Afrika! - Kenia I

12.08.2008 Moyale - Marsabit
Grrr! Es ist kalt. Ich bin mitten im August keine drei Grad vom Äquator entfernt und friere! Tagsüber geht es, aber nachts hats keine 16 Grad. Alle Welt läuft in Anoraks und Pullis herum.
Gestern habe ich die Grenze passiert, alles sehr korrekt, einfach, schnell. Ein fliegender Händler kauft mir zu einem angeblich vernünftigen Kuirs (9.5 Birr per USD) meine restlichen Birr ab. Er tippt wild auf seinem Handy herum, um mir die 500 Birr umzurechnen und kommt auf glatte 50 Dollar. Toller Zaubertrick. Er schaut völlig unschuldig und ungläubig, als ich 25 Birr von ihm zurückfordere. Dummdreist ist das.
Die Engländer haben ihre Spuren hinterlassen. Linksverkehr - das geht noch - warmes Bier - das geht gleich gar nicht. Es gibt kein kaltes Bier in Kenia. Zumindest nicht in Moyale.
Auf dem Campsite, auf dem ich die Nacht verbringe, treffe ich zwei Spanier, die von Südafrika kommend über Äthiopien, Sudan, Ägypten, Libyen und Tunesien nach Hause wollen. Sie sind völlig aufgelöst, weil es in Äthiopien angeblich keinen Sprit gibt. Ich kann sie beruhigen.
Sie kommen aus Marsabit und haben Begleitschutz angeheuert. Einen recht netten Polizisten mit breitem Grinsen. Ich trinke ein (ja, warmes!) Bier mit ihm und verabrede mich für den nächsten Tag. Ich habe keine Lust auf Konvoi-Fahren, sondern mag mein eigenes Tempo bestimmen.
Wir brechen gegen 9:00 auf, ein Kollege von ihm bittet mich, seine Frau mutzunehmen - warum nicht. Die angeblich so fürchterliche Strecke ist die ersten 100km angenehm zu fahren. Kaum Wellblech, wenig Überraschungen (Schlaglöcher, nicht erkennbare Senken), erst später wirds dann etwas zäher und langsamer.
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Knapp 150km vor Marsabit winkt an einem Checkpoint ein Fahrradfahrer und bittet um Mitnahme. Er hat seit Moyale rund 100 Platten, sagt er, die Akaziendornen seien wirklich schlimm. Ich schnalle sein Fahrrad zum Motorrad auf den Heckträger und nehme ihn mit. Nach insgesamt knapp 6 Stunden erreichen wir Marsabit und schlagen in 'Henry's Campsite' unser Lager auf.
Er erzählt fürchterliches aus Äthiopien. Von 30 Tagen Aufenthalt sei er 28 Tage mit Steinen beworfen worden. Auf der Strecke Dilla - Moyale, die ich ja auch gefahren bin, gar von Erwachsenen angegriffen worden. Zu einem Kampf sei es gekommen. Es klingt absurd. Ich werde das Gefühl nicht los, daß sein Verhalten nicht dazu beitragen wird, daß es der nächste Fahrradfahrer leichter hat. Wer stolz darauf ist, mit 2 Dollar pro Monat (nur soviel hat er im Sudan gebraucht, erzählt er mir) durch die ärmsten Länder der Welt zu reisen und sich von der hungernden Bevölkerung ernähren zu lassen, kann mit meinem Verständnis (und möglicherweise dem der Einheimischen) nicht rechnen.
Auch die zwei deutschen Rucksacktouristen, die gestern morgen eine Mitfahrt forderten (ich fahre ja in die Richtung, in die sie wollen, ich hätte ja Platz) habe ich stehen lassen. Ich nehme 1000mal lieber Einheimische mit, die Mühe haben, die 50 Birr für eine Busfahrt zu berappen, als Schnorrer, die angeben, zu reisen, sich tatsächlich aber nur durch die Welt schmarotzen. Für Bier und Zigaretten reicht das Geld, Essen wird geschnorrt und gereist wird auf Kosten anderer. Nicht mit mir.

13.08.2008 Marsabit - Isiolo
Mir fällt absolut nichts ein, womit das Erlebnis von knap 300km Wellblechpiste allerübelster Art zu beschreiben wäre.Es zehrt an den Nerven. Sehr. Die Piste ist eigentlich nur mit einem Luftkissenfahrzeug zu befahren. Sonst muß man sein Fahrzeug schon sehr hassen, um es wie die Einheimischen über kopfgroße Steine zu prügeln.
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Aber ich habe einen wunderschönen Campground am Hotel Rangelands. Billig, paradiesisch, freundlich. Am Abend sitze ich im Freien an der Hotelbar, esse Ziege (sehr schmackhaft, aber leider werden die Koteletts samt Knochen zerhackt und dann hat man jede Menge Knochenteilchen zum Aussortieren und Abfieseln, was ich nicht so wahnsinnig mag), lerne Bürgermeister, Stadtrat und Hotelmanager kennen, versuche mich in meinen ersten Worten Kisuaheli, bekomme einen Zopf geflochten und verbringe so den Abend in angenehmster Athmosphäre.
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14.08.2008 Lewa Down National Park
"Thomas! You're in Africa! I'm flying over you!" schreibt mir Stanley in einer email. Er verfolgt mich über Satelliten-Tracker und sieht seit geraumer Weile, daß ich in Afrika bin. Auf den Tag genau treffen wir uns mitten in Kenia im Lewa Nationalpark. Er ist von Amerika aus mit einer Cessna Caravan unterwegs, um das Flugzeug zusammen mit seinen Freunden nach Südafrika zu überführen.
Wir verbringen einen herrlichen Abend in der Lodge von Willie & Sue Roberts. Ein Urlaubsparadies, das seinesgleichen sucht.
Ich sehe meine ersten wildlebenden Elefanten, Giraffen, Nashörner, Geparden, Büffel, Zebras, um nur einige zu nennen. Afrika wie aus dem Bilderbuch. Ich bin überwältigt.
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15.08.2008 Lewa Down National Park
Am Morgen habe ich Besuch. Ein Zebra streift ums Auto. Wir bringen Stanley und seine Freunde zu ihrem Flugzeug und müssen uns nach viel zu kurzer Zeit schon wieder verabschieden. Ich freue mich auf ein Wiedersehen spätestens in Südafrika.
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Ich werde eingeladen, noch eine Nacht in der Lodge zu verbringen und akzeptiere gerne.
Nach dem ausgiebigen Abendessen mache ich mich mit einem Scout auf zu meinem Truck. Wir kommen nur 100m weit, da packt er mich fest am Arm und zieht mich in die Büsche. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er in keine 10m entfernte glühende Augen. Ein Monster von einem Tier setzt sich in Bewegung und er zieht mich noch tiefer in die Büsche. Es ist ein Büffel, den wir überrascht haben und der uns leicht verärgert anglotzt. Mein Scout hat einen Heidenrespekt vor dem Tier und mir geht es nicht anders. Langsam schieben wir uns aus dem Blickfeld und atmen beide spürbar auf, als der Koloss von uns abläßt. Was bin ich froh, daß ich in Begleitung unterwegs bin!

16.08.2008 Lewa Down National Park
Frühmorgens holt mich ein Scout ab, um mit mir durch den Park zu fahren. Ein voller Erfolg. Endlich sind die Wolken um den Mount Kenia vertrieben. Und wir sehen einen Geparden aus nächster Nähe. Lässig und entspannt liegt die Raubkatze im Gras und ist von unserer Anwesenheit völlig unbeeindruckt.
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18.08.2008 Isiolo - Nyahururu / Thomson Falls
Thomas, you have to see the migration! Damit ist klar, wohin ich als nächstes fahre. Bis in den Masai Mara Nationalpark sind es etwa 400km, auf dem Weg dorthin liegen die Thomson Falls, die ich mir für heute als Zwischenziel ausgesucht habe. Nach knapp 60km biege ich rechts ab, um entlang des Sweetwater Nationalparks die kürzere Strecke Richtung Westen zu nehmen. Der löchrige Asphalt geht über in einen Feldweg, bald bin ich das einzige Auto weit und breit, die Piste wird weich - hier möchte ich in der großen Regenzeit nicht unterwegs sein. So, nach den kleineren Regenfällen der letzten Tage ist sie durchaus passabel, auch wenn manche Furten böse ausgewaschen sind.
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Die Thomson Lodge direkt an den Wasserfällen ist leicht touristisch verseucht - aufgeregt rennen mir die Standlbesitzer hinterher und versuchen, mr alle möglichen Souvenirs anzudrehen, vor den Wasserfällen posiert ein Pärchen in unmöglich herausgeputzter (Indianer? -)Tracht, fürSpielplatzbenutzung und Picknik im Park werden Gebühren erhoben etc. - aber idyllisch und recht schön gelegen, der Campingplatz weitläufig und ok, Feuerholz (wenn auch naß) wird gestellt und so verbringe ich einen entspannten Abend am Feuer. Die Wächter kommen mehrfach auf ein Schwätzchen vorbei, die Gruppe Overlander, die sich keine 10m vor mir aufgepflanzt hat, obwohl der Platz mehrere hundert Meter bietet, ist heute gottseidank ausgelaugt und fertig, so daß noch vor 10 Uhr abends Ruhe ist. Ich aber sitze bis weit nach Mitternacht am Feuer und lasse meine Gedanken treiben.
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19.08.2008 Nyahururu - Masai Mara / Richards Lodge
Meine kleine Kamera hat ihren Geist aufgegeben. Das Gerüttel war offensichtlich zu viel. Die Linsen-Mechanik ist hinüber. Ein Motörchen surrt, aber die Linse bewegt sich nicht mehr. In meiner Lkw-Werkstattausrüstung findet sich kein Uhrmacherwerkzeug, mit der ich das Teil aufkriegen würde, also wird sie trotz guter Dienste in den Ruhestand geschickt und meine Spiegelreflex kommt wieder zum Einsatz.
Ein paar Kilometer nach Nyahururu fällt das Land ab in das Rift Valley. Ein herrlicher Ausblick über grünes, saftiges, kultiviertes Land.
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Nur noch wenige Kilometer trennen mich vom Äquator. Das Durchfahren der Null-Linie ist unspektakulär. Ich versichere, ich habs gar nicht gemerkt. Hätte ich kein GPS, wüßte ich gar nicht, daß ich jetzt auf der Südhalbkugel weile.
Die Straße verläuft stetig weiter Richtung Süden und erst jetzt, ein paar Kilometer weiter, künden große Schilder vom Ereignis. Buden laden zum Umtrunk. Interessanterweise sind es wenigstens drei Äquator-Überquerungen, die ich so nacheinander schaffe. Auch das ist mir neu, daß der Äquator an manchen Stellen über ein paar Kilometer aufgefächert ist...
Sue und Willie haben mir die Adresse von Richards Lodge, der Lodge ihres Sohnes Richard gegeben - er würde sich freuen, wenn ich ihn besuchen komme. Ab Nakuru sind es noch über 200km Piste, teils wirklich übel. Zum Teil liegt die Piste 1,5m unter dem umliegenden Land. Was hier nach einem kräftigen Regenfall los ist, mag ich mir gar nicht ausmalen - der Zustand der Piste ist entsprechend. Metertiefe Auswaschungen, die notdürftig (in der für mich 'falschen' Spurweite) geflickt sind machen das Vorankommen sehr zäh.
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Das Land weitet sich und wird zur Savanne. Noch 80km. Links und rechts der Straße weiden Büffel, Kühe, Zebras, alles bunt gemischt. Die letzten Kilometer geht es quer durchs Gras. Hier gibt es noch nicht mal eine Piste, nur noch heimtückische 'Black Cotton Soil' und etliche Spuren. Afrika wie aus dem Film. Kindheitserinnerungen an 'Daktari' werden wach.
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22.08.2008 Richards Lodge - Masai Mara / Aruba Campsite
Ich verbringe ein paar Tage in Richards Camp. Richard ist leider nicht da, er ist verhindert und kommt frühestens nächste Woche. Sein Verwalter hat Besuch von seiner Familie und ist rund um die Uhr mit ihnen beschäftigt, so habe ich Zeit für mich, mache meine Hausaufgaben, kümmere mich um den Truck und albere mit den Massais herum, die das Camp bewirtschaften.
Da es relativ viel Niederschlag gegeben hat in letzter Zeit, hat auch die Migration noch nicht eingesetzt. Die Tiere haben noch genügend Futter auf der Serengeti-Seite des Flusses, so daß die Zeit nicht drängt. Per Telefon empfiehlt mir Richard ein Camp im Park, von dort sind es dann mur wenige km zu den Furten, an denen der Fluß gequert wird. Das Governors Camp stellt sich als super-edle Lodge heraus, die man weit im Voraus buchen muß - selbst wenn mich der Manager gnädigerweise hier stehen lassen würde - darauf habe ich keine Lust, mir ist ein einfacher Campingplatz mit Normalsterblichen lieber, also quere ich den Park in südlicher Richtung und lande nach aufregend-spektakulärer Fahrt, auf der ich tausende von Tieren sehe, in einem Bushcamp, dem Aruba Mara Camp.
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Ich parke meinen Truck zwischen Bäumen auf einer weitläufigen Wiese und folge einem Masai zur Bar. Auf dem Weg dorthin traue ich meinen Augen nicht. Ein Geländewagen mit Landshuter Kennzeichen! Ein Auto aus meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern! Ich fasse es nicht. Wie kommt der denn hierher? Es ist das Auto der Chefin Gerdi. Sie ist in meinem Alter und baut sich hier eine neue Existenz auf. Als Frau alleine in Afrika. Respekt.
Der Abend wird lang. Es gibt so unglaublich viel zu erzählen und die heimische Sprachfärbung läßt mich schnell 'mich zu Hause' fühlen. Davon abgesehen ist das Dreigänge-Menü, das uns serviert wird, richtig gut. Tomatensuppe in genau der richtigen Schärfe, Salat aus dem Garten, ein T-Bone Steak, wie ich es schon seit Monaten nicht mehr gesehen habe und schließlich Fruchtsalat. Das hätte man dem niederbayerisch sprechenden afrikanischen Koch nicht zugetraut.

23.08.2008 Masai Mara / Aruba Campsite
Zu einem der 'Migration Points' sind es etwa 40km. Auf dem Wege dorthin sehe ich jede Menge Hyänen. Im Fernsehen sehen die viel kleiner aus - ich bin froh, in einem Truck zu sitzen.
Die 'Wildebeests' können sich heute nicht entscheiden, ob sie durch den Fluß sollen oder nicht. In einem Affenzahn geht es jeweils ein paar Kilometer vor und zurück. Irgendwann sind sie verschwunden. Zurück bleiben zig Fahrzeuge mit kameraschwenkenden Touristen. Ich bin einer davon...
Immerhin sehe ich Nilpferde, Krokodile und - angeblich nur mit sehr viel Glück zu beobachten - einen Serval.
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Zurück im Buschcamp erwartet mich wieder ein erstklassiges Abendessen. Spät in der Nacht werde ich von einem Guard zu meinem Truck gebracht. Gerdi hält nichts von Elektrozäunen, schließlich ist das Camp ein Buschcamp, und so finden sich auf dem Gelände Elefanten, Büffel und Nilpferde. Keinem davon möchte man in der Nacht alleine begegnen, wie ich aus Erfahrung weiß.
Die Pirschfahrt am nächsten Tag breche ich nach ein paar Kilometern ab. Ein unheimliches Schlagen in der Federung macht mir Sorgen. Ich öffne das Fenster, um besser hören zu können, und blicke auf den Reifen unter mir. Mir stockt der Atem. Die Achse bewegt sich etliche Zentimeter vor und zurück. Das kann nicht sein. Ich krieche unters Auto und untersuche den Truck. Alles fest. Das gibts doch nicht. Wieder zurück in der Kabine fahre ich wieder vorsichtig an. Und wieder knackt es fürchterlich. Und die Achse bewegt sich. Auch seitlich. Relativ zum Führerhaus. Relativ zur Stoßstange nicht. Du liebe Scheiße! Das Führerhaus ist es. Ich halte wieder und untersuche die Lagerung der Kabine. Und tatsächlich - der Bolzen in der Lagerung vorne links ist abgeschert, die Kabine liegt nur noch auf. Jetzt ist guter Rat teuer. Im Umkreis von 200km gibt es nur üble Pisten. Mit einem losen Fahrerhaus wohl kaum zu machen. Ich bin ratlos.

24.08.2008
Im Camp wird 'afrikanische Nacht' gefeiert. Es gibt typisches afrikanisches Essen, einen höllisch scharfen Tomatensalat (Tomaten, Zwiebeln, Chillies, Koriander), gegrillte Ziege und leckere Beilagen. Richtig lustig wirds, als dann eine Gruppe Masai (-Krieger? Na ich weiß nicht, es sind die Camp-Angestellten, aber sie sind echte Masais) einen Tanz aufführen. Dabei springen sie unglaublich hoch. Wer am höchsten springt, darf sich angeblich als Erster eine Frau aussuchen. Als es darum geht, mitzutanzen, fällt ihre Wahl natürlich mal wieder auf mich. Also springe ich, was Beine und Knie hergeben, aber gewinnen tu ich nicht. Dafür ist das Gelächter riesengroß, als ich Angesicht in Angesicht mit einem grimmigen Krieger anfange, von einem Fuß auf den anderen zu stampfen, in die Knie gehend und den Kopf vor- und zurückwerfend, so daß die Haare nur so fliegen und ein fürchterlich tiefes brüllendes "Huh! Huh! Huh!" ausstoße. Den Teil gewinne ich für mich.
Mit dem Truck gibt es bisher nichts neues, außer daß ich auch noch eine abgerissene Rahmenschraube und einen Riß an der Generatorhalterung entdecke. Ich maile an Unicat. Man wird mir helfen.

25.08.2008
Jetzt ist auch noch meine Satellitenverbindung hinüber. Ich bekomme keine Verbindung mehr. Hier gibt es weit und breit kein Internetcafe. Das wird spannend.

29.08.2008
Die Satellitenverbindung steht wieder. Wenigstens etwas. Aus Deutschland kommen Teile, aber die sind 10 Tage unterwegs. So lange hänge ich fest. Nun gibt es aber schlimmere Plätze, um festzusitzen. Dann gehe ich eben auf Pirschfahrt und beobachte Tiere, lese, faulenze und laß es mir gut gehen.
Im Aruba Camp lerne ich Claudia und Rainer kennen. Sie sind mit einer österreichischen Familie hier, die sie als Organisatoren von individuellen Safaris (Crane Experience) begleiten und betreuen. Wir kommen schnell ins Gespräch und verbringen vergnügliche Abende bei leckerem Essen, Bier und Wein zusammen.
Claudia und Rainer bleiben noch ein paar Tage, nachdem die Familie abgereist ist. Sie nehmen mich mit auf Pirschfahrt. Ein besonderes Erlebnis für mich. Als Zoologe weiß Rainer unglaublich viel über die Tiere und ihr Verhalten hier. Der sog. "Gamedrive", so nennt man hier die Pirschfahrten durch den Park, ist mit den beiden mehr als angenehm. Wir lassen uns viel Zeit, hetzen nicht wie sonst auf Gamedrives üblich, hinter den "Großen" her, sondern freuen uns über Reptilien, Vögel, Kleintiere, die überall zu finden sind. Auch zu denen weiß Rainer jede Menge zu erzählen. Und mit seinem Megazoom, das ich zu meiner großen Freude benutzen darf, sind die Tiere auf den Fotos "zum Anfassen" nahe.
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30.08.2008
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Eine große Geierschar, die am Himmel kreist, weist uns den Weg zu einer der "Katastrophen" der Migration. Wenn zehntausende von "Wildebeests" versuchen, den Fluß zu überqueren, passiert es an steilen Stellen immer wieder, daß etliche, manchmal mehrere hundert Tiere totgetrampelt werden. Nicht schön anzuschauen, aber in der Panik, in der der Fluß gequert wird, unvermeidlich.
Für die Geier und Marabus ein Fest.
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Bis auf wenige Meter nähern wir uns nach und nach einer Gruppe Elefanten und lassen sie an uns vorbeiziehen. Tolle Tiere.
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05.09.2008
Claudia und Rainer laden mich ein, mit ihnen nach Nairobi zu fahren. Ich habe versucht, meine 3.5G PCMCIA Card für das kenianische GPRS Netz zum Laufen zu kriegen - ohne Erfolg. Sie meinen, der einzige Weg, um an Telefon und mobile Internet-Verbindung zu kommen, sei der Weg in die Zain-Zentrale in Nairobi. Außerdem - wenn ich Glück habe - kann ich mein DHL Paket in Nairobi abfangen und komme so früher an meine Ersatzteile.
Gesagt - getan. Ich komme mit nach Nairobi. Keine Traumstadt. Ich sehe meine ersten afrikanischen Slums. Das Verriegeln von Türen und Fenstern ist mir bisher unbekannt. Feindesland?  Schlimm.
Wir wohnen außerhalb der Stadt in einem Villen-Vorort. Security und Stacheldraht überall. Vereinzelt Polizisten mit Kalaschnikow und G3 Sturmgewehren. Selbst hier möchte ich nicht wohnen.
Ich lerne Dieter kennen. Er lebt seit 37 Jahren in Kenia und ist hier inzwischen eine Institution. Er kennt Gott und die Welt (und praktisch von jedem, den ich bisher getroffen habe, hat er eine Tel.-Nr.). Die Tracking Nummer des Ersatzteil-Paketes, das aus Deutschland an mich unterwegs ist, gibt nichts außer einem lapidaren "Sendung ist in Transport ins Zielland aufgenommen" her. Seit Tagen keine Veränderung. Dieter kümmert sich darum. Irgendetwas stimmt nicht mit der Tracking-Nr. Ich bekomme eine neue aus Deutschland - die Sendung wurde in Afrika mit einer neuen Nummer versehen... Aber auch damit ist sie nicht aufzufinden. Irgendwann, ein paar Tage später klärt sich das auf. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen DHL Paket und DHL Express. Hier in Kenia sind das zwei verschiedene Firmen. Dieter macht mir keine Hoffnung, daß das Paket jemals im Aruba Camp auftaucht. Es landet bei der afrikanischen Post. Und da muß ich Glück haben, wenn ich das Paket im Hauptpostamt in Nairobi bekomme. Na super.
Wenigstens klappt es mit dem GPRS Internet-Anschluß zügig. Ich brauche ein neues Modem, eine SIM-Karte, eine Freischaltung und schon klappt es. 10 Cents/MB statt 6 Euro/MP über Satellit.
Damit habe ich auch wieder ein funktionierendes Telefon (+254 7360 30863).
Nach ein paar Tagen fliege ich - ohne Paket, hier gibt es nichts Neues - zurück nach Masai Mara. Ich kann meinen armen Pipo nicht so lange alleine lassen. Ich erwarte, daß er mir tödlich beleidigt ist, aber nein - er schnurrt und schnurrt und schleicht mir um die Füße. Ich bin wieder zuhause.

09.09.2008
Mich hats erwischt, das erste mal, seit ich unterwegs bin, bin ich krank. Fieber, Gelenkschmerzen, dicker Hals, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich bleibe im Bett. Seit zwei Tagen schon - mir reichts so sehr! Wenns morgen nicht besser wird, werde ich wohl das hiesige Krankenhaus aufsuchen und einen Bluttest machen lassen. Vorsicht schadet nicht.

16.09.2008
"Your blood is very clean!" meint der Herr Doktor. Also keine Malaria! Trotzdem geht's mir nicht wirklich gut.
Keine Neuigkeiten wegen des Paketes. Schön langsam glaube ich, kann ich es abschreiben. Ich werde wohl nach einer Lösung vor Ort suchen müssen.
22.09.2008
Im Fig Tree Camp soll es einen fähigen Mechaniker geben. Langsam bugsiere ich meinen waidwunden Truck die paar Kilometer über die haarsträubend schlechte Piste bis zum Camp. Nach längerer Suche findet sich ein passender Bolzen für die Fahrerhauslagerung, mit Montiereisen wird die Kabine hochgewuchtet und ein paar Hammerschläge treiben den Bolzen in die richtige Position. Die Gummilager sind zwar nach wie vor völlig ausgeschlagen, aber zumindest ist die Kiste jetzt wieder fest. Mit einer abenteuerlichen Konstruktion aus Wagenhebern, Hölzern und Steinen wird der Generator unterbaut und angehoben, so daß die Halterung ausgebaut und geschweißt werden kann. Das muß jetzt halten, bis eine verbesserte Halterung gefunden ist. Ich bin wieder flügge!
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25.09.2008 Masai Mara - Nairobi
Es ist nicht zu fassen! Das Paket ist da! Ein Anruf aus dem Hauptpostamt in Nairobi kündet von dem freudigen Ereignis. Der Zoll hätte gerne einen Blick in das Paket geworfen, deshalb möchte ich doch so freundlich sein und nach Nairobi kommen. Das mache ich natürlich gerne. Also auf nach Nairobi!
Am Talek Gate wissen die Ranger inzwischen über mein Mißgeschick Bescheid - für die doch etlichen Wochen, die ich in der Masai Mara verbracht habe, zahle ich insgesamt nur für 10 Tage. Ein unerwartet netter Zug. Sie zeigen mir außerdem noch einen Schleichweg aus dem Park, dort sei es für meinen Truck einfacher zu fahren und außerdem die Offroad-Strecke kürzer. Behutsam bugsiere ich meinen Truck über die wieder einmal furchtbare Piste Richtung Nairobi.
Dort finde ich Unterschlupf im Jungle Junction und treffe auf jede Menge Gleichgesinnter. Praktisch jeder auf dem Platz hat irgendein Problem mit seinem fahrbaren Untersatz, manche sind bereits seit etlichen Wochen hier und warten wie ich auf Ersatzteile von Zuhause. Da ist Klaus mit seinem Actionmobil, einen Mitfahrer an seiner Seite, den er im Internet gesucht und gefunden hat (aächstesmal fährt er vermutlich wieder alleine). Ihn plagen Reifenprobleme. Ich vermute, daß sein Hubdach-Truck fär seine 365er Reifen eine Nummer zu schwer ist, jedenfalls verschleißt er von Nairobi in die Masai Mara und zurüch drei (!) davon. Das macht keinen Spaß. Da sind Simon und Roger aus der Schweiz, deren Sprinter wegen der vorderen ausgeleierten Blattfeder auf den Begrenzergummis ruht - er ist soweit, daß er zurück in die Schweiz fliegt, um eine Blattfeder einzufliegen, weil die Mercedes-Wertkstatt in Nairobi das Teil seit Wochen nicht beibringt. Da sind Steffi und Michael mit ihrem Landcruiser, die zunächst nur kleinere Reparaturarbeiten vorhaben (Arbeiten am Dachgepäckträger und der Zusatzlichtmaschine), dann aber, nach kurzem Ausflug mit einer gebrochenen Motorhalterung wiederkommen. Jochen mit einem Motorrad, das nach längerer Standzeit seine Simmerringe gewechselt haben will usw. usf. Da bin ich ganz gut aufgehoben.
Ein Taxi bringt mich zum Zollamt. Es wird eine längere Suche, bis wir das 'richtige' Postamt finden. Zunächst weiß mir niemand zu helfen. Aber schließlich habe ich ja die Telefonnummer des Herrn, der mich wegen des Paketes verständigt hat und so ist der zuständige Schalter auch schnell gefunden. Er geleitet mich in die 'Customs'-Abteilung, einen durch ein Gitter abgetrennten Bereich der Lagerhalle, die als Postamt fungiert. Mitten in einem unübersehbaren Chaos von aufgerissenen Paketen steht ein Tisch mit Stapeln von Dokumenten. Dahinter eine durchaus beleibte Dame, die mich freudig begrüßt. Ich fürchte schon, daß sie mich mit ihrer Tochter verheiraten will, aber nach halbstündigem Plausch will sie gottseidank doch nur Geld. 10% Zoll und 16% Mehrwertsteuer. Langes Verhandeln und Geschäkere drückt den Preis dann auf ein Zehntel, von dem der Staat vermutlich nichts sieht. Mit meinen "abgabenfreien Mähdrescher-Ersatzteilen" verlasse ich die geheiligten Hallen.
Zurück im JJ's wage ich mich zusammen mit Michael an die Reparatur der Fahrerhauslagerung. Es macht einen Heidenspaß, mit ihm zu arbeiten. Mit einem Scherenwagenheber läßt sich die Kabine mühelos ein paar Zentimeter anheben, so daß sich die Lager relativ einfach ersetzen lassen. Daß man dazu, um ein paar Schrauben lösen zu können, einen Großteil der Innenraum-Fußboden-Dämmung ausbauen muß ist dabei die umständlichste Arbeit. Die Gummilager sind völlig hinüber. Da muß ich auf Verbesserung drängen oder auf den Reserverreifen auf dem Dach verzichten... Das ständige Gerüttel hat mir außerdem noch zwei Risse in der Blechverkleidung beschert, aber im Moment laß ichs gut sein.
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01.10.2008 Nairobi - Naivasha
Mir fällt die Decke auf den Kopf und ich mache einen Kurzausflug an den Lake Naivasha. Herrlich. Zwischen Nilpferden schlafen.

10.10.2008 Nairobi - Samburu National Park
Gerdi und "die Mädels" (Ramona und Christiane) sind zusammen mit Koch Toni auf Safari. Sie laden mich ein, sie ein paar Tage zu begleiten und ich nehme die Abwechslung gerne wahr. Es ist zwar eine Mörderpiste nach Samburu, aber das kommt mir als Test für die neue Fahrerhauslagerung gerade recht. Wir nächtigen wunderbar an einem Fluß in unmittelbarer Nähe des Parkes, Toni zaubert auf seiner offenen Feuerstelle ein erstklassiges Menü und wir genießen den klaren Sternenhimmel und die uns inzwischen vertrauten Laute der Nacht.
Am nächsten Tag gehen wir auf eine Ganztages-Pirschfahrt. Wir finden ein lauschiges Plätzchen am Fluß, trotzen unser Mittagessen den Pavianen ab, die rotzfrech die Käsesemmeln von der Motorhaube stehlen, ich muß mich fast mit dem Oberaffen prügeln, der denkt doch tatsächlich, daß er mich beeindrucken kann, da ist er aber bei mir an den Falschen geraten.
Bei der Rückfahrt versenkt Ramona den Landrover im Schlamm. Wir haben hier natürlich keinen Handyempfang und sind im Busch auf uns allein gestellt. Es ist eine harte Aktion, bis wir ihn wieder freihaben. Das beste Hilfsmittel sind trockene Baumrinden, die wir aus dem Busch holen. Es ist kein Leopard oder Löwe in Sicht, der Respekt vor Schlangen läßt uns kräftig aufstampfen, aber gegen die Skorpione im Holz können wir nichts machen. Sie krabbeln überall. Wenigstens sind es die großen, schwarzen, die sind angeblich nicht so giftig...
Energisches Hin- und Herschaukeln unter ständiger Zugabe von Holz und Rinde in die glitschigen Reifenspuren hilft uns dann endlich, die schwere Kiste freizukriegen. Manch einem von uns sieht man die Erleichterung deutlich an...
Ein, zwei "Tusker" als Sundowner, und die Strapazen des Tages werden zum unvergesslichen Erlebnis.
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12.10.2008 Samburu - Meru National Park
Wir verbringen ein paar weitere Tage im Meru-Nationalpark. Weitläufig ist er, die Tiere scheu wie in keinem anderen Park. Aber inzwischen sind wir Profis und finden jede Menge Tiere. Wir genießen unser Busch-Mittagessen im Schatten unter Bäumen an einem reißenden Fluß, ich fühle mich als Chef-Navigator pudelwohl, erfrische mich mit eisgekühltem Tusker aus der Kühlbox, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und vom Fahrtwind die Haare zerzausen. Mir Routine wechsle ich den inzwischen dritten platten Reifen an einem Landrover seit ich in Kenia bin. Was bin ich froh um meine Monsterreifen am Truck, die so viel stabiler sind.
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12.10.2008 Meru National Park - Nairobi
17.10.2008 Nairobi - Nakuru National Park
Bernie kommt mich besuchen! Und bringt mir mein Wunschpaket mit. Ersatz für Rotweingläser, die ich zerschmissen habe, Ladegeräte, die mit den Unterspannungen hier zurechtkommen, eine verbesserte Tischhalterung und etliches anderes. Es ist sein erster Besuch in Afrika und wir machen uns auf in den Nakuru Nationalpark. Millionen von Flamingos, Baumlöwen, Leoparden und 'Black' wie 'White' Rhinos warten auf uns. Unser Guide kanns nicht fassen, was für Glück wir haben. Wir nächtigen in der 'Flamingo Hill Lodge', Bernie in einem traumhaft ausgestatteten festen Zelt, ich in meinem Truck. Bei leckerem Essen und köstlichem Wein wird es spät. Das Personal ist längst zu Bett und das Feuerholz alle, bis wir, weil wir uns so viel zu erzählen haben, spät, aber noch vor dem Morgengrauen schlafen mögen.
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26.10.2008 Nairobi - Tsavo East National Park
Es reicht mit dem furchtbaren Wetter in Nairobi. Der Rasen ist völlig aufgeweicht, es regnet in Strömen, es ist kalt und grau. Die Wetterprognosen für Ruanda und Uganda machen keine Hoffnung. Es ist vielleicht besser, in den Süden zu flüchten und dort auf besseres Wetter für die Viktoria-See-Umrundung zu warten. Auch mich reizt die Aussicht auf Sonne, Meer, Strand - und Nichtstun.
Ich starte am Morgen Richtung Süden. Und komme nicht weit. Es ist Stadtmarathon in Nairobi. Die gesamte Innenstadt - und die Mombasa Road - sind gesperrt. Nun ist die Mombasa Road nicht irgendeine Straße in Nairobi, sondern die wichtigste - und einzige - Nord - Süd - Verbindung. Die Polizisten, die mich an den Kreisverkehren ableiten, sind völlig überfordert, als ich sie nach Ausweichrouten frage. Man rät mir - ganz afrikanisch - doch bis 14:00 zu warten, dann sei die Straße vielleicht wieder frei. Es herrscht ein unvorstellbares Chaos, jede Nebenstraße ist verstopft, trotzdem gelingt es mir, nach 100km Umweg und Umfahrung des Nairobi National Parks, weit im Süden der Stadt wieder auf die Straße nach Mombasa zu gelangen.
Ich mache Zwischenstopp im 'Red Elephant Camp' am Tsavo East National Park und treffe Jochen mit seinem Motorrad wieder. Die deutsche Leitung des Camps sorgt dafür, daß zahlreiche deutsche Pauschaltouristen in Hawaiihemden, Shorts, weißen Socken und Sandalen hier ihre afrikanische Erfahrung suchen und dementsprechend tiefgreifend fällt diese dann auch aus. Jambo, Mambo, Sawasawa, Asante sana.
26.10.2008 Tsavo East National Park - Tiwi Beach
Am nächsten Tag fahre ich 100km durch den riesigen Park weiter Richtung Süden. Ich bin ganz allein, es ist super-friedlich und wunderschön. Stunde über Stunde genieße ich die Fahrt durch die Savanne. Es sind nicht viele Tiere unterwegs, dazu ist es zu heiß, aber die Landschaft alleine ist das Ganze schon wert.
Mittags mache ich Halt in der Aruba Lodge. Das Schild über der Einfahrt hängt arg tief und ich bitte den Torwächter, darauf zu achten und mir Zeichen zu geben. Pole, pole (langsam, langsam) meint er, und schon fällt das Teil. Ja mei. Nach dem Mittagessen stoppt mich der Security-Chef der Anlage. Der Schaden muß ersetzt werden. Sie müssen das Schild zur Reparatur nach Nairobi bringen, nur ein Spezialist kann das geschnitzte Schild reparieren. Das geht in die Zehntausende von Ksh, Hunderte von Euros. Ein unkaschierter, unverschämter Versuch, mir richtig Kohle aus der Tasche zu ziehen. Ich gehe gar nicht darauf ein, gebe ihm meine Visitenkarte und sage ihm, er möge mir eine detaillierte Rechnung schicken, ich lasse meinen beschädigten Truck begutachten und gebe das Ganze dann an meinen Anwalt. Ich habe keine Lust auf Diskussionen. Der Torwächter ist sich in meiner Gegenwart plötzlich auch nicht mehr so sicher, ob ich wirklich sein Halt-Halt Zeichen mißachtet habe und so ist das Ganze schnell erledigt...
Mombasa ist irre. Der Verkehr ein Wahnsinn. Aber dank der Größe meines Trucks habe ich meistens Recht und so überhaupt keine Schwierigkeiten, die Stadt zu durchqueren. Tatsächlich genieße ich den Trubel und das Chaos. Ich fange an, diesen Kontinent zu lieben.
In Tiwi Beach erwartet mich ein Paradies. Südsee in Afrika. Perfekt. Ich treffe Fabian und Carmen wieder, Jochen stößt zu uns und einen Tag später ein holländischer Truck (Hein & Bernadette), den wir auch im JJ's schon getroffen haben. Strandbuben kommen vorbei, verkaufen (fast) fangfrischen Fisch, leckeres Gemüse und unnötien Krempel, aber so kann man's wohl eine Weile aushalten...
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Wir genießen das Strandleben in vollen Zügen. Werden immer besser im Handeln, erzählen abenteuerliche Geschichten, haben einen Mordsspaß mit den Buben, die mit Phantasiepreisen ankommen, um sich mit viel Gestikuliere und Humor auf einen halbwegs vernünftigen Preis herunterhandeln zu lassen. Inzwischen wissen wir, wer eigenhändig (mit selbstgebastelter Harpune) fängt und wer nur beim Fischer um die Ecke einkauft, um dann mit mehreren hundert Prozent Aufschlag an Mzungus weiterzuverkaufen. Auffällig auch die Nichtstuer oder auch Aufpasser oder vielleicht besser Mehrwertabgeifer am Strand, die obercool herumlungern und wie Kiezbubis ihren Anteil einfordern. Unsymphatische Nichtsnutze, die wir dann gezielt für uns arbeiten lassen, etwa Holzholen. Das Geschäft wollen sie sich dann aller Coolheit zum Trotz doch nicht entgehen lassen...
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Am Abend sitzen wir gemütlich zusammen. Meine Aioli wird von Tag zu Tag besser, die Tomaten schmecken nach Tomaten und die Scampis so wunderbar nussig, mit einer leichten Chili-Schärfe, eine Wucht. Wir bekommen Besuch. Ein norwegisches Pärchen und ein Engländer gesellen sich zu uns. Sie scheinen uns vom Mitteilungsbedürfniswahnsinn befallen zu sein. Das Mädel kriegt die Klappe gleich gar nicht mehr zu. Und plappert Schwachsinn. Der Engländer fläzt sich in einen unserer Stühle, stellt zusammenhanglose Fragen, deren Antwort er gar nicht erst abwartet, erklärt sich beiläufig als Millionär und Afrikaexperte und obendrein noch als "Chairman" am Tisch, der hier die Diskussion leitet. Er schmeißt mit Zahlen um sich, als würden sie uns die Welt bedeuten. Hunderte von Hilfsprojekten hat er geleitet. Interessiert das hier am Tisch jemanden? Auf was für einem Trip ist der denn? Ich habs so satt. Sag ihm, daß mich seine Zahlenkolonnen nicht im Mindesten interessieren, da möchte ich von ihm als selbsternanntem Afrika-Experten doch lieber ein persönliches Erlebnis hören. Das ist nicht sein Terrain. Und wieder kommen Zahlen, Zahlen, Zahlen. Ich bleibe hart. Und ihm fällt nichts ein. Nur typisches Middle-Management-Getrickse. Schlechte Schule. Ich sag ihm, daß ich ihn nicht mag. Er soll sich trollen. Ich hätte nie gedacht, daß man mit mir nicht auskommen kann, aber ein millionenseliger Sekten-Fuzzi mit Manager-Attituden auf Koks-Trip schafft es dann doch.
Inzwischen sind wir wieder alleine und eine herrliche Ruhe liegt über dem Rauschen des indischen Ozeans. Wir müssen nicht quatschen, um uns wohlzufühlen. Mit Carmen und Fabian paßt es einfach.
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Wir kaufen fangfrische Langusten. Ich habe nie zuvor Langusten gekocht, also frage ich per email den Gourmet-Michi. Tatsächlich ist wenig später die Antwort da:
"... Habe selbst noch keine Languste gemacht, nur Hummer, aber würde mal denken dass ich , wäre ich in Kenia, und nicht in der Nähe einer Feinkostniederlassung, die Languste in kochendes Salzwasser geben würde, ca 10 Minuten.
Dann Aufbrechen, das Fleich rausnehmen , evtl. halbieren, leicht salzen und in Butter fertiggaren. Dazu vielleicht eine leichte Beurre blanc und ein Gläschen Weisswein. ..."


Fabian sendet eine SMS mit gleicher Bitte an seinen Vater. Zurück kommt
"Hallo, Feinschmecker. Wir sehen weiter 'auf-achse'. Zur Languste: Es gibt 1000 Rezepte. Für Beachboys und -girls vielleicht dieses: Languste (1.5kg), 4l Wasser, 2 Teel. Salz, 2-3 Knoblauchzehen, 1 Zwiebel, Lauch, Thymian, Saft einer Zitrone. Languste kopfüber hinein, ca. 30 min gar ziehen lassen. Längs halbieren, Darm entfernen. Dazu könnte passen: Aioli a la Thomas und ein trockener Chablis Jahrgang 1974. Guten Appetit."

Zuletzt wird's dann eine Mischung aus beidem. Garzeit 12min. Aioli. Nur beim Weißwein müssen wir für heute passen.
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7.11.2008 Tiwi Beach
Es regnet in Strömen. Der indische Ozean muß irgendwann überlaufen, wenn das so weitergeht. Ein Tag zum im Bett bleiben. Oder vielleicht planen wir später in der Bar ja die nächsten Etappen. Mein Kenia-Visum läuft ab, ich muß demnächst weiter...
Am Abend läuft Carmen der mitteilungsbedürftigen Norwegerin in die Arme. Ich bekomme nur etwas von "Toiletten" und "Hihihi" mit. Wenig später, wir sitzen beim Abendessen, kommt sie erneut vorbei und will lossprudeln. Ich kann sie gerade noch bremsen und schicke sie weg, sie darf erst wiederkommen, wenn sie eine wirklich gute "Toilet-Story" hat. Sie merkt es nicht, daß ich sie veräpple. Zwei Stunden später, Carmen und Fabian sind schon zu Bett, kommt sie tatsächlich wieder, eine Flasche Rum in der Hand, und erzählt ihre "Toilet-Story". Sie ist wirklich lustig. Damit hat sie gewonnen und ich sitze mit ihr ein paar Stunden, trinke ihren Rum und lasse sie sich loswerden. Es wird ein vergnüglicher Abend, auch wenn ich nicht so viel zum Erzählen komme...

8.11.2008 Tiwi Beach
Wir verabschieden uns von der Twiga Lodge, speziell von Eddie, dem "Money-Man", der uns mit seiner freundlichen Art ans Herz gewachsen ist und brechen auf. Ab nach Tansania!

Afrika! - Kenia II

2.12.2008 Namanga - Amboseli Nationalpark
Die 60km in den Amboseli Nationalpark stellen sich als zügig befahrbar heraus. Mit 70-90 km/h geht es über die erstaunlich ebene Wellblechpiste.
Nun sind die Eintrittspreise der kenianischen Nationalparks keine Überraschung mehr für uns (40 USD p.P. und 2.000 KSh für den Truck), aber was uns an der Masai-Campsite (der einzigen Campsite im Amboseli N.P.) abverlangt wird, ist absurd. 1.000 KSh (ca. 10 Euro) p.P. für einen Campingplatz, der weder Duschen noch Toiletten noch Wasser noch Askaris aufweist. Die Masais schießen den Vogel ab, als sie glauben, 500 Ksh (das entspricht etwa 1/10 eines durchschnittlichen monatlichen Einkommens in Kenia) für Feuerholz verlangen zu können. Ich schicke sie zum Teufel, ich will keinen von ihnen mehr sehen. Sie können wieder kommen, wenn sie einen Preis aufrufen, der nicht das 10-fache dessen ist, was als gerade noch fair betrachtet werden kann. Wir hassen diesen Ort wegen der Geldgeilheit der Menschen, obwohl die Natur um uns einfach atemberaubend schön ist.
Immerhin versöhnt uns der abendliche 'Game-Drive' ein bißchen. Wir treffen auf keine geldgierigen Masais, sondern auf Löwen, Elefanten, Affen und jede Menge Vögel vor herrlicher Bergkulisse und einem Kilimanjaro, der endlich sein Haupt aus den Wolken hebt.
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3.12.2008 Amboseli Nationalpark
Ein spektakulärer Sonnenaufgang entschädigt für das frühe Aufstehen für den Morgen-Gamedrive. Allerdings sehen wir deutlich weniger Tiere als gestern, nicht immer haben wir Glück.
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5.12.2008 Nairobi, Jungle Junction
Die Risse im Fahrerhaus müssen unbedingt geschweißt werden, der Keilriemen für die Aufbau-Zusatzlichtmaschine hat sich verabschiedet, ein Motorölwechsel ist fällig und ich möchte die Ölstände und -qualitäten des hinteren Differentials und der Außenplanetengetriebe an der Hinterachse prüfen (Die Simmerringe der Reifendruckregelanlage sind hinten links mal wieder hinüber, so daß Luft in die Hinterachse gepreßt wird, womit u.U. Wasser ins Öl gelangen kann, was nicht so toll ist.
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Chris, der Jungle-Junction König, empfiehlt uns eine Werkstatt im Nordosten Nairobis, 'Peters Truck Repair', S 01° 14.654, E 36° 52.732. Wir fahren hin, um den Jungs ein paar Tage Zeit zu geben, das nötige Material zu besorgen, so daß der Truck nicht tagelang in der Werkstatt stehen muß und ich ohne Zuhause dastehe.
Die Werkstatt stellt sich als afrikanische Freiluft-Werkstatt heraus. Hühner und Gänse bevölkern das Gelände, in den Ecken türmt sich der Schrott, auf offener Feuerstelle werden Ziegenköpfe fürs Abendessen geröstet, vor dem Tor zeigen ein paar Experten, zu welchen Kunststücken ein Gabelstapler fähig ist, aber Peter macht einen kompetenten Eindruck und verspricht 'no problem'. Wir vereinbaren einen Termin für Montag.
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8.12.2008 Nairobi, Peters Truck Repair
Ob wir nicht doch lieber erst morgen kommen können, begrüßt uns Peter. Ein 'Notfall' muß bearbeitet werden. Da läßt er uns quer durch Nairobi kutschieren, nur um uns wieder wegzuschicken? Hätte er uns das nicht am Morgen per Telefon wissen lassen können? So nicht! Ich bleibe hart, das kommt nicht in Frage.
Original MAN-Ersatzteile (Luft-, Kraftstoff- und Ölfilter) gibt es nicht. Aber ein Cummings-Ölfilter paßt angeblich, die Kraftstofffilter, die Peter besorgt hat, sind Diesel-Wasser-Abscheider, die aber passen sollen, der Luftfilter ist nicht aufzutreiben, aber es gibt eine Firma, die mir einen basteln würde. Ich verzichte auf den Ersatz von Kraftstoff- und Luftfilter, das ist mir zu riskant.
Fabian und ich bereiten das Kippen der Kabine vor, den kaputten Reifen auf dem Dachgepäckträger haben wir bereits am Freitag zusammen mir Peter zum 'Tyre-Master', der einzigen Michelin-Vertretung in Nairobi gebracht. Im Nu ist die Kabine gekippt, die Jungs können loslegen.
Der Ölwechsel ist ratz-fatz erledigt, die Keilriemen ausgebaut - ich möchte sie alle ersetzen lassen, da die Kabine nun schon einmal gekippt ist. Ein Mann wird mit den Keilriemen losgeschickt, er soll neue besorgen. Solange die Kabine gekippt ist, kann man mit der Reparatur der Risse nicht beginnen, deshalb warten wir. Und warten. Und warten.
Kurz vor 17:00 wird es uns zu blöd. Wir schwingen uns aufs Motorrad und fahren zurück ins Basislager. Morgen ist auch noch ein Tag.

9.12.2008 Nairobi, Peters Truck Repair
Am Morgen sind wir wieder zur Stelle. Die Keilriemen sind da! Wunderbar! Nur passen leider 3 von 4 Keilriemen nicht. Falsche Breite und / oder falsche Länge. Afrika hin oder her, das ist einfach nicht zu fassen. 6 Stunden unterwegs - mit 'Samples', damit auch die richtigen besorgt werden und jetzt das. Sie haben einen neuen Mann geschickt, keinen Techniker. Aber selbst ein Buchhalter sollte Länge und Breite eines Keilriemens vergleichen können. Ganz zu schweigen vom Händler, der die Keilriemen verkauft hat, aber ab und zu ist hier jedem alles egal.
Peter ist es sichtlich peinlich. Auf meinen Ausbruch hin wird ein neuer Mann losgeschickt - und der Händler telefonisch benachrichtigt. Nur ein paar Stunden - dann sollten die richtigen Keilriemen da sein. Also warten wir wieder. Und warten. Und warten.
Tatsächlich sind wenige Stunden später die richtigen Keilriemen da. 3 davon 'made in Germany', einer, der für die Zusatzlichmaschine leider 'made in China' - da bin ich mal gespannt, wie lange der hält...
Die Keilriemen sind schnell und fachmännisch eingebaut, endlich kann an der Kabine gearbeitet werden.
Flexen, schweißen, spachteln, lackieren - jetzt sind die Jungs in ihrem Element. Wir verstärken die Gepäckträgeraufhängung mit einer massiven Stahlplatte, die sich direkt auf die Fahrerhauslagerung abstützt und verschweißen die Risse. Mit einem Elektroschweißgerät - Schutzgasgeräte gibt es hier nicht. Die Mannschaft liefert eine perfekte Arbeit ab. Selbst Fabian als Karosserie- und Fahrzeugbaumeister ist beeindruckt.
Hier die Adresse: 'Sprintex Refinishers Auto Garage', Michael Ouma Sewe, Managing Director, Tel. 020-2131982, 0733-865973, 0720-594872, GPS S 01° 14.715', E 36° 52.650';
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Im Basislager wird Maxl komplettiert, der Kühlergrill wieder befestigt, der Lack gereinigt und poliert und schließlich WD40 auf Stoßstange und Bug aufgetragen. Fabian schwört darauf und ist sichtlich stolz auf das Ergebnis. Ich muß ihm recht geben, Maxl sieht aus wie neu.
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13.12.2008 Nairobbery
Bevor wir Nairobi verlassen, gehen wir noch einmal ins Yaya Center, Geld vom Automaten holen und Pizza essen (die wirklich gut schmeckt). Weil wir inzwischen Profis sind, fahren wir mit dem Matatu hin und auch wieder zurück. Auch meine Sprachkenntnisse haben sich nach mehreren Monaten Kenia mittlerweile so weit entwickelt, daß ich die Rufe der Matatu-Conductors mitbekomme. Kawangware mbao, mbao! Kawangware mbao, mbao! (20 Ksh to Kawangware!) ruft er, als wir zurück fahren wollen, ich äffe ihn nach, Kawangware mbao! Kawangare mbao! und ernte großes Gelächter. Ein Mzungu, der Kisuaheli versteht und Matatu fährt, das gibt es hier nicht so oft. Ich unterhalte mich mit dem 'Conductor', er schlägt mir vor, ein Matatu zu kaufen, er fährt es dann für mich, da schallt es von vorne 'Thiefs, Thiefs' und es wird hektisch. Unser Haltepunkt fällt aus. Das Matatu vor uns wird gerade mit Waffengewalt überfallen, Menschen rennen in alle Richtungen davon, unser Matatu-Fahrer gibt Gas. Wir können ihn dazu bewegen, in die Amboseli-Road, in der unser zuhause liegt, abzubiegen. Sie lassen uns ein paar Meter vom Tor aussteigen, wenden, und fahren winkend zurück, als ob gar nichts geschehen wäre. Wir sind nicht so cool. Glück gehabt. Zeit, Nairobbery den Rücken zu kehren und abzureisen.

14.12.2008 Nairobi - Masai Mara, Aruba Camp
Wir fahren für ein paar Tage in die Masai Mara, finden dort Ruhe und Erholung. Ich habe sie vermißt, die Stille, nur unterbrochen vom Lachen der Hyänen und Grunzen der Nilpferde im Camp.
Wir machen einen Gamedrive mit Peter, dem Masai, sehen Löwen, Büffel, Hyänen, Gazellen, aber die Leoparden verstecken sich vor uns. Gerdi empfängt uns mit einem Sundowner im Busch. Es gibt selbstgeröstete Erdnüsse, eingelegte Oliven, mit Käse überbackenes Brot, Weiß- und Rotwein zum spektakulären Sonnenuntergang.

17.12.2008 Masai Mara, Aruba Camp - Kisii
Am Morgen verabschieden wir uns vom Aruba-Camp-Team. Wir wollen durch die Masai Mara ans Westende des Parks, zum Oloololo Gate, dort noch eine Nacht schlafen und dann langsam weiter Richtung Lake Victoria und Uganda.
Der Ranger am Talek Gate empfängt uns mit Dollarzeichen in den Augen. Für 3 Tage will er uns Eintrittsgelder abnehmen. Wir seien schließlich 3 Nächte im Aruba Camp gewesen, triumphiert er. 120 USD pro Person. Nun liegt aber das Aruba Camp nicht im Park, sondern außerhalb. Aber das interessiert ihn nicht. Wir haben mit 24 Stunden Gültigkeit des Tickets gerechnet, da bliebe uns nach dem gestrigen späten Gamedrive für 40 USD p.P. noch der ganze heutige Tag. Es ist nichts zu machen, der Ranger bleibt unerbittlich. Mir reichts. Ohne weitere Diskussion drehen wir uns um, wenden die Autos und fahren Richtung Norden. Die Geldgier kennt keine Grenzen mehr. Nächstes Jahr sollen die Eintrittspreise gar verdoppelt werden. Unter diesen Umständen kann uns die Masai Mara gestohlen bleiben.
Auf der Piste Richtung Norden sehen wir mehr Tiere als beim gestrigen Gamedrive. Giraffen, Gnus und hunderte von Zebras begleiten uns. Die Transmara-Piste ist gut zu fahren, nur kurz vor der Mara-Brücke im Westen gleicht sie eher einem Flußbett denn einer Piste. Im ersten Gang in der Geländeuntersetzung geht es ganz, ganz langsam über Felsen, Gräben, Auswaschungen und Geröll voran.
Am Oloololo Gate soll es nach Aussagen von Roger einen wunderbar gelegenen Campingplatz geben. Wir finden ihn nur nicht. Und für den Campingplatz in der Nähe des Gates verlangen die Ranger wiederum zusätzlich zu den Campinggebühren 40 USD p.P. und Tag 'Parkeintrittgebühren'. Dann eben nicht. Camps und Lodges, die wir anfahren, wollen keine Camper, man ist auf zahlungswilligeres Publikum eingestellt. Schließlich zeigt man uns einen 'Campingplatz' mit phantastischer Aussicht auf die Masai Mara. Es ist ein Stück Wiese, das einem alten Masai gehört. Kein Wasser, keine Toiletten, nichts. Aber eine atemberaubende Sicht. Die protzige Uhr an seinem Handgelenk paßt so gar nicht zu seinem Masai-Outfit und läßt uns Schlimmes ahnen. Er startet eine Rede, lobt sein Land und seine Großzügigkeit, und weil er uns symphatisch findet, dürfen wir für 2.000 Ksh (20 Euro) p.P. hier campen. Ich habs so satt. Seinen Vortrag kann er sich sparen. Ich sage ihm, daß ich nach seinem absurden Startangebot nicht mehr handeln will, ihm 1.000 Ksh für uns alle zusammen biete, er soll 'ja' oder 'nein' sagen. Sein 'Nein' akzeptiere ich gerne, selbst 1.000 Ksh sind zuviel wenn man so einer unverblüten Gier gegenübersteht.
Wir fahren weiter. Vielleicht gibt es ja andernorts noch Menschen, die in uns nicht nur USD sehen.

In Kisii herrscht ein unglaubliches Gewühl. Auf der Suche nach einem Hotel zwänge ich mich mit meinem Truck durch enge Straßen. Und wieder schallt es von überall 'give me!', 'Money!'. Ganz freche Burschen hängen sich gar an meine Außenspiegel und fordern Geld. Matatu-Fahrer weigern sich, auch nur ein bißchen Platz zu machen, ich muß mich millimetergenau durchmanövrieren. Gier, Haß und Aggressivität liegt in der Luft. Furchtbar.
Schließlich finden wir im Hotel Kisii eine Oase der Ruhe. Der Zimmerpreis von 950 Ksh ist in Ordnung, mit meinem Truck darf ich für 300 Ksh im Garten parken und nächtigen. Daß man uns später mehr Biere berechnet, als wir getrunken haben, daß es weder Heiß- noch Kaltwasser gibt, daß die Rezeptions-'Dame' rüde ist wie ein Gefängniswärter paßt aber zur Stadt.

18.12.2008 Kisii - Kisumu
Auf dem Weg nach Kisumu machen wir Halt in Kendu Bay am Lake Victoria. Hier finden wir endlich, endlich wieder Menschen, die lachen, neugierig sind und nicht als Allererstes nach Geld fragen müssen. Eine Wohltat, einfach auf einer Bar-Terasse sitzen und die Atmosphäre genießen zu können. 30 Jungs stehen herum und bewundern meinen Truck und insbesondere das Motorrad am Heckträger. Sie gestikulieren und diskutieren und haben ihren Gesten nach zu urteilen bald herausgefunden, wie das Heckträgersystem funktionieren muß. Schön, zuzusehen.
In Kisumu suchen wir vergebens nach dem Sunset Beach Resort. Keiner kennt es, keiner weiß Rat. Die Telefonnummer im Reiseführer ist schlauerweise ohne Vorwahl angegeben (kein Kommentar), die Umstehenden machen nur große Augen, als ich sie nach der Vorwahl von Kisumu frage. Jeder hat ein Handy, muß daher auch die Vorwahl mitwählen, wenn er eine lokale Nummer anruft, aber ich bekomme drei verschiedene Nummern genannt, die alle nicht stimmen. Was solls.
Als wir wieder einmal wenden, ruft Carmen aufgeregt 'Dein Motorrad! Dein Motorrad fällt herunter!' Wie bitte? Tatsächlich - es hängt sprichwörtlich nur noch an einem seidenen Faden (hier ein paar Millimeter Sicherungsbolzen). Ein, zwei weitere Bumps und ich hätte das Motorrad, ohne es im geringsten zu bemerken, verloren.
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Durch das ständige Gerüttel ist eine Halterung abgerissen. Unter großem Staunen der schnell zusammengelaufenen Menge machen wir uns daran, das Motorrad mit Gurten wieder am Heckträger festzuzurren.
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Das seit Tagen schon etwas schräg stehende Führerhaus steht jetzt richtig schief. Um etwa 7 cm ist die Hinterkante gegenüber dem Aufbau versetzt. Die Führungsschiene ist gebrochen. Sehen kann mans nicht, aber fühlen.
Das beschert uns ein paar Tage Aufenthalt im Kisumu Beach Resort. Ein wunderbarer Platz direkt am See, mit freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Trotz aller Widrigkeiten ein Platz zum Wohlfühlen.
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Der Chef, ein Inder, bietet uns seine Hilfe an. Edelstahl schweißen? Kein Problem. Die Führungsschiene richten, schweißen und verstärken? Kein Problem. Eine neue Führungsrolle aus Polyamid und eine Buchse aus Stahl nach unseren Zeichnungen drehen lassen? Kein Problem. Er verschwindet mit den Teilen in die Stadt, morgen sollen sie fertig sein.

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Die Teile sind fertig. Der Chef bringt sie persönlich vorbei. Ich bin sprachlos.
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Die Teile sind zusammen im Nu eingebaut - mal sehen, wie lange das hält.
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So sieht übrigens eine Werkzeugkiste aus, wenn Fabian sie einräumt...
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21.12.2008 Kisumu - Kakamega Forest
Auf unserem Weg nach Norden machen wir Halt im Kakamega Forest, dem letzten noch verbliebenen Teil des kongolesischen Regenwaldes, der einst bis zur Küste gereicht hat. Die vielgelobten 'Rivendell Gardens' zweier Schweden finden wir nach langer Suche endlich, aber inzwischen ist aus dem Hobbit-Paradies eine Schule geworden, deren Initiatoren wir viel Erfolg wünschen. Das 'Rondo Retreat Centre' mag Camper nicht und so landen wir schließlich im Nakamega Forest Guest & Resthouse. Ein herrlich ruhiger Platz mitten im Regenwald.
Auf den Tip einer Rangerin hin bestellen wir in der 'Kantine' unser Abendessen - Hühnchen (das Fleisch etwas trocken, dafür die Sauce phantastisch) mit Reis und Kartoffeln. Ein Gedicht, das man in dieser Hütte niche erwarten würde. Da hat der Reiseführer wieder einmal nicht recht, wenn er von hoffnungslos überteuert und mäßig spricht.
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Am Vormittag führt uns die Rangerin durch den Wald. Zeigt uns Colobus-Affen, Schmetterlinge, Heilpflanzen, erzählt uns, daß in der Yucca-Palme Moskitos brüten und gerne Schlangen hausen (und so etwas stellen wir uns zuhause ins Wohnzimmer!), erklärt die Bedeutung der Teeplantagen als Pufferzone zwischen Gemeinde und Regenwald, färbt Carmen den Daumennagel mit einem Baumharz und macht uns schließlich mit der Mutter aller Bäume hier bekannt.
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22.12.2008 Kakamega Forest - Kitale, Sirikwa Safaris
Die Straßen im Westen Kenias kosten mich noch den letzten Nerv. Zahllose Schlaglöcher, so groß und tief, daß man darin baden könnte, dazu unzählige gut versteckte Bumps, Straßenränder, die ineinander verlaufen, so wenig Teer hat liegt dazwischen (er ist ohnehin nur wenige Millimeter dick) und durchgeknallte Matatu- und Busfahrer, die partout in der Mitte der Straße fahren und einen damit ins 30cm tiefe Bankett abdrängen. Dazu Fahrradfahrer, die je nach Verfassung lebensmüde vor einem herumkreuzen oder sich bei Annäherung in den Straßengraben stürzen.
Unsere letzte Nacht in Kenia verbringen wir im Garten der 'Sirikwa Safaris', einem Blumenmeer. Ein würdiger Abschluß für mehrere Monate Aufenthalt in Kenia, den ich sehr, sehr genossen habe, auch wenn einem die Geldgier und aggressive Bettelei manchmal an die Nieren geht.
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23.12.2008 Kitale - Uganda
Zeit für Neues. Wir brechen auf nach Uganda

created: 2008/08/12 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2011/01/30 11:33:15 $ by $Author: thomaswaas $