Afrika! - Uganda

23.12.2008 Kitale - Pian Upe Game Reserve
Die Ausreise aus Kenia ist verblüfend problemlos. Wir werden äußerst zuvorkommend und korrekt behandelt, weder Gebühren noch Geschenke werden erwartet. Und das einen Tag vor Weihnachten!
Auch die Einreise nach Uganda verläuft problemlos. Bis auf einen Lapsus meinerseits. Um den Papierkram zu beschleunigen, möchte ich vom Tisch des Einreisebeamten ein Formular nehmen, um es auszufüllen, während er die Pässe von Fabian und Carmen untersucht. Entrüstet weist er mein Ansinnen zurück. Ich bekomme das Formular erst, wenn er meinen Paß geprüft hat. Er weiß ja noch nicht, ob er mich nach Uganda einreisen läßt! Schließlich stempelt er uns für 50 USD ein 3-Monats-Visum in den Paß erklärt jedem ausführlich seine handschriftlichen Eintragungen dazu und heißt uns in Uganda herzlich willkommen.
Der Zollbeamte braucht etwas länger, bis er unsere Carnets abgestempelt (das hat er noch nicht so oft gemacht) und Roadtax kassiert hat. Von der angeblich so gründlichen Fahrzeugdurchsuchung, die an der kenianisch-ugandischen Grenze wegen der regen Schmuggelei stattfinden soll, bekommen wir nichts mit.
Vorsichtigerweise fragen wir noch nach dem Weg nach Sipi, wir wollen nördlich um den Mt. Elgon herum zu den Sipi Falls. Man rät uns, den 'unteren' Weg zu nehmen, die Straße durch die Berge sei in einem fürchterlichen Zustand. Nach ca. 10km sollen wir uns nach einer Brücke rechts halten.
Die ersten paar Kilometer läfts zügig, aber dann wird es schlimm. Sehr schlimm. Das ist keine Straße, keine Piste, das ist Felsenkletterei, das ist Fahrzeugmord. Nach der Abzweigung zweifeln wir mehrmals, das kann einfach nicht wahr sein, so schlecht ist die Piste. Ich möchte nicht wissen, wie die Piste durch die Berge aussieht, wenn das hier die bessere Variante ist. Mehr als 10km pro Stunde sind hier nicht machbar und das ist bereits halsbrecherisch.
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Die ca. 100km bis Sipi Falls sind damit heute trotz der sich langsam bessernden Piste unter keinen Umständen machbar, deshalb beschließen wir, im 'Busch' zu übernachten. Das stellt sich als goldrichtige Entscheidung heraus - schöner habe ich noch selten genächtigt.
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24.12.2008 Pian Upe Game Reserve - Sipi Falls
Endlich wieder freundliche Menschen am Straßenrand, die neugierig sind, scheu winken und sich sichtlich freuen, wenn ich zurück winke. Keine Bettelei, kein angestarrt-werden, ich fühle mich wieder als Mensch, nicht als wandelnde Geldbörse.
In Sipi Falls steuern wir die Sipi-Falls-Lodge an, die laut Hinweisschildern auch Camping anbietet. Unsere Erwartungen werden gedämpft, als man 1.000 USh 'Eintritt' fordert, als wir die Anlage besichtigen wollen. Alternativ könnten wir auch etwas trinken, dann entfalle die Gebühr. Die Aussicht ist wirklich phantastisch, aber die Aussicht, auf dem Parkplatz nächtigen zu müssen, veranlaßt uns, nach einer Alternative zu suchen. Als wir schließlich zahlen wollen, verlangen sie 3.000 USh statt der vereinbarten 2.500 USh pro Bier. Nicht mit mir, meine Herren!
In der 'Twilight Camp Site' direkt am Ortseingang finden wir dann den Platz. Wir fühlen uns auf Anhieb sauwohl und die Buben auf dem Platz überschlagen sich schier vor lauter Eifer und Freude, uns auf dem Platz zu haben.
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Das Abendessen (Rindfleisch am Spieß, Cabbage und Reis) schmeckt wunderbar, weil es keinen Strom gibt, speisen wir im Kerzenlicht in sehr romantischer Stimmung.
Weil auch das Mobilfunknetz einen Totalausfall hat, entfallen die Anrufe nach Hause, deshalb an alle Freunde, Bekannten und Verwandten von hier aus: Frohe Weihnachten!
Später am Abend kommen weitere Gäste in das 'Restaurant'. Einer davon tut pudelwichtig und führt sich auf wie der Platzhirsch. Er mag meine Haare nicht. Das seien Mädchenhaare. Das macht mir nun gar nichts aus, andernorts finden die Leute meine Haare Klasse. Er ist viel weitgereister als ich, er kennt sich da aus, das gibt es nicht. Er mag Carmen mit ihren langen Haaren, mich nicht. Das ist auch gut so, finde ich, sonst kommen die Leute womöglich auf falsche Gedanken. Die Gäste um uns biegen sich vor Lachen. Schließlich meint er, wir hätten ein Kommunikationsproblem, weil mein Englisch so schlecht sei. Da wäre ich aber froh, wenn er mir doch Nachhilfe geben würde. Er mag meine Art, lädt uns für den nächsten Tag zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Ich lehne freundlich ab, schließlich ist morgen Weihnachten, da hat die Familie Vorrang.
Später stellt sich heraus, daß ich den Herrn Bürgermeister, den 'Chief', angeschossen habe - wir und er und der Rest der Gäste haben den gemeinsamen Abend aber sehr genossen.
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26.12.2008 Sipi Falls - Jinja, The Haven
Am Morgen wollen wir zahlen. Leider hat sich der Bierpreis über Nacht wieder einmal verteuert und auch die Campinggebühren haben sich magischweise verdoppelt. Es ist Weihnachten, da ist eben alles ein bißchen teurer, meinen sie. Trotz der frühen Stunde bleiben wir hart und zahlen nur den vorher vereinbarten Preis. Es macht es einfach schwer, einen so schönen Platz in guter Erinnerung zu behalten, wenn so etwas passiert.
In Jinja quartieren wir uns im 'The Haven' ein. Die Aussicht auf den Nil mit seinen Stromschnellen ist phantastisch.
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28.12.2008 Jinja, The Haven
Wir haben Besuch. Ein kleiner Frosch hat sich in unsere Kaffeekanne verliebt...
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30.12.2008 Jinja, The Haven
Kurz nach Sonnenaufgang brechen wir auf zu einer Bootsfahrt auf dem Nil. Die Morgenstimmung ist herrlich, die Vögel zwitschern um die Wette, wir tuckern mit einem kleinen Boot nilaufwärts, bis nach keiner halben Stunde der Motor stottert und schließlich abstirbt. Unser Bootsführer hat sichtlich wenig Ahnung, wie er ihn wieder in Gang bekommt, auch Fabian gibt nach etlichen Versuchen auf. Träge gleiten wir flußabwärts. Noch haben wir Zeit, bis zu den Stromschnellen (Kategorie 6, das überlebt man evtl. mit viel Glück) sind es noch gut 500m. Es finden sich zwei Ruder im Boot - ein ganzes und ein halbes. Es stellt sich heraus, daß unser Kapitän auch vom Rudern keine Ahnung hat. 2 Schläge vorwärts, 2 Schläge rückwärts. Das ist vielleicht für einen Einbaum gut, aber ein Motorboot kriegt er damit nicht in Fahrt. Ich nehme die Sache in die Hand und rudere hartnäckig auf meiner Seite vorwärts, seine Steuerversuche ignorierend.
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Schließlich paddelt auch er vorwärts und wir dümpeln langsam, langsam in Richtung unseres Landesteges, ca. 100m oberhalb der Rapids. Geschafft!
Rainer, der Hotelmanager, lacht, als wir ihm unser Abenteuer erzählen. Morgen dürfen wir die Fahrt mit einem neuen Motor wiederholen...

31.12.2008 Jinja, The Haven
Spät in der Nacht kommt Bernie in Entebbe an. Ich hole ihn mit einem Taxi ab, das ist bequemer und billiger als mit dem Truck. Außerdem mag ich nachts nicht fahren.
Wir sitzen bis in die frühen Morgenstunden, trinken Wein (aus neuen Gläsern) und ich darf Weihnachtsgeschenke auspacken (ein ganzer Koffer voller Ersatzteile für den Truck, Leckereien und Genußmittel für mich).
Nach nicht einmal zwei Stunden Schlaf starten wir im wunderschönen Sonnenaufgang zu unserem Bootsausflug.
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"Hallo Sie, Sie haben da eine riesige Spinne in Ihren Haaren!" spricht mich jemand von hinten an, als wir zum Abendessen Platz nehmen. Ja, ja, beruhige ich die Dame, das ist schon ok so, die sorgt dafür, daß mich keine Moskitos stechen, scherze ich. Bis ich sie tatsächlich auf meinem Kopf herumkrabbeln fühle. Ich erstarre in meinen Bewegungen. Seltsam - aber ich bleibe völlig ruhig und kaltblütig. Ganz langsam neige ich mich zur Seite und tatsächlich seilt sich das Tier ab. Sie hat wirklich eine respektable Größe. Früher wäre ich ausgeflippt.
Wir verbringen einen ruhigen, relaxten Silvesterabend. Um Mitternacht sind schon fast alle im Bett - wenn man so wie wir unterwegs ist, gewöhnt man sich an frühes Aufstehen und zu Bett gehen. Rainer läßt ein paar Silvesterraketen starten. Der arme Kellner, der die Dinger zündet, hat mächtig Angst vor dem Teufelszeug, man könnte fast meinen, er hielte sie für lebendig.
Wir sitzen bis Mitternacht am Feuer, gönnen uns (mitgebrachten) Champagner, völlig unspekatakulär der Jahreswechsel, ich denke an Freunde, Bekannte und Verwandte zu Hause und fühle mich völlig eins mit mir.

1.1.2009 Jinja
Mein neues iPhone (in Äthiopien hat mein 'Smartphone' seinen Geist aufgegeben, seither schlage ich mich mit einem Billigmodell von Nokia herum und suche meine Telefonnummern nach alter Sitte im Notizbuch - ich habs so satt!) will, daß ich meine iTunes Version update. Die spinnen. Wie soll ich hier mitten in Afrika ca. 70MB herunterladen? Rainer schlägt vor, das Ganze gegen Festpreis von einem Internet-Cafe erledigen zu lassen. So mache ich es dann auch - und es klappt!
Bis die paar Stunden rum sind, die das Ganze dauern soll, machen wir einen Bootsausflug zu den Nilquellen am Lake Victoria. So ein Seeabfluß ist für mich zwar keine richtige Quelle, aber historisch bedeutungsschwanger (und entsprechend touristisch) ist der Ort schon.
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3.1.2009 Jinja, The Haven
Mich reitet der Teufel. Weil ich Berichte über phantastische Erlebnisse beim Rafting hier im Nil gelesen habe, befinde ich mich mit einem Pärchen aus dem Camp, die denselben Wahnsinn machen wollen, auf dem Weg zum Adrift - The Adventure Center, von wo aus die Rafting Tour starten soll.
Ein buntes Grüppchen Leute versammelt sich um notorisch lustige und Frohsinn versprühende Guides, die uns in zwei Gruppen aufteilen ('mild', für die ich mich als Rafting-Neuling entscheide, und 'wild' für die ganz wahnsinnigen) und nach kurzer Einweisung mit Helm, Paddel und Schwimmweste ausstatten.
In unserem Boot befinden sich neben meinen beiden Mitabenteurern aus dem Camp (er ist Mitarbeiter bei der GTZ, ca. 50 Jahre alt, lebt mit seiner Frau in Ruanda und macht 'Schulungen', mehr wollte ich gar nicht mehr wissen...) eine Gruppe aus Belgien (einer davon ein nach eigenem Bekunden nicht ganz ausgelasteter Fallschirmjäger) und eine - vorsichtig ausgedrückt - untergroße Frau, der man ihre Angst richtig ansieht.
Ich lande auf dem Platz im Boot ganz vorne links, neben mir der Herr Ingenieur. Es gibt ein bißchen Hickhack, weil seine Frau nicht so weit vorne sitzen mag, sondern hinter ihm Platz nimmt, die Belgier aber verständlicherweise zusammensitzen (und sterben) wollen. Ja mei.
Wir üben Kommandos - vorwärts, rückwärts, stop, paddeln, was die Arme hergeben, 'down', d.h. in das Boot kauern und festhalten. Um schweren Verletzungen vorzubeugen, sollen wir die Paddel fest am T-Griff packen und halten und beim Kommando 'down' unter dem anderen Arm festhalten, so daß sie nicht wild in Köpfe (und Zähne) der Kollegen schlagen. Ich hab's relativ schnell heraus, habe aber Zweifel an der hinter mir sitzenden Frau, die schon jetzt - ohne Streß - ihren Paddelstiel lustig herumfuchteln läßt. Na ja - wenigstens hab ich einen Helm - und hinten keine Zähne.
Als vorne sitzende bestimmen wir Rhythmus und Schlagzahl. Spätestens da zeigt sich Teamfähigkeit. Der Herr Ingenieur paddelt mal schneller, mal langsamer, je nach Belastung seines zentralen Nervensystems durch andere Wahrnehmungen. Weil er mit sich selbst völlig ausgelastet ist und mich nicht wahrnimmt, habe ich keine andere Wahl als seinen unregelmäßigen Schlägen zu folgen. Mir tun nur unsere Mitpaddler leid. Als seine Frau ihn darauf hinweist, ist er empört. Er ist völlig von sich überzeugt - er rudert wie ein Uhrwerk.
Wir meistern im ruhigen Wasser die ersten Übungen, lassen uns ins Wasser fallen und versuchen, wieder ins Boot zu krabbeln, was ohne Hilfe schon gar nicht so einfach ist. Nach dem dritten Anlauf schaffe ich es schließlich alleine.
Wir haben Rapids der Klassen 3 bis 5 vor uns. Es gibt hier auch Stromschnellen der höchsten Kategorie 6, aber die werden umfahren, 'we don't want to kill you!'. Aha.
Die ersten Stromschnellen machen richtig Spaß. Die Rapids saugen das Wasser samt Boot regelrecht an, schnell in Deckung und - wumms - rein in das tosende Wasser. Ich bin sofort bis auf die Haut naß, fasse aber schnell Vertrauen ins Boot, meine Angst hält sich in Grenzen.
Bis wir auf die erste Stromschnelle der Kategorie 5 stoßen. Schon der Lärm, den das Wasser von weitem macht, ist furchterregend. Die Beschreibung unseres Bootsführers, was uns erwartet, tut das Ihrige. 200m tobendes Wasser - 'if we flip, take a deep, deep breath. Just let it happen and wait for it to be over. Let's hope we don't flip in the beginning, 'cause that would be really bad' meint er. Scheiße - worauf hab ich mich da nur eingelassen!
Tatsächlich kentern wir nach weniger als der Hälfte der Rapids. Es geht so irrsinnig schnell, daß ich keine Chance habe, nach Luft zu schnappen. Ich werde unter Wasser gespült, streife mit dem Bauch einen Felsen, werde herumgewirbelt, bin für den Bruchteil einer Sekunde wieder über dem Wasser, doch als ich Luft holen will, verschlucke ich mich am Nilwasser und werde sofort wieder unter Wasser gezogen. Immer wieder versuche ich, Luft zu schnappen, schlucke jedes Mal aber nur Unmengen an Nilwasser und bin am Ende. Ich versuche, mich zu beruhigen, zähle bis 10 und ploppe schließlich 100m weiter wie ein Korken aus dem Wasser. Ich lege mich auf den Rücken, atme tief durch und lasse mich von der Schwimmweste tragen. Wow. Das war heftig.
Der Herr Ingenieur weiß mal wieder alles besser - er hätte eine andere Linie gesteuert. Mann, geht der mir (und den Belgiern und wahrscheinlich vielen anderen in Afrika) auf die Nerven. Mir ist so ein Verhalten superpeinlich - kein Wunder, daß mancherorts 'die Deutschen' gar nicht so sehr gemocht werden.
An der letzten Stromschnelle (den Ausläufern eines Kategorie 6 Rapids, hier immerhin noch Kat. 5) gehen wir noch einmal schwimmen, aber diesmal ist es nicht gar so heftig.
Ob ich's noch einmal machen würde? Auf jeden Fall. Dann aber 'wild'... und nach Möglichkeit ohne einen deutschen Nervzapfen an Bord.
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4.1.2009 Jinja - Kampala, Red Chili Hideaway
So schön der Platz auch ist - uns ziehts weiter. Wir starten Richtung Kampala, wollen zu den Sese-Islands (der ugandischen Antwort auf die Südsee). Auf dem Weg dorthin machen wir Halt in einem kleinen Dorf (mehr als 2, 3 Hütten sind das nicht), dürfen ein paar Fotos schießen. Unbeschreiblich freundlich sind die Menschen hier und die Kinder voll begeistert.
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Im Kampala finden wir Unterschlupf im Red Chili Hideaway, einem Overlander-Camp. Wir treffen Bekannte. Afrika ist klein.

5.1.2009 Kampala - Lake Nabugabo
Der Verkehr in Kampala ist der Wahnsinn. Es dauert Stunden, die Stadt zu durchqueren. Immerhin sieht man erheiternd Ungewhöhnliches. Manchen Harley-Fahrer packt da wohl der Neid.
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Weil wir die Fähre heute nicht mehr schaffen, bleiben wir am Lake Nabugabo. Das Camp eines Deutschen, in dem wir nächtigen, hat mehr Verbotsschilder als Bäume, ein absurder Schilderwald, weiß der Teufel, was den reitet, aber das Essen paßt und die Mannschaft kümmert sich rührend um uns.

6.1.2009 Lake Nabugabo - Sese Islands,
Die (kostenlose) Fähre bringt uns in ca. 45min auf die Inseln. Ängstlich sein darf man nicht, wenn man sich so einer Fähre anvertraut, sie bewegt sich merklich unter dem Gewicht meines Trucks, die Wasserlinie ist nur ein paar Decimeter unterhalb der Rampe, eine der beiden Rampen tut schon länger nicht mehr, die Fähre muß drehen, um anzulegen, aber hey - TIA - This Is Africa!
Wir sehen einen auf einem Fahrrad montierten Einkaufsladen, kappen beinahe ein Werbebanner eines einheimischen Politikers (morgen sind Wahlen, die ganze Insel ist in Aufruhr - später sollen wir tatsächlich auf dem Camp eines der Kandidaten landen), sehen Riesen-Spinnennetze - wenn sie nicht so kleben würden, täten sie glatt als Hängematte taugen :-) - aber die Größe der Spinnen mag ich mir gar nicht ausmalen.
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Das erste Camp verlassen wir schnell wieder - es verspricht WLan, Bar, Restaurant, warme Duschen etc., das WLan funktioniert seit Jahren nicht mehr - man wartet, bis das Government einen Stromanschluß legt (haha!), man verspricht uns kaltes Bier, kommen tut keins, weils warm ist und keiner Zeit hat, das Restaurant ist heute leider geschlossen und Wasser kommt später. Ich verstehe ja, wenn es Versorgungsschwierigkeiten gibt, habe damit auch kein Problem, aber dann soll man es mir sagen, dann kann ich mich darauf einstellen, so fühle ich mich einfach nur geködert und verarscht.
Wir landen schießlich auf einem wunderschönen Camp einer ehemaligen Stewardess und ihrem Mann, oben besagtem Poltiker. Er hat die Wahlen leider nicht gwonnen, gegönnt hätte ich es ihm - ich habe in Afrika noch keinen so bescheidenen und ehrlichen und schlauen Mann kennengelernt. Viel Glück weiterhin deshalb!
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8.1.2009 Sese Islands - Entebbe
Die Fähre, die uns innerhalb von 3 Stunden direkt nach Entebbe bringen würde, ist wegen der zahlreichen Polit-Priminenz hoffnungslos überbucht - wir fahren ein paar Stunden quer durch die Insel zurück zu 'unserer' Fähre - und landen am Ende einer Lkw-Schlange, die jede Hoffnung auf baldige Überfahrt zerstört. Bernie's Flug ist heute abend gegen Mitternacht, die Fähre verkehrt nur alle 3 Stunden, und das auch nur tagsüber - das wird spannend.
Nach einer guten Stunde Wartezeit taucht der Kommandeur der hiesigen Polizei auf, erkundigt sich nach unserem Befinden und unseren Erlebnissen auf der Insel und erklärt dann beiläufig, daß der eine weitere Fähre angefordert hat - und wir - als Quasi-Diplomaten - als Erste auf die Fähre dürfen. Tatsächlich kommt kurz darauf eine außerplanmäße Fähre. Ich bin platt. (Wie wäre das bei Euch in Deutschland?). Wir umarmen uns und winken uns bei der Abfahrt lange, lange zu.
Ja - wir waren am Äquator - hier der Beweis:
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9.1.2009 Entebbe - Kilembe, Rwenzori Mountains
In den Rwenzori Mountains finden wir Unterschlupf in der Rwenzori Backpackers Lodge, ein herrlich relaxter Ort, den eine junge Mutter führt. Neugierige Kinder kommen und führen alle möglichen Tanz-Kampf-Kunststücke vor. Zum Bergsteigen ist es uns zu heiß, also entspannen wir mit Blick auf tiefgrüne Berghänge. Am Nachmittag besuchen uns ein paar Männer zum Smalltalk, einer von ihnen ist Geschichtenerzähler und er läßt sich erweichen, uns eine seiner Geschichten zu erzählen:
Es war einmal ein Mann, der einen Freund suchte. Mit der Zeit lernte er eine Fliege und eine Biene kennen. Nach einiger Zeit, in der sie sich immer in seinem Haus gesehen hatten, beschloß er, seine Freunde in deren Zuhause aufzusuchen. Zunächst besuchte er die Fliege. Ihr Haus war schmutzig, über und über mit Dreck verschmiert, es fanden sich keine Vorräte zu Hause, er fühlte sich gar nicht willkommen und verließ den Platz so schnell er nur konnte. Das Haus der Biene hingegen, das er kurz darauf besuchte, war aufgeräumt, es roch gut, viele Vorräte waren gestapelt und die Biene hieß ihn freundlich willkommen. Sie war sichtlich fleißig und tüchtig und um ihn besorgt. Die Wahl fiel ihm leicht - er nahm die Biene zum Freund. Und er tat gut daran.
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11.1.2009 Kilembe - Queen Elizabeth Nationalpark
Wir wollen für ein, zwei Tage in den Queen Elizabeth Nationalpark. Am nördlichen Gate findet sich eine Rangerstation mit Satelliten-Internet-Anschluß, an der wir gerne Rast machen. Der Ranger läßt sich überreden und uns an der Station gegen geringe Gebühr campen. Parkeintritt (30 USD p.P. und Tag, auch hier hat man die Eintrittspreise massiv erhöht) müssen wir allerdings entrichten und - mir klappt die Kinnlade herunter - für den Truck will er 150 USD. Nach äußerst zähen Verhandlungen werden daraus schließlich 50 USD,
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Am Nachmittag starten wir zu einem Abend-Gamedrive. Wir landen in einem kleinen Ort, sind sofort von neugierigen Kindern umringt, die Bauklötze staunen ob der Wazungus mit ihrem Equipment.
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Wir sind völlig allein im Park unterwegs - einfach herrlich! Die Wege verlaufen sich im Nichts und wir finden uns bald querfeldein unterwegs. Am Äquator machen wir kurz Halt - ein Nullmeridianfoto der anderen Art.
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Es ist staubtrocken und schon von weitem sehen wir es - Feuer. Über Kilometer hinweg brennt es. An manchen Stellen lichterloh, an anderen Stellen können wir den Feuerring relativ gefahrlos durchfahren. In der Nacht kann man dann das Ausmaß erahnen - der Horizont steht in Flammen.
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12.1.2009 Queen Elizabeth Nationalpark
Nach dieser Feuersbrunst sehen wir relativ wenige Tiere. Und die, die wir sehen, wirken seltsam deplaziert auf der kahlen, schwarzen Erde.
Über den Crater-Drive fahren wir quer durch den Park zur Lodge. Der Ranger hat zwar Zweifel, ob das mit dem Truck machbar ist - zu steil, zu eng, meint er - aber so einfach lasse ich mich nicht ins Boxhorn jagen. Und natürlich ist es kein Problem. Die Landschaft ist atemberaubend. Krater, Kraterseen, steile Geröllpassagen, goldenes Gras, durch das wir fahren. Aber Tsetse-Fliegen ohne Ende. Ganz furchtbare Viecher, die stechen durch alles hindurch, egal, ob Jeans oder G1000 Gewebe.
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13.1.2009 Queen Elizabeth Nationalpark - Kabale / Lake Bunyoni
Wir nächtigen in einem einfachen Guesthouse in der Nähe der Lodge und brechen früh auf, um vielleicht doch noch ein paar Tiere zu sehen, aber heute haben wir kein Glück. Keinen Löwe, keinen Leopard, nur ein paar Elefanten bekommen wir zu Gesicht.
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Über eine endlose 'Abkürzung' (auch in Uganda gibt es ganz furchtbar schlechte 'Straßen') erreichen wir schließlich Kabale und bleiben für ein paar Tage am Lake Bunyoni. Die Flußkrebse aus dem See schmecken himmlisch - ganz perfekt wird es schließlich, als ich meine Aioli zaubere und eine Schüssel voll mit ins Restaurant nehme. Dafür verrate ich dem Koch auch mein Rezept.
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Hier wäre einer der Ausgangspunkte für das Gorilla-Tracking in Uganda. Ich entscheide mich dagegen, weil ich es obszön finde, 500 USD dafür auszugeben. Wie soll ich einem Einheimischen erklären, daß ich seinen anderthalbfachen Jahresverdienst ausgebe, um für eine Stunde Selbsterfahrung bei den Gorillas zu finden. Das ist einfach absurd.

21.1.2009 Kabale / Lake Bunyoini - Nyakahuru (Barrier)
Quer durch Ruanda, das eigentlich an sich alleine schon eine Reise wert wäre, fahren wir auf den bisher besten Straßen in Afrika Richtung Tansania. An der Grenze erwartet uns ein Mega-Lkw-Stau. Alle wollen sie nach Ruