so verbringen wir eine weitere hoffnungsvolle Nacht mitten im Nichts.
So we leave Franicstown and head for Kubu Islands. Daintly (as danitly as an 18 tonne truck can be) we make our way through the Salt Pans, slowly following the tracks of other cars. We arrive at the Vet Gate and Thomas has a conversation with the man at the gate, who tells Thomas that the pans are wet but we could try and make it to a 'small forest'. Thomas returns to the truck and relates this news to me. Ummm, I was not convinced but I dare object as Thomas was so excited. We drive along to the 'small forest' and soon discover pools of water and we decided to turn back and make our way out. We turn with no difficulties and as we are driving along Thomas diviates slightly from the track and "heller" we get stuck. Getting stuck and the vehcile is upright is one thing but getting stuck and the vehicle is tilting 17 degrees is just a tad bit uncomfortable. Thomas (bless him) got out his shovels and we begun digging (which was of no help whatsoever), eventually we gave up and spent our first night stuck in the mud.
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Day two and all looks bleak, no HELP!!, we spend another night STUCK. In the evening, I think I can hear the sound of cars in the distance. Thomas tells me this is not so.
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10.7.2009 Kubu Island - Maun

Am Morgen weckt mich Motorenlärm. Eine Truppe Südafrikaner mit insgesamt 9 Fahrzeugen (8 Toyotas und 1 Landrover. Sie haben alle den gleichen Umbau, ein 180°-Klappdach, das ein unglaubliches Raumangebot zaubert. Einer aus der Truppe, Gerrie, macht mit seiner Firma GR Travel Top die Umbauten) rücken an. Das sind echte Hardcore-Offroader. Sie bieten sofort ihre Hilfe an und wollen den Karren aus dem Dreck ziehen. Mit Feuereifer machen sie sich an die Sache. Ruckzuck sind Campingstühle aufgestellt, auf denen es sich die Damen der Truppe gemütlich machen, soweit sie nicht filmen oder fotografieren. Es herrscht heitere, zwanglose, entspannte Atmosphäre.
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Early morning of day three, the sounds I heard were indeed vehicles and help arrives. Thomas speaks with 'Trekker Jan' who had his name displayed on his cap and they set about planning, the manual high lifts are brought from their cars and they start to jack up the carriage of the truck.
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Zwei der Toyotas stehen mit ihren 9.000lbs Winden nebeneinander in der ersten Reihe, über Umlenkrollen wird die Zugkraft vervierfacht, fachmännisch werden die Fahrzeuge verankert, sie graben sich in die feuchte Erde ein, alle anderen Fahrzeuge werden aneinandergebunden. So ergibt sich rechnerisch ein Gesamtgewicht von ca. 30to verteilt auf 36 Räder mit einer Zugkraft von (angeblich) insgesamt 72.000lbs, knapp 36to, gegen meine festgefahrenen 12to. Selbst wenn das Setup nur die Hälfte oder ein Viertel der Zugkraft aufbringt, ist das Ganze schon beachtlich. Und abenteuerlich. Aber sie scheinen zu wissen, was sie tun. Zumindest treffen sie Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen, falls etwas abreißen sollte, was bei den beteiligten Kräften nicht unwahrscheinlich sein muß.
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Während wir noch beschäftigt sind, die Seile und Bergegurte anzubringen, trifft Bambo, der Kubu-Island-Manager (Box 54, Mmatshumo, Cellphone: 7446172 Landline: 2989612, email: office, privat) samt seinen Mannen ein und beginnt den Truck auszugraben. Sie schaffen es, einen Hydraulik-Wagenheber auf einem (mitgebrachten) Felsbrocken unter der ausgegrabenen Hinterachse zu platzieren und heben den Truck nach und nach, wobei sie eine ganze Wagenladung Steine unter dem Hinterreifen versenken.
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No sooner had the manager from Kubu Island arrived with help and they start digging away the mud from the wheels. It was amazing to witness the men crawling under the truck and laying in the mud and digging away.
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Once the mud was cleared from the tires and stones were places under the wheels the South Africans alined their vehicles side by side with they start their engines and with the aid of walkie talkies they all engage their gears and reverse their vehicles at the same time and they get us out. Screaming and clapping is the order and we are clear.

YOU CANNOT MESS WITH TOYOTA - When I was younger (not so long ago) my father told me that when buying a car I should always consider a Toyota as these were reliable cars. This was so evident in our rescue by the South Africans in their various models of Toyota.
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Der Rest ist ein Kinderspiel. Mühelos kommt der Truck frei. Jeder klatscht, hüpft, lacht, freut sich. Ich bin endlos erleichtert und überglücklich. Alles ging gut - nur die Sandbleche sind krumm wie alte Gurken.
Die ganze Aktion haben unsere Retter auf Video festgehalten: 4x4 Rescue 12 ton truck
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Wir verabschieden uns und versprechen, uns in Maun wieder zu treffen. Sie brechen auf, übermütig und hellauf begeistert. Für die restlichen 27km nach Kubu Island sollten sie dann 9 Stunden brauchen. Trotz fachkundiger Führung durch Bambo. Ein Wahnsinn.
Wir fahren Richtung Maun, dort wollen wir uns zum Abendessen mit unseren Rettern treffen. 50km vor Maun zerfetzt es mir den linken hinteren Reifen. Die gesamte Lauffläche löst sich ab. Bei knapp 100km/h. Die Staubox ist nur noch halb so groß, so wütet die abgelöste Lauffläche gegen sie, das Rücklicht ist komplett Schrott, die Schmutzfänger reißen ab, die Verkleidung des Fäkalientanks zeigt eine Riesenbeule und es ist am Dunkel werden. Ich habs so satt!
Wie's dann so ist, macht man keine Bilder im Streß deshalb hier Aufnahmen des demolierten Reifens, wie er später in Namibia gewechselt wird.
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Free, Free at Last - We head for Maun and we had gone through one of the many vet gates that criss cross Botswana, when we hear a loud bang, Hell No, we had a blow out, I look through the wing mirrows and see large pieces of our tyre on the road. It's late afternoon and we are in the middle of nowhere. Botswana is not very developed and Thomas informs me that we need to pull off at some place that has a tar surface. We are not far from one and pull over. At this point we are probably 55kms from Maun and it's getting dark. Thomas sets about getting the spare wheel down from on top of the truck and together we set about changing the tire. It takes us two and half hours to change the tire and another hour to pack up. We set off for the receommended campsite told to us by Trekker Jan.
Sitatunga Campsite - This is a Overlanders stop, but can only be best described as a MESS. The staff are so....lets just say even the endless travel books that all outdated with information are more knowledgeable than the staff at SITATUNGA. People stroll through the camp site, cars drive through....haha
After some enquiries I am told there is an owner of this establishment that resides in SA. Trekker Jan arrives with his party and invites us to a braai. A wonderful night was had, hey, we even had CAKE.
Aber nach guten 2 Stunden ist das Rad (im Dunkeln!) gewechselt und nach einer weiteren knappen Stunde sind wir schließlich im Sitatunga-Camp südlich von Maun angekommen und ich kann mir mein heute redlich verdientes Bier genehmigen.
Die Südafrikaner-Truppe kommt fix und fertig einen Tag später an. Wir grillen, trinken, quatschen und feiern die halbe Nacht. Es ist eine wunderbare Gruppe, wir finden Freunde.

Ein paar hundert Meter vom Camp befindet sich eine Krokodilfarm, die wir am nächsten Tag besuchen. Hunderte von Krokodilen werden hier aufgezogen. Etwa 600 Babykrokodile schlüpfen jährlich aus dem Ei und werden dann, sobald sie 7 Jahre alt sind, pro Stück für etwa 700USD verkauft. Gefüttert werden sie mit (toten) Hühnern. Ich möchte kein Krokodil sein.
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12.7.2009 Maun

Ich telefoniere mit Klaus, der inzwischen in Windhoek angekommen ist. Wir wollen zusammen durch den Kgalagadi Transfrontier Nationalpark erkunden, aber ohne Ersatzrad ist mir das zu heikel. Er schlägt vor, daß wir nach Windhoek kommen, der dortige Reifenhändler könne für 16.800,- Rand bis übermorgen einen 16.00 Reifen besorgen. Das ist zwar teuer, aber ich habe kaum eine andere Wahl. Außerdem kann mir die dortige MAN Niederlassung ein Rücklicht besorgen, so daß ich nicht ständig die Geldgier der Polizei befriedigen muß.
Wir bleiben noch eine Nacht in Maun, im Audi Camp, essen dort hervorragend und brechen am nächsten Tag auf nach Namibia.

Afrika! - Botswana II

19.7.2009 Twee Rivieren - Nossob

Und weil wir auf den 5 Stunden Fahrt von Twee Rivieren nach Nassob wieder nur Gemsböcke und Springböcke und Springböcke und Gemsböcke gesehen haben, vertrauen wir uns der Professionalität eines Rangers an. Wir machen einen 'Sunset-Gamedrive'. Mehrfach werden wir ermahnt, uns um Punkt 5 Uhr am Treffpunkt einzufinden. Wir sind da, sitzen auf einer Pritsche im Lkw und warten. Und warten. Und warten. Wir warten auf 4 weitere Leute, die unser Team von mittlerweile 16 Leuten vervollständigen sollen. Kurz vor Sonnenuntergang, gegen 17:45, trudeln sie dann ein. Gemächlichen Schrittes, sie haben alle Zeit der Welt. Es sind Schweizer. Ich koche. Wenns nach mir gegangen wäre, wären wir schon lange draußen.
Aber wir schaffen es auch so rechtzeitig zum Sonnenuntergang in der Wildnis. Mit dem eigenen Fahrzeug muß man spätestens um 6 Uhr im Camp sein, Sonnenuntergang auf eigene Faust ist damit nicht. Schade. So bringen sie die Leute eben dazu, sich mit angenehmen und auch weniger angenehmen Menschen zusammen auf einen Lkw zu pferchen und sich das Spektakel in künstlicher Gruppe anzusehen. Unter den wachsamen Augen des bewaffneten Rangers. Trotzdem ist's unvergeßlich schön, wenn man den Ärger erst mal runtergeschluckt hat.
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Die Ausbeute ist kläglich. Wir sehen zwar etliche Eulen, eine Wildkatze (sieht Pipo aufs Haar gleich), Hasen, die wie Känguruhs herumhüpfen, einige Schakale, aber das wars dann auch schon. Und es ist kalt. Bitterkalt. Ich friere wie ein Schloßhund und bete dafür, daß wir auf der Rückfahrt nicht doch noch einen Löwen oder eine Hyäne sehen.
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21.7.2009 Nossob - Twee Rivieren

Weil der Bub die nicht zu übersehenden Hinweisschilder betreffs Aus-/Einreise nicht richtig gelesen hat, müssen wir die 170km nach Twee Rivieren zurück. Nur dort erhalten wir die nötigen Einreisestempel nach Botswana. Nach der Ausreise aus Namibia sind wir sozusagen im Niemandsland. Also beißen wir in den sauren Apfel und rumpeln die sandige Wellblechkiste wieder zurück.
Wildreich ist die Gegend nicht gerade. Oryx, Spießbock, Gnus und damit hat sich die Sache weitgehend. Mir gefällts trotzdem. Rote Dünen, großteils bewachsen und die unendliche Weite machen die Fahrt zum Genuß.
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22.7.2009 Twee Rivieren - Nossob

Wir bekommen die Einreisestempel nach Botswana nur, wenn wir auch eine Reservierung vorweisen können. Können wir nicht. Die botswanischen Nationalparks muß man langfristig vorausbuchen - dafür hat man manche der Camps dann allerdings für sich ganz alleine. Nur wenn man so wie wir als Individualreisender nicht so recht vorausplanen kann, ist's auch mit der Vorausbuchung nicht so ganz einfach. Aber der Mann am botswanischen Empfang reißt sich Arm und Bein aus, um uns zu helfen. Und beschafft uns Reservierungen für fünf Nächte auf diversen Camps im botswanischen Teil. Stuft unsere Trucks als 4x4 unter 3.5to ein und hilft uns so, eine Menge Geld zu sparen. Er hat sich sein Trinkgeld wirkich verdient!
Und zurück nach Nossob. Gemsböcke, Spießböcke, Gnus. Gnus, Spießböcke, Gemsböcke. Die dem Nationalpark ursprünglich seinen Namen gegeben haben. Und laut Reiseführer 'zum Höhepunkt einer jeden Safari' gehören. So weit würde ich nun nicht gehen, aber stattliche, schöne Tiere sind sie wirklich.
Am Abend haben wir dann etliche Schakale und Borstenhörnchen um uns. Sie sind alles andere als scheu.

23.7.2009 Nossob - Matopi 1

Klaus ist schlecht drauf. Ihm reichts. Zu wenige Tiere und schon gar nicht die, die er sehen will. Zu viele Leute. Er will Einsamkeit. Zugegeben, auf dem Campingplatz tummeln sich etliche Südafrikaner mit ihrem Equipment und man kann sie mit ihren Heißluftgebläsen zum Grillanzünden auch durchaus hören. Aber ich störe mich nicht dran. Sie sind kontaktfreudig, freundlich, unkompliziert und naturbegeistert. Und in der Einsamkeit stehen ist nun mal nicht im südafrikansichen Teil des Parks. Also was solls.
Er will unbedingt Löwen sehen. Und nicht immer nur Gemsböcke. Er hats so satt. Ja mei, so eine Erwartungshaltung machts manchmal kompliziert. Und uns ist es morgens zu kalt, um uns knapp über dem Gefrierpunkt aus dem Bett zu schälen, um auf Gamedrive zu gehen (wobei der Diesel auch bei 10Grad noch schwer zu starten ist), da warten wir lieber auf ein bißchen Sonne und schlafen länger.
Er bricht auf, will irgendwo in der Wüste auf uns warten. Meinetwegen. Obwohl ichs besser fände, die 100km quer durch die Dünen und Weichsand mit zwei Fahrzeugen anzugehen. Aber er will keine 30min mehr warten, will, muß weg. Ja mei, wenn er meint. Wir haben das bessere Equipment und mehr Wüstenerfahrung, kein Problem. Wir sollten ihn dann auch nicht mehr sehen, er hat den Park frustriert vorzeitig verlassen. Vielleicht findet er ja woanders seine Löwen.
Wir machen uns auch auf den Weg. Zum Teil ist der Sand wirklich weich, so daß ich trotz der vielen Wurzeln am und im Weg etwas Luft aus den Reifen lasse, so daß sich Maxl nicht ganz so tief eingräbt (und nachfolgenden 4x4 noch eine Chance läßt). Lästig sind nur die eng stehenden Büsche / Bäme, die arg am Fahrzeug kratzen und mir meine Spiegel ständig einklappen (die ich gerne draußen habe, um die Flanken der Hinterreifen sehen zu können).
Nach 5 Stunden erreichen wir den vorgebuchten Campingplatz. Er besteht aus einem Schild 'KT-MAT-01' mitten in der Wildnis. Sonst nichts. Kein Zaun, kein WC, kein Wasser, keine Abfallbehälter, nichts. So mag ichs. Und in 100km Umkreis niemand. Niemand. So mag ichs erst recht. Es ist so unglaublich still. Ich höre mein Blut rauschen. Wir kochen auf, ein kleines Festmahl ganz für uns und schlafen unter einem Sternenhimmel, der aus mehr Sternen als Hintergrund besteht.
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24.7.2009 Matopi 1 - Bosobogolo 1

Wir fahren weiter in Richtung Mabuasehube Sektion des Parks. Die Piste ist wunderbar sandig, weich, zum Teil gleitet man wie auf Wolken. Nur die Kratzerei der Akazien läßt Maxl ein bißchen leiden. Unser nächstes Camp, wunderschön am Rand einer Salzpfanne gelegen, haben wir wieder ganz für uns. Außer uns scheint keiner in diesem Teil des Parks unterwegs zu sein. Wir verbringen zwei ausgesprochen ruhige und entspannende Tage inmitten freier Wildnis. Ich kann nicht genug kriegen von der Weite und Stille.
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Ich versuche einen weiteren Trick, um die Heizung zum Laufen zu bringen. Ich nutze die Restwärme unseres Grills, um den Diesel auf Temperatur zu halten. Viel bringts nicht. Leider.
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26.7.2009 Bosobogolo 1 - Monamodi 2

Nicht weit entfernt bleiben wir zwei weitere Nächte am Rand einer anderen Salzpfanne. Genauso idyllisch gelegen und unfaßbar still. Nachts hören wir Löwen brüllen, sie sind ganz in der Nähe.
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Und tagsüber besucht uns ein junger Leopard und umrundet uns neugierig. Bis ich meine Kamera hole und schußbereit bin, hat er sich allerdings schon ins hohe Gras verzogen. Ich hätte sitzenbleiben sollen und ihn einfach nur beobachten. Angst? Nein. Unwesentlich mehr als er.
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Kakalagadi Transfrontier National Park - They make a big fuss about having to book as the camp sites are full etc. We spent nights at camps we were not suppose to as we could not be arsed to move, it takes FOREVER to get to the camp sites, it is hot their are speed restictions and although the roads on the South African run part of the park are good, it still is a looooooong way. Crossing over to the Botswana side was a bit of a nightmare (I love my husband way to much to lay any blame on him for the trip we had to make back to Two Rivers to clear immigration for Bostwana.), but all was sorted. Klaus, who's idea to go to Kalagadi, became very distressed at the fact that he saw no lions (Thomas and Klaus when for a Safari night drive, I opted not to go) and the animals that the park had. He left early in the morning on the day we were al scheduled to cross over to the Botswana side and he DITCHED us. The Botswana trip was spent with out Klaus. We later learnt when we left the park that he had left two days earlier than we were all due to and as I write we have not heard from him. What a pity as he would have so enjoyed the leopard that walk into our campsite and the other leopat
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Manche Dornen sind so hart, daß sie mühelos den stärksten Gummi durchdringen. Das Michelinmännchen freut sich trotzdem.
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Ich mache Feuer, wir grillen Lammkoteletts. Ein Fest.
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Später verirrt sich eine Fledermaus durch die offene Tür ins Mobil und findet nicht mehr heraus. Als Ausgleich für die Rettung muß sie sich ablichten lassen.
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28.7.2009 Monamodi 2 - Kang

Unser Aufenthalt im Kalagadi Nationalpark nähert sich dem Ende. Schade. Hier hätte ich es schon noch ein paar Tage ausgehalten. Aber das unflexible Reservierungssystem schiebt einen Riegel vor.
Die 'Weichsandpiste' entlang der Nationalparkgrenze Richtung Norden und weiter nach Hukuntsi stellt sich als etwa 20m breite Piste heraus, die, obwohl ab und zu wirklich sehr weich, mit 40-60km/h problemlos zu befahren ist. Wie in einer Sänfte schweben wir über den Sand, lange, weiche, vertikale Schwingungen. Nur mit den Erdhörnchenbauten muß man aufpassen. Die graben richtig tiefe Löcher.
Nachdem die 'Western Woodlands' inzwischen ihre Wildheit zugunsten einer touristischen Ausrichtung verloren haben, entscheiden wir uns angesichts der knappen Zeit, die uns bis in die Central Kalahari bleibt, heute bis Kang weiterzufahren. Dort richten wir uns auf dem Truck-Super-Stop auf dem Campingplatz ein und nutzen Strom- und Wasseranschluß, um etliche Maschinen Wäsche zu waschen und unsere Tanks wieder aufzufüllen.

29.7.2009 Kang - Ghanzi

Über den Trans-Kalahari-Highway geht es Ghanzi entgegen. Seit Anfang 2009 akzeptiert die Widlife-Behörde keine Zahlungen mehr am Gate (Gottseidank ist Two Rivers, Kalagadi davon ausgenommen, sonst hätten wir ganz schön alt ausgesehen), sondern nur noch in den Reservierungs-Büros. Deshalb müssen wir den Umweg über Ghanzi in Kauf nehmen.
Der Highway ist bestens ausgebaut, bretteben und schnurgerade. Über hunderte von Kilometern. Erstaunlicherweise finden wir die gesamte Strecke entlang Esel, Kühe und Ziegen. Die gesamte Gegend ist tatsächlich bewohnt. In ein paar hundert Metern Entfernung von der Straße finden sich immer wieder kleine Siedlungen, unter ihnen vermutlich Reste der San, der hiesigen Buschmänner, die aus der Central Kalahari vertrieben wurden.
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In Ghanzi wird eingekauft, Geld gewechselt, voll getankt. Und dann pilgern wir zum Reservierungs-Büro, um die vorläufige Buchung für die Central Kalahari Game Reserve (CKGR) zu vervollständigen. Wir sind provisorisch 3 Nächte am Westgate gebucht, wollen aber (nachdem wir keinem Zeitdruck mehr ausgesetzt sind), länger bleiben und auch im nördlichen Teil, u.a. im Deception Valley ein paar Nächte bleiben.
Das Ganze dauert dann - trotz freundlichstem Einsatz mehrerer Mitarbeiter - ein paar Stunden. Per Telefon müssen sie die Verfügbarkeit der Campsites überprüfen, Campsite für Campsite. Da haben sie mitten in der Wüste Satelliten-Internet-Anschluß und hier hat man noch bis vor ein paar Jahren nur Funk gehabt und jetzt lediglich ein Telefon, das auch nicht zuverlässig arbeitet. Absurd.
Aber sie schaffen es, uns für fünf Nächte Campsites zu reservieren. Zwar müssen wir dann hin- und herkreuzen und so womöglich Stunden über Stunden herumkutschieren, aber wichtig ist erst mal, daß wir ein paar Tage bleiben können, die Verfügbarkeit alternativer Campsites wird sich dann nach unseren Erfahrungen im Kalaghadi NP schon noch herausstellen...

30.7.2009 Ghanzi - Xade, Central Kalahari Game Reserve

Ich war ja auf eine 'schlechte Sandpiste' eingestellt. Aber was wir nach 100km guter Piste nach einem Abzweig vorfinden, läßt mich zweifeln, ob wie noch auf dem richtigen Weg sind. Tracks4Africa meint, ja. Und tatsächlich finden wir in regelmäßigen Abständen Entfernungsschilder nach Xade. Das kann doch nicht ernst gemeint sein. Einer von drei Zufahrtswegen in die CKGR in so einem üblen Zustand? Die Piste ist über weite Strecken weich, sehr, sehr weich. Aber ich will keine Luft aus den Reifen lassen, weil die Spur so eng ist (Pkw Spuren eben) und zahllose Wurzeln und Büsche ihren Rand säumen, Gift für die Reifenflanken. Mit 12-18 km/h holpern wir dahin. Der Spritverbrauch steigt auf über abenteuerliche 50l/100km. Links und rechts kratzen Dornen am Auto. Bis wir in Xade ankommen, sind so z.B. die Staubschutzkappen für die Schlösser an den Bevola-Stauboxen schlichtweg weggekratzt.
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Am Gate in Xade ist niemand. Das Büro (wieder mit SAT-Internet) ist offen, aber verwaist. Nach einer knappen halben Stunde, ich habe mich bereits selbst in die Bücher eingetragen und war kurz davor, einfach weiterzufahren, kommt ein Traktor angerast und in einer dichten Staubwolke mit blockierenden Rädern zum Stehen. Der Ranger ist froh, nach etlichen Tagen einmal wieder jemanden zu Gesicht zu bekommen. 'I'm a lonely man', sagt er. Das glaube ich gerne. Er findet aber ein Problem mit unserem Permit. Unser Truck ist als normaler Pkw unter 3.5to eingebucht - zu 50 Pula pro Tag. Er sieht aber mit Kennermiene, daß unser Truck mehr als 7to aufweist. Und das kostet dann lächerliche 1.500,- Pula. Pro Tag. Das Dreißigfache! Ich hatte so etwas schon befürchtet. Oh je. Ein paar hundert Pula auf die Kralle regeln das Problem dann aber ganz afrikamäßig. 'You are becoming a real african', meint Janice dazu nur.
Später am Abend höre ich einen Truck fahren. Es ist ein Mercedes-Rundhauber. Ich winke. Und Achim und Andrea gesellen sich zu uns. Sie sind über die Westküste angereist. So ergibt sich unendlich Gesprächsstoff. Dabei erfahren wir, wie man die 3.5to Schikane umgeht. Photoshop machts möglich. Die Kopie des deutschen Kfz-Scheins weist für ihren 9-Tonner noch 3.49to aus. Banditen!

31.7.2009 Xade - Deception Valley, Central Kalahari Game Reserve

Am Morgen suchen wir noch einmal den Ranger auf, wir sollten uns mit Feuerholz eindecken, ich mag nicht wildern. Für ein paar Pula laden wir den hinteren Teil der Doppelkabine mit schweren Mopane-Holz-Prügeln voll. Der Ranger ist bester Dinge, hilft uns, mit meiner Axt die halben Baumstämme kleinzukriegen, erzählt, gibt uns Tips, nur fotografiert werden mag er nicht. Auch nicht in seinem Traktor.
Die nächsten 70km sind wieder haarsträubend schlecht und holprig, aber ab der Piper-Pan wird es eben und besser. Wir machen Halt an einer Wasserstelle und beobachten Tiere.
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Blöd ists schon, wenn einem mitten in der Kalahari das Fahrzeug abfackelt. 100km vom nächsten Rangerposten entfernt. Auch wenn wir bisher noch keine Raubtiere gesehen haben, ich möchte hier nicht gestrandet sein...
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Kurz darauf sehen wir sie. Zwei Geparden auf der Jagd. Nur leider haben wir ihnen die Tour vermasselt, wir stehen zwischen ihnen und den Springböcken, auf die sie Lust gehabt hätten. Ich habe die beiden einfach zu spät gesehen.
Die Landschaft wird wieder so herrlich weit, daß einem das Herz aufgeht. Das ist Afrika. Einfach geil.
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2.8.2009 Sunday Pan, Central Kalahari Game Reserve

Der uns für die nächsten zwei Nächte zugewiesene Campingplatz liegt 60km zurück in die Richtung, aus der wir vorgestern gekommen sind. Zudem müßten wir die Piste, wenn wir den Nationalpark verlassen wollen, noch einmal fahren. So toll war die Strecke dann auch nicht, daß wir sie gleich dreimal fahren wollten. Deshalb entscheiden wir uns verbotenerweise dazu, in freier Wildbahn zu übernachten. Dann können wir zwar kein Feuer machen und nicht grillen, aber dafür stehen wir dann 'mitten drin'. Und bereuen es nicht. Das Essen (Rinderbraten mit gebratenem Gemüse aus dem Dampfgarer) ist Spitzenklasse, wir können Tiere beobachten, während die Sonne untergeht und haben all das ganz für uns alleine. Als wir aufwachen, können wir bei der aufgehenden Sonne aus dem warmen Bett heraus wieder größere Herden Tiere beobachten, die ohne Scheu direkt vor unseren Augen grasen. Ein Privileg, das nicht jedem möglich ist.
Daß die Heizung mal wieder bei 8° ausgeschaltet hat, es dann nachts bis auf den Gefrierpunkt abkühlt und sie erst wieder bei 10° anspringt ist lästig, aber wir werdens überleben. Ich frage mich nur, unter welchen Bedingungen Webasto ihr Glump testet.
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3.8.2009 Sunday Pan - Leopard Pan, Central Kalahari Game Reserve

Wir fahren nur ein paar Kilometer, langsam, immer wieder haltend, um Landschaft und Tiere zu betrachten. Ein Camp an der Leopard-Pan ist seit gestern verlassen, also bleiben wir dort - hier können wir unbehelligt aussteigen und draußen sitzen - und wenn wir Glück haben und uns keiner vertreibt, vielleicht auch die Nacht stehen bleiben, obwohl wir den Platz nicht gebucht haben. Der Ranger am Gate hat uns versichert, wenn bis zum Einbruch der Dunkelheit der Platz nicht belegt ist dürfen wir bleiben, weil Fahrten ab 18:00 untersagt sind...
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Denkste. Gottseidank haben wir, obwohl schon dunkel (und nach 19 Uhr), noch kein Feuer gemacht. Da kommen sie. Deutsche. 'Nein, also wir haben schon so viele Probleme gehabt mit anderen Leuten, wir möchten doch lieber alleine sein'. Kein 'Guten Abend' oder afrikanisches 'wo kommt ihr her?', nur miesepetriges 'wir haben reserviert, Ihr seid auf dem falschen Platz'. Umgekehrt hätte ich sie ja vielleicht auf eine Flasche Wein eingeladen, es wäre ein netter Abend geworden, aber so packen wir halt zusammen und fahren die 3km ans andere Ende der Leopard Pan und stehen - ohnehin viel besser - wieder mitten in der Wildnis. Die Tier um uns meckern nicht und wir genießen wiederum eine wunderbar ruhige (wenn auch kalte) Nacht.

4.8.2009 Leopard Pan, Central Kalahari Game Reserve - Maun, Audi Camp

Über eine teils weichsandige, teils übel zerfurchte, enge Piste verlassen wir den Park Richtung Matswere Gate. Die Ranger-Mädels dort sind freundlich, albern mit mir auf deutsch herum und lassen auch die Gewichtsfrage des Trucks unangetastet. Sie haben nur keine Durchfahrtsmöglichkeit für Fahrzeuge meiner Höhe. Das Gate samt Einfahrtstor ist überdacht und die Stützbalken auf einer Seite doch recht niedrig. Ich versuche es langsam - und bleibe trotz aller Vorsicht prompt mit der Aufbaukante hängen. Sie erweist sich als stärker als der Stützbalken und so hat dieser jetzt einen kleinen, aber sichtbaren Knick. Aber die Hütte steht noch. Es gibt eine kleine Aufregung, die gesamte Mannschaft des Rangerpostens läuft zusammen und steht um Auto und Knickbalken herum und diskutiert. Kein Problem, heißt es schließlich und ich darf unbehelligt weiter.
Sie geben mir noch den Tip, nicht über Rakops nach Maun zu fahren, das ist weiter und die nächsten 45km in katastrophalem Zustand, sondern 90km am Zaun entlang Richtung Norden zu fahren. das sei kürzer und die Piste deutlich besser.
Nach mehr als zwei Wochen Wildnis und über zweitausend Kilometern Sand mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unwesentlich über 20km/h erreichen wir so wieder Teer und Zivilisation. Und schlafen prompt schlecht inmitten von zu viel Trubel und Hektik und Lärm auf dem Campingplatz.

5.8.2009 Maun, Audi Camp

Abgesehen davon, daß Maxl's 12to wahrscheinlich die Holzbrücken im Moremi Wildlife Nationalpark im besten Fall nur knacken lassen, mache ich mir wenig Illusionen darüber, daß wir hier in diesem touristisch durchstrukturiertem Gebiet unseren Truck als normalen Pkw durchbringen. Und 1.500 Pula pro Tag (übrigens das 30-fache des normalen Pkw-Tarifs), umgerechnet über 200USD, nur für das Auto ist ein Wahnsinn. Da kommen wir pro Tag auf über 300USD. Andernorts ein Jahresgehalt.
Also erkundige ich mich im Audi Camp, die auch als Tourveranstalter auftreten, nach Möglichkeiten, Tagestouren per Mokoro oder 4x4 im Delta zu unternehmen. Mich hauts schier vom Hocker. Ich bin ja aus Kenia und Tansania einiges gewöhnt, aber was hier verlangt wird, ist bodenlos. Man halte sich fest: Für eine TAGES-Tour ins 100km entfernte Moremi Wildlife Reserve werden pro Person 3.300Pula, über 500USD verlangt! 1.000USD für uns zwei für EINEN TAG! Ich will ja weder das Auto noch den Fahrer noch einen Teil des Moremi kaufen, nur anschauen, bitte! Für eine eintägige Mokoro-Tour (man wird mit dem Auto eine Stunde herumkutschiert, fährt dann ein paar Stunden im Boot und wird dann wieder zurückgebracht) kostet ohne Verpflegung auch weit über 100USD pro Person. Davon bekommt der Poler (der Bootsführer) 20-30 USD. Pro Boot, wohlgemerkt. Die fast noch billigste Variante, das Delta zu besuchen, ist da noch das Chartern eines Flugzeugs. Für 300USD pro Stunde kann man eine 3-sitzige Cessna mieten.
Den Nachmittag brauche ich, um mich einigermaßen zu erholen. Ich sitze am Fluß und lese und lasse den Wahnsinn draußen.

6.8.2009 Maun

Wir versuchen unser Glück im Wildlife-Büro in Maun. Es nutzt nichts. Wenn wir Richtung Norden an die Viktoria-Fälle wollen, müssen wir durch den Chobe Nationalpark (oder einen großen Umweg in Kauf nehmen). Also nehme ich Geld in die Hand und stelle mich in die Schlange vor dem Reservierungsschalter. Aber - sie wollen mein gutes Geld gar nicht. Sowohl Moremi Wildlife Reserve als auch Chobe sind über den August hinaus komplett ausgebucht. Nicht eine einzige Campsite für einen einzigen Tag ist im gesamten August verfügbar. Was natürlich nicht stimmt, es ist nur das Reservierungssystem so chaotisch. Da buchen die Leute 1 Jahr im Voraus, zahlen einen kleinen Bruchteil an, die Plätze sind vergeben, und nach einem Jahr vergessen sie die Reservierung oder haben Besseres vor. Die Camps sind dann leer, aber man kann sie nicht buchen. Ja mei.
Tagestouren könnten wir machen. Direkt ans Gate fahren, zahlen und einen Tag im Park verbringen. Nur mit Chobe müssen wir uns etwas überlegen. In einem Tag durchzuhetzen ist nichts für mich. Wir werden sehen.
Wir versuchen es bei einem Safariveranstalter in Maun (Liquid Giraffe, Glen Stephen, Tel. +267 6801054). Wir wollen: Einmal Rundflug, eine eintägige Mokoro-Tour und wenigstens einen Tag in Moremi. Er hat ein interessantes Angebot: Eine eintägige Fly-In-Mokoro Tour für etwa 250USD pro Person. Kombiniert Rundflug mit Mokoro-Tour im inneren Delta. Für den Tagestrip ins Moremi verlangt er 1.500Pula, deutlich weniger als die Hälfte dessen, was die Audi-Camp-Leute verlangen. 6.000 Pula für zwei Tagestouren. Oh je.
Weil mich der Teufel reitet, frage ich nach Fly-In-Camps. Ob er etwas 'günstiges' für uns hat. Und siehe da: So eine Art 'last minute' Angebot, 60% unter Normalpreis. Flug 1.500 Pula pro Person (PpP), pro Nacht 1.600 PpP, alles inclusive. Übernachtung im Luxus-Safari-Zelt, Essen, Getränke, 4x4-Safaris, Mokoro-Touren, Fuß-Safaris. Ich buche drei Nächte. Wenn schon, dann richtig.
Er hat noch einen Tip für uns: Der Campingplatz des Thamalakane Camps sei wunderschön am gleichnamigen Fluß gelegen, super-ruhig und sie hätten hervorragendes Essen und Service. Und er hat Recht. Jetzt stehen wir direkt am Wasser, alleine, herrlich ruhig. Für 65 PpP (Das Audi Camp verlangt 45PpP zuzüglich 70P/Tag - ca. 10 USD!, falls man Strom haben will). Wir haben Wasser, Strom, ein wirklich gutes Restaurant in der Nähe und die Ruhe, die wir seit der Wüste schon ziemlich vermißt haben.
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Und Pipo darf auch endlich - nach fast einem Monat im Truck - wieder ins Freie. Er genießt es sichtlich.
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11. - 14.8.2009 Kwara Camp

Es hat schon was, mit dem Kleinflugzeug (hier immerhin eine Cessna Caravan) über Teile des Okavango-Deltas zu fliegen. So erfaßt man die Größe des Deltas eher als vom Boden.
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Nach etwa 25-minütigem Flug landen wir am Kwara Airstrip und werden von unserem Guide abgeholt. Schon die erste Brücke trägt den umgebauten offenen Landcruiser kaum mehr. Es poltert und ächzt und knackt und schaukelt, daß einem ganz anders werden kann. Das Wasser steht so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr, wird uns erzählt.
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Im Camp werden wir mit Champagner begrüßt. Wir erhalten unsere Einweisung. Das Camp hat keinen Zaun, im Wasser direkt davor hausen Nilpferde, Löwen, Elefanten und Hyänen sind nachts regelmäßige Besucher. Deshalb darf man sich im Camp tagsüber nur vorsichtig, nachts gar nur mit einem bewaffneten Guide bewegen.
Das Tagesprogramm klingt anstrengend. Um 6 Uhr Wecken, 6:30 Kaffee, dann Gamedrive bis gegen 10, Frühstück / Brunch, dann Pause bis 15:00, dann wieder Gamedrive oder sonstige Aktivität bis gegen 20:00, dann Abendessen, eine Runde am Feuer und dann ab ins Bett. Ich bin ja mal gespannt.
Außer uns sind noch etwa 10 Gäste im Camp. 4 Australier (mit denen wir zusammen später unsere Gamedrives machen), ein italienisches, ein amerikanisches und ein dänisches Pärchen. Maximale Belegung sind 8 Luxus-Zelte mit je zwei Personen. Auf jeden Gast kommt so mindestens ein Angestellter...
Das Camp liegt in einem privaten Konzessionsgebiet. Das größte im Delta. Etwa 70.000 Hektar nur für uns. Privat heißt hier auch, daß offroad und nachts gefahren werden darf. Das ist sonst nicht so ohne weiteres möglich und ermöglicht uns, wirklich nahe an Tiere heranzukommen, so daß ich auch mit meinem bescheidenen 200mm Tele hübsche Bilder schießen kann.
So treffen wir im Laufe der nächsten Tage auf Warthogs,
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Baby-Hyänen,
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eine Gruppe Löwinnen (Tochter, Mama und eine alte Dame),
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Zebras - welche Seite der Zebras zeigt übrigens die meisten Streifen?
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Die Außenseite. :-)
Nach langer Irrfahrt offroad quer durch die Büsche (da bin ich ja ein wahrer Waisenknabe, hier gehts wirklich zur Sache, da werden notgedrungen ganze Bäume plattgewalzt) finden wir ein Rudel Wildhunde,
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hübsche Vögel,
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drei Gepardenbrüder, die nach ihrem Kill ausruhen müssen, und wenn dann einer aufwacht, muß er sich recken und strecken,
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Impalas (unser Guide nennt sie 'Busch-McDonalds', wegen ihrem 'M' am Hinterteil und weil sie das Busch-Fastfood für fast alle Raubtiere seien) in der Abendsonne,
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ein Pack Hyänen, die sich über ein totes Nilpferd hermachen, und schier nicht mehr stehen können mit ihren vollen Bäuchen
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und einen Elefanten, der an die frischen grünen Blätter weiter oben im Baum will und diesen deshalb kurzerhand fällt.
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Daß so ein Offroad-Einsatz selbst bei speziell dafür konstruierten Vehikeln (die Toyotas wurden für das namibische Militär speziell für den harten Offroad-Einsatz umgebaut) den einen oder anderen Ausfall verursacht (die Lenkstange hats verbogen und sie verklemmt sich jetzt in Rechtskurven gegen das Federpaket, so können wir nur noch links bzw. maximal geradeaus, aber keinesfalls nach rechts) verwundert mich jetzt nicht, aber die Buben kriegen die Karre mitten in der Wildnis (soeben, keine 500m von hier, haben wir gerade noch einen Leoparden verfolgt - ich steige trotzdem aus, um das Foto zu machen) per Brechstange (mehr Werkzeug haben sie außer Highlift-Jack und Radkreuz nicht dabei) wieder soweit hin, daß wir nach Hause kommen.
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Daß mit den Raubkatzen hier nicht zu spaßen ist, sieht man auch daran, daß der 'Tracker', der vorne links auf seinem Sitz Ausschau hält, bei jedem Sichtkontakt mit den Raubtieren sofort ins Fahrzeug klettert. Da vorne ist er im Gegensatz zu uns als Beute erkennbar - wir verschmelzen angeblich mit der Fahrzeug-Shiluette. Solange man sitzt, zumindest. Ein deutsches Pärchen, das an einem Tag mit uns fährt, ist so begeistert, daß sie vor einem Löwenrudel aufspringen und sich aus dem Auto beugen - Er, um in eine bessere Fotoposition zu kommen, Sie, damit sie ihm die direkte Sonne abschirmt. Unseren Guide hat schier der Herzschlag getroffen. Vom Wohnzimmer in den Busch in 12 Stunden, da dauerts halt ein paar Tage, bis mans mitkriegt.

Am nächsten Tag machen wir eine Bootsfahrt. Okavango, ohne auf dem Wasser gewesen zu sein, wäre nur das halbe Erlebnis.
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Es ist ein zweistöckiges Aluminium-Boot mit einem 60PS-Außenborder. Wir finden zu zehnt darauf Platz. Vier oben, sechs unten. Gewechselt werden darf nur, wenn wir nicht fahren. Das ganze ist mehr als abenteuerlich. Das Schifflein schaukelt schon im Stand, daß man Seemannsbeine braucht. Wenn das Boot ein Nilpferd trifft, bin ich mir sicher, daß es dem Nilpferd nur wenig weh tut, das Boot aber Schrott ist. Schwimmwesten gibt es keine. Braucht man auch nicht. Im Wasser kann man stehen. Ertrinken tut man nicht - dafür sorgen steuerbords Krokodile, backbords Elefanten mitten drin die Nilpferde...
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Aber schön ists.
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Wir genießen (bei einem Gläschen wunderbarem Rotwein) einen herrlichen Sonnenuntergang und müssen uns dann beeilen, vor dem Dunkel werden nach Hause zu kommen.
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Das Boot hat kein Licht. Unser Kapitän läßts krachen. Die meisten an Bord schließen die Augen. Wegen der Mücken, die bei der Geschwindigkeit wie Nadeln in den Augen stechen - und den waghalsigen Manövern, die er auf den engen Kanälen vollführt. Ich trinke noch ein Glas Rotwein. Wenn schon sterben, dann mit Stil.
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Es ist stockdunkel, bis wir nach Hause kommen. Die Zeit bis zum Dinner will ich am Feuer bei einem Gläschen Wein verbringen.
Unser Guide, Sherlok Holmes, kommt aufgeregt gerannt. In unserem Zelt haben die Paviane gewütet. Wir müssen unbedingt sofort mit ihm kommen. Eigentlich habe ich keine Lust auf Chaos - vielleicht reicht es ja, wenn sich Janice die Katastrophe ansieht. Nein, ich muß mit, es hilft nichts.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Paviane ins Zelt gedrungen sein sollen, ich habe es am Morgen gewissenhaft verschlossen, aber wer weiß.
Im Zelt brennt Licht. Seltsam. Kerzen erhellen Bad und Schlafgemach. Die Belegschaft hat uns ein heißes Schaumbad gerichtet, Champangner kalt gestellt und für ein romantisches Dinner zu zweit gesorgt. Wir sind sprachlos.
Bei der Buchung haben wir nach dem Honeymoon-Zelt gefragt (weil es eine Badewanne hat) und Glen hat versprochen, sich darum zu kümmern. Mit so etwas haben wir aber nicht gerechnet. Eine gelungene Überraschung!
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Nachts schrecke ich hoch. Ein Impala stößt unmittelbar vor dem Zelt einen Warnruf aus und kurz darauf höre ich das Hufgetrappel der fliehenden Herde. Und ich bin mir sicher, Löwengebrüll gehört zu haben. Bitte nicht durch unser Zelt, schießt es mir durch den Kopf und ich mache mich ganz klein.
Wenig später, ich bin doch noch einmal eingeschlafen, knackt und kracht es direkt neben dem Zelt. Ich höre lautes Atmen. Das muß ein Elefant sein. Vorsichtig löse ich eine Ecke der Verdunklung am Fenster. Das Klettband macht ein entsetzlich lautes Geräusch. Ich spähe hindurch und mir stockt der Atem. Ich sehe den Himmel nicht mehr. Ein Monster von Elefant steht keine zwei Meter vor mir und verdeckt den ganzen Himmel. Er fällt Bäume und schiebt sich die leckeren Zweige in sein Maul. Schnell reiße ich den Rest der Verdunklung vom Fenster und springe wieder ins Bett, bevor er mich womöglich noch durch die Fenstergaze sieht. Dort liegen wir und beobachten ihn aus allernächster Nähe.
Er frißt, knackt Bäume, atmet laut und unüberhörbar und - furzt. Laut. Kurz darauf stinkt es gewaltig.
Sherlok Holmes kommt, um uns zu wecken. Aus der Ferne schon ruft er - 'Guten Morgen!'. Ich warne ihn sofort. 'Beware! There is a Elefant behind the tent!'. Er ist sofort still und rührt sich nicht mehr. Eigentlich sollten wir in 30min am Campfeuer sein, aber so, wie's aussieht, werden wir wohl warten müssen, bis sich der Elefant sattgefressen hat.
Er bahnt sich langsam eine Schneise durch den Wald und eine halbe Stunde später ist er weit genug weg, daß wir uns aus dem Zelt trauen.

Wir machen einen Bush-Walk. Wir streifen zu Fuß durch den Busch und lernen Spuren lesen. Es waren Impalas im Camp - und auch Löwen. Ich habe mich nicht getäuscht. Wir lernen Dung den Tieren zuzuordnen, wissen jetzt, wie Löwenspuren aussehen, verfolgen Hippospuren, untersuchen Elefanten-Fußabdrücke und sammeln Amarula-Kerne. Man findet sie im Elefanten-Dung. Weil Elefanten nicht wiederkäuen, verdauen sie ihr Fressen nur zum kleinen Teil und scheiden so die Kerne unbeschädigt aus.
Sherlok Holmes zeigt uns noch Buschmann-Zahnbürsten (er ist hier geboren und im Busch aufgewachsen) und sammelt Elefantendung - der sei gut gegen Moskitos, wenn er verbrannt wird.
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Wir machen eine Mokoro-Tour. Das Mokoro ist aus Fiberglas und etwas weiter (und damit weniger kippanfällig) als 'echte' Mokoros. Aber bei den 70 Lodges, die es im Delta gibt wäre es nicht umweltverträglich, wenn wirklich alle aus Bäumen geschnitzt würden.
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Lautlos gleiten wir durchs Wasser. Hippos beäugen uns, lassen uns aber, solange wir weit genug weg bleiben, in Ruhe. Eine sehr friedliche Fortbewegungsart, näher kommt man Natur kaum.
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Sherlok Holmes bastelt für Janice aus einer Wasserlilie eine Kette, die er ihr zum Abschied schenkt. Eine schöne Geste.
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Sherlok Holmes zeigt uns, wie man die essbaren Teile aus dem Amarula-Kern holt. Wir essen die 'pre-processed' Früchte. Sie schmecken hervorragend.
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Vor unserem Rückflug gibt es noch einmal leckeres Frühstück. Getoastet wird über offenem Feuer.
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Der Abschied fällt uns sehr schwer. Es waren drei wunderschöne Tage.
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15.8.2009 Maun - Gweta, Planet Baobab

Die Strecke durch die Moremi Game Reserve können wir uns abschminken, selbst wenn wir bereit wären, 1.500 Pula pro Tag für den Truck zu zahlen. Die Holzbrücken sind bis maximal 5to ausgelegt und das Wasser so tief wie seit Jahren nicht mehr, so daß die Wasserdurchfahrten schwierig bis unmöglich sind. Auch die Ausweichstrecke außerhalb der Game Reserve ist unpassierbar, eine Flußquerung zur Zeit selbst mit dem Truck nicht zu empfehlen. Bevor ich da steckengeblieben als Sehenswürdigkeit für die nächsten paar Wochen herhalten muß, nehmen wir lieber den Umweg über Nata in Kauf - dann können wir doch noch nach Kubu Island, das ich wirklich gerne sehen möchte.
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Wir machen Zwischenstation im Planet Baobab Camp. Sehr hübsch inmitten mehrerer Baobab-Bäume gelegen. Weil sie ziemlich voll sind (und wir nicht reserviert haben), sollen wir uns an den Rand einer Campingparzelle stellen und uns den Platz mit einem weiteren Touristen teilen. So eine Parzelle ist für Overlander-Trucks ausgelegt und entsprechend groß. Ein paar hundert Quadratmeter sind das schon. Wir haben nichts dagegen und stellen uns so weit weg wie möglich. Wenig später kommt unser Nachbar und flippt schier aus. Wir sollen uns einen anderen Platz suchen. Er möchte den Platz für sich alleine haben. Es ist ein Ami, schätzungsweise Mitte 50. Er baut sein Zelt im (!) überdachten Sitzrondell auf und blockiert vorsorglich den Grill mit seinen Utensilien. Wenn man so wie der Typ drauf ist, hat man sicher viel Spaß im Urlaub und gewinnt jede Menge Freunde. Ich drehe die Augen gen Himmel und laß ihn stehen. Da ist alles umsonst.
Am nächsten Morgen ist er (nicht ohne gehörig Lärm zu machen) verschwunden. Na bitte. Wir bleiben einen weiteren Tag und lassen es uns gut gehen.

17.8.2009 Gweta - Kubu Island

Ich rufe Bambo, den Kubu Island Manager an. Die Pan ist trocken, gut zu erreichen. Wir sind herzlich willkommen! Ich folge der Reisebeschreibung (samt GPS Koordinaten) des RKH Führers. Nie wieder! Die Piste ist seit Jahren ungenutzt und führt durch dichtesten Busch und Wald 90km querfeldein Richtung Süden. Nicht ein Hinweisschild, nichts. Wir halten durch und kommen mit arg zerschrammtem Auto nach 5 Stunden Quälerei tatsächlich in Kubu Island an.
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Whiskey, der Ranger, weist uns einen Campingplatz zu. Bambo ist bis Freitag in Nata. Schade. Wir kaufen billig Feuerholz, machen ein ordentliches Feuer, grillen und genießen die Ruhe und den den atemberaubenden Sternenhimmel.
Zu Fuß erkunden wir am nächsten Tag die Insel. Die Sicht auf die in der Hitze flimmernde Salzpfanne ist irreal, wie von einem anderen Stern.
Am Abend gesellen sich Steve und Nelson zu uns, Tourguides einer Truppe Italiener. Sie freuen sich, daß endlich mal wieder jemand halbwegs vernünftig englisch mit ihnen spricht. Die Nacht wird lange, aber das macht nichts, die Italiener (hier nennt man sie auch die Nigerianer Europas) sind laut. Warum sie in diese Einsamkeit kommen, ist mir nicht klar.
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19.8.2009 Kubu Island - Nata, Bird Sanctuary

Die Strecke zurück Richtung Nata führt auf einer Erhebung am Rand der Salzpfanne entlang. Sandig und eng, aber herrlich zu fahren. Immer wieder öffnen sich Blicke auf die Salzpfanne, die unendlich scheint.
Wir nächtigen auf dem Campingplatz des Nata Bird Sanctuarys, eines der Community-Projekte in Botswana. Zu unserer Überraschung taucht wie aus dem Nichts Bambo, der Kubu-Island-Manager auf. Er leitet hier einen Workshop für das Projekt. Wir diskutieren bis spät in die Nacht. Er ist unglaublich bewandt, vielseitig, offen. Ich wünsche ihm alles Glück für seine Projekte.

20.8.2009 Nata, Bird Sanctuary - Pandamatenga, Panda Rest Camp

Wir wurden gewarnt. Die Straße ist wirklich eine Katastrophe. Schlaglöcher, so tief, daß man darin verschwindet. Die 2cm Teer-Auflage haben nicht lange gehalten. Eine weitere Chinesen-Bauruine für Afrika. Es wird eine neue Straße neben der existierenden gebaut und die Caterpillar haben die Büsche zur Seite geschoben, so daß unebener, weicher Sand mich einlädt, die katastrophale Straße zu verlassen und lieber daneben auf weicher Spur zu fahren. Der eine oder andere Trucker hat das auch versucht. Einer davon hängt mit seinem 60to Zug hoffnungslos fest. Seit zwei Tagen. Wir sind die ersten, die anhalten. Wir geben ihm Wasser. Mehr können wir nicht tun. Ihm (wie zwei weiteren Trucks) hilft nur noch ein Caterpillar.
Ich möchte morgen die restlichen 100km der sog. 'Hunters Road' fahren, deshalb suchen wir in der Nähe nach einer Bleibe. Wild campen ist so nahe an der Grenze zu Simbabwe nicht ratsam, also suchen wir ein Camp. Touch Africa nimmt nach Renovierung keine Camper mehr an. Wie sie hier, 100km von Kasane mit so einer Strategie überleben wollen, ist mir nicht klar. So landen wir im Panda Rest Camp, in dem wir Tim treffen. Er war der Häuptling aller rhodesischen Ranger und kennt sich damit bestens in den simbabwischen Nationalparks aus. Er gibt uns jede Menge Tips und wir verbringen einen weiteren langen Abend mit Geschichtenerzählen. Wir werden ihn in Vic-Falls wieder treffen. Schön.

21.8.2009 Pandamatenga, Panda Rest Camp - Kasane

All die wilden Geschichten um die Hunters Road gehören der Vergangenheit an. Inzwischen ist auf der botswanischen Seite aus dem alten Elefanten-Trampelpfad eine sog. Cutline, eine Schneise, die die Buschfeuer-Ausbreitung stoppen soll, geworden. Auf 20m Breite hat ein Grader eine Sandschneise geschaffen, die fast mühelos in sicherem Abstand (na, manchmal immerhin 5m) zur Grenzlinie zu befahren ist. Weil wir natürlich wieder mal spät losgekommen sind (wir haben mit Chris und Tim gefrühstückt), suchen die Tiere den Schatten und mögen sich nicht zeigen. Wir finden trotzdem jede Menge Vögel, die uns begleiten, einige Gnus, hier und da einen Elefanten und etliche Löwenspuren.
Kurz vor Kasane fahren wir durch traumhafte Landschaft, auch wenn die Straße ab hier eher abenteuerlich zu nennen ist. Wir haben offensichtlich den Abzweig verpaßt. Janice, mein persönlicher Scout, macht kleine Elefantenherden aus und wir nehmen uns Zeit, sie zu beobachten. Kurz vor dem Grenzübergang zu Simbabwe geht es steil und übel ausgewaschen einen Berghang hinab, an dessen Ende ein durchhängendes Kabel mich in die Büsche zwingt. Jetzt gibt es eine neue Schneise :-)

Kasane trifft uns mit der vollen Härte eines Touristen-Ortes. Die Leute unfreundlich bis zum Abwinken, arrogant, Hilfsbereitschaft ein Fremdwort. In der Kubu-Lodge behandelt man uns so herablassend, daß ich gar keine Lust mehr auf dieses angeblich so hübsche Paradies habe. Wir übernachten in der Thebe Safari Lodge, die nicht viel besser ist. Man fühlt deutlich, daß sie interne Streitereien haben, da ist für den Gast keine Freundlichkeit mehr übrig. Schäbig ist das.
Für die nächsten drei Nächte finden wir Unterschlupf in der Chobe Safari Lodge. Mit Overlandern kann man leben, mit arroganten, geldgeilen (südafrikanischen) Lodgebetreibern nicht. Die Anlage ist super-gepflegt, die Bar direkt am Fluß lauschig und die Overlander (Italiener, Franzosen und Spanier direkt um uns) durchaus angenehm. Wir sehen von der Bar aus einen Mountain-Lizard, Krokodile (Babykrokodile gar), Elefanten auf der Insel gegenüber und genehmigen uns einen Sundowner zum spektakulären Sonnenuntergang. Mir taugts. Sehr.
Kasane hat ein Problem - die Trinkwasserversorgung ist gestört. Irgendwo dringen Keime in die Leitung. Der ganze Ort hat Durchfall. Seit Tagen. Neuankömmlingen wird das allerdings verschwiegen. Wir erfahren es erst, als Janice nach Eiswürfeln für ihr Cola fragt und sie immerhin gesagt bekommt, daß es wohl besser wäre, wenn sie darauf verzichten würde - die Tage zuvor war die halbe Gästeschar im Krankenhaus. Gut daß wir unsere eigene Wasserversorgung (und entsprechende Filter) im Truck haben. Ich verzichte trotzdem darauf, die Tanks hier nachzufüllen.
Wir machen eine Bootstour. Mit 50 anderen Touristen. Es ist ein bißchen wie auf dem Volksfest. Jede Menge Boote (wenigstens 20 um uns herum) behindern sich gegenseitig auf dem Wasser und scharen sich um jedes sehenswerte Tier. Es ist - dank unseres Guides - wenigstens informativ und, hat man die Pauschal-Touristen-Atmosphäre erst mal akzeptiert, auch zu genießen.
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Am nächsten Tag streifen wir durch das Städtchen, kaufen Bücher (hier gibts eine kleine Auswahl) und gehen zum Mittagessen in die Chobe Marina Lodge. Wir sind früh dran, das Mittagsbuffet ist noch nicht fertig gerichtet, aber uns steht der Sinn sowieso eher nach etwas kleinerem. Der (weiße) Restaurantmanager wichtelt herum und meckert hier und dort. Vor versammelter Mannschaft macht er den Küchenchef zur Schnecke. Management mit der Peitsche. Sobald er außer Sicht ist, grinsen sich die Kellner einen. Der hat verloren. Er kommt zurück und - wir trauen unseren Augen nicht - versprüht eine ganze Dose Peaceful Sleep (das hiesige Pendant zu Autan) auf die Tücher unter dem angerichteten Buffet. Mir grausts vor dem Gedanken, wie die besprühten rohen Früchte, Kuchenstücke, Äpfel und Salate wohl schmecken oder bekommen. Vermutlich muß man sich am Abend nicht mehr einsprühen. Er vergiftet das halbe botswanische Militär und die Polizei, die kurz darauf (sie haben irgendein wichtiges Seminar im Hotel) zum Mittagessen erscheinen. Peaceful Sleep...

25.8.2009 Kasane - Vic Falls

Es waren herrliche Wochen in Botswana. Teuer, aber wunderschön. Ein friedliches, hochentwickeltes Land mit freundlichen, hilfsbereiten Menschen.
Wir werden zurückkommen, müssen aber jetzt weiter zu den Vic-Falls. Dort erwarte ich Besuch aus der Heimat. Auf Wiedersehen, Botswana!
Auf nach Simbabwe, Teil 2!

Afrika! - Botswana III

6.4.2010 Katima Mulilo - Kasane

Die Damen am Veterinär-Kontrollposten an der Grenze nehmen es heute sehr genau. Eine von ihnen, 'traditionally built' (wer Alexander McCall, 'The Nr. 1 Ladies Detective Agency' gelesen hat, weiß, was damit gemeint ist), will den Truck inspizieren. Also stelle ich die Treppe an und helfe ihr, hinaufzubalancieren. Sie bekommt große Augen, so etwas hat sie noch nie gesehen. Sie durchkramt den Kühlschrank, ignoriert die in Marinade eingelegten Lamm-Koteletts, ich zeige ihr vorweislich die Tiefkühltruhe nicht, aber sie entdeckt den Schuhschrank. ALLE Schuhe müssen ins Desinfektionsbad. Auch die, die wir sein Monaten nicht benutzt haben. Vorschrift ist Vorschrift. Die nächsten Tierfarmen liegen jenseits des Chobe-Parks, in dem es Büffel gibt. Erst danach macht eine Desinfektion wirklich Sinn. Und dort wird am Veterinärzaun ja noch einmal kontrolliert.
Von der Chobe-Transit-Straße machen wir einen Abstecher zur Chobe Riverfront, wo wir auf den nächsten paar Kilometern endlich jede Menge Elefanten finden. Sie haben zahlreiche Jungtiere und Babys unter sich und sind entsprechend nervös. Und imposant groß.
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In Kasane wollen wir auf dem Campingplatz der Chobe-Safari-Lodge bleiben. Die Rezeptionsdame blockt ab. Alles voll. Auch die anderen Campingplätze in Kasane seien hoffnungslos überbelegt. Nachdem wir aber Cäsar, den Campingplatz-Security-Boß kennen, probieren wir unser Glück am Campingplatz-Gate. Schon letztes Jahr hat es geheißen, 'voll' und dann war da doch ein Plätzchen. Auch dieses Mal haben wir Glück. Weil das Wasser so hoch steht und der halbe Capinplatz überflutet ist, wird ein Zufahrtsweg nicht genutzt und dort können wir uns hinstellen. Morgen würde Platz Nr. 14 frei, der beste Platz im Camp, da im Moment direkt am Wasser gelegen. Und schon hat die Dame an der Rezeption auch keine Bedenken mehr, uns einzuchecken.
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Tatsächlich wird am nächsten Tag der Platz Nr. 14 frei. Vor kurzem noch völig unter Wasser, ist der Boden zwar naß, aber fest. Ich bugsiere Maxl durch die enge Zufahrt auf den Platz, schön langsam, um die Bäume nicht allzusehr in Mitleidenschaft zu ziehen, da wird das Fortkommen plötzlich zäh und das Drehmoment geht mir aus. Ich muß auskuppeln, um den Motor nicht abzuwürgen. Ich Rückspiegel sehe ich, wie sich der Aufbau zu neigen beginnt. So schnell es geht, betätige ich die Schalter für Untersetzungsgetriebe und alle Sperren. Motor zwecks Drehmoment auf Drehuahl bringen und einkuppeln. Maxl fängt an, zu wippen, aber es ist zu spät. Das linke Hinterrad ist bis auf die Achse eingesackt und der Vortrieb der drei anderen Räder reicht nicht. Ich kanns nicht fassen. Botswana ist wohl nichts für Maxl.
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Wir fangen an, zu schaufeln. Eine Rampe für das eingesackte Hinterrad und unter der Achse, um evtl. einen Wagenheber darunter zu platzieren. Und stossen schnell auf die Ursache des Problems. Zwei Drainagerohre enden direkt hier am Baum. Die Erde ist auf einer Fläche von 1x2m butterweich. Keinen halben Meter neben einem großen Baum, der sich an seinen Nachbarn lehnt. Seine Wurzeln sind völlig verfault. Zwei Elektrokabel liegen keine 10cm unter der Oberfläche. Es ist aussichtslos. In 20cm Tiefe trefen wir auf Wasser und die 'black cotton soil' fließt nach. Nicht genug damit, der Truck fängt an, immer weiter abzusacken. Der Platz ist zu eng, um den Truck nach vorne rauszuziehen - es ist schlichtweg kein Platz vor dem Fahrzeug. Hinter dem Truck steht in 2m Abstand ein Baum, evtl. könnte man daran einen oder mehrere Greifzüge anbringen, um ihn rückwärts herauszuziehen. Aber ich habe keine große Hoffnung.
Derweilen sammeln sich etliche Schaulustige um uns. Mancher schießt aus seiner Deckung hinter einem Baum etliche Bilder. Wir sind die Attraktion des Platzes.
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Der General Manager des Hotels sieht nach uns. Auch er hat keine gute Idee. Die BDF (Botswana Defence Force) wäre noch die beste Aussicht auf Erfolg, meint er. Vielleicht machen sie ja eine Übung daraus. Aber er kennt keinen beim Militär.
Darron, ein seefahrender Tausendsassa, der auf dem Campingplatz zeltet, weiß Rat. Er hat in der Stadt eine Garage gesehen, in der sie schweres Bergegerät haben. Er ruft einen seinder Bekannten, Duncan, einen ehmaligen Minister, dem neben der Garage fast halb Kasane gehört, an und bittet um Hilfe, die ihm prompt zugesagt wird.
Tatsächlich taucht kurz darauf ein beladener 26to Truck samt Elias, dem Werkstattmanager auf. Elias ist zuversichtlich, den Truck so herauszubekommen. Der Truck soll quer durch die Büsche mit Maxl per Kette verbunden werden. Dazu haben sie eine schwere, 20m lange Eisenkette dabei. Aber keine Schäkel, keine Bolzen, der Lkw hat keine Hängerkupplung. Meine Schäkel sind entweder zu groß, um durch die Kettenglieder zu passen, oder zu schwach, um schätzungsweise 10to Zugkraft auszuhalten. Die eine Seite ist kein Problem, mein 8to Bergegurt, vierfach gelegt, verbindet das eine Ende der Kette mit meinem Schleppmaul. Während wir noch diskutieren, lädt der Truckfahrer einen Teil des Sandes ab, den er als Ballast geladen hat. Er hat die Anweisungen mißverstanden. Erst unser Aufschrei läßt ihn stoppen. Jamei.
Das andere Ende der Kette wickeln die schwarzen Mechaniker um die Hecktraverse des Lkw und verknoten eine dünne Kette (made in China) mit dem losen Ende. Nicht mit mir. Das gibt mindestens einen Toten, wenn diese Konstruktion reißt - mich.
Darron hat schließlich eine Idee. Meine übergroßer Schäkel wird als Ketten-Sperrglied genutzt, meine Reifen-Montiereisen, kreuzweise in ein Kettenglied gesteckt, dienen als Sicherung. Zusätzlich wird die Kette mit der kleinen Kette für den Fall eines Abrisses durch den Sand als Däpfungsglied gesichert. So kanns losgehen.
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Die Kette spannt sich, ich gebe Gas und kupple ein. Maxl bewegt sich - es klappt. Nach ein paar Zentimetern läßt die Kettenspannung nach, der Gurt hängt durch. Der Truckfahrer ist vom Gas gegangen. Warum? Ich bleibe auf dem Gas, Maxl wühlt sich langsam, langsam weiter. Irgendjemand hat reagiert und den Truckfahrer dazu bewegt, wieder zu ziehen. Was denkt sich der Typ eigentlich? Und schließlich sind wir frei. Die Menge applaudiert, ich bin endlos erleichtert.
Zurück bleibt ein tiefes Loch, ein Spielplatz für Warzenschweine, die sich mit Begeisterung in dem Dreck suhlen.
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Am Abend veranstalte ich für alle, die geholfen haben, eine 'Rescue-Party'. Es wird ein sehr ausgelassener Abend.
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Und der Platz, auf dem wir stehen, ist perfekt. Wir sind für uns, alle anderen Camper sind im hinteren Teil des Platzes, im Wasser vor uns sehen wir zahlreiche 'Red-Eyes', Krokodile, in den Bäumen um uns lärmen aufgeschreckte Paviane und spät abends kommt uns ein Nilpferd besuchen - wunderbar.
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Ansonsten ist der Campingplatz in einem desolaten Zustand. Die Wegbeleuchtung und große Teile der Platzbeleuchtung sind ausgefallen (kein Wunder bei der Qualität der Verkabelung, rings um uns zischelt es im nassen Untergrund, weil die Kabelisolierung beschädigt ist, die Kabel liegen frei, sind lediglich mit Lüsterklemmen miteinander verbunden, zahlreiche Glühbirnen sind beschädigt oder fehlen ganz, sie sind vermutlich verkauft oder im Dunkeln geklaut), so daß man im Dunkeln keinen Meter an Krokodilen vorbei zum Toilettblock muß. Die Sicherheitskräfte haben zwar altersschwache Taschenlampen, aber keine Batterien (vermutlich habe sie die verkauft), so daß sie mich um meine Maglite anbetteln, ein Ansinnen, das ich leider abschlagen muß, ich bin mir sicher, daß ich sie nie wieder sehen würde. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier ein ernster Unfall passiert. Die Bar, ein wunderbarer Platz, von dem aus wir noch letztes Jahr etliche Tiere beobachten konnten, steht unter Wasser - sie wurde erst vor zwei Jahren neu gebaut, weil sie ¨berschwemmt wurde - man hat offensichtlich nicht daraus gelernt. Ich habe das Gefühl, daß das Management den Campingplatz herunterkommen läßt, um irgendwann weiteren 'Rondavels', die sich für einen höheren Preis vermieten lassen, Platz zu machen.

11.4.2010 Kasane

Ein lautes Knacken hinter dem Truck läßt mich aufschrecken. Ein altersschwacher Unimog der Karibu-Safari Overlander ist durch die Büsche gebrochen. Eine Kombination aus nicht funktionierenden Bremsen (verwundert mich beim Allgemeinzustand des Fahrzeuges nicht im geringsten) und unfähigem Fahrer (statt bergabwärts hätte man ja auch bergwärts lenken und so den Truck stoppen können) hätte beinahe zur Katastrophe geführt. Ein Wunder, daß die Büsche das Gespann aus überladenenem Unimog und Wassertank-Anhänger (der Mangels einer Zugöse mit einem Bergegurt am Kupplungsmaul befestigt ist) aufgehalten haben, um ein Haar wäre er Maxl in die Breitseite gerauscht.
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Ich sitze in der Bar am Wasser, schreibe an meiner Webseite. Ein Nachbar warnt mich - eine Schlange bewegt sich auf mich zu. Sie ist noch 2m von mir entfernt. Es ist angeblich eine grüne Mamba, ca. 1m lang, die sich züngelnd und den Kopf immer wieder 20cm über den Boden hebend langsam auf mich zuschlängelt. Langsam ziehe ich mich zurück, ich lasse ihr den Platz, den sie braucht. 'You must kill it with a stick!' tönt es hinter mir. 'A Boomslang', ruft jemand anderes, sie haben einfach keine Ahnung. Ich warne einen weiteren Touristen, auf den sie sich zubewegt. 'I'm American, snakes don't bite me' meint er. Eine Arroganz und Hohlheit, die nicht mehr zu übertreffen ist.
Eine Stunde später kommt sie wieder. Diesmal ist sie sichtlich irritiert und nervös, den Kopf hoch erhoben. Ich räume das Feld, will mein Schicksal nicht weiter herausfordern.
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13.4.2010 Kasane - Vic Falls

Wir sind wieder zurück in Simbabwe
created: 2009/07/12 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2010/04/29 13:31:22 $ by $Author: thomaswaas $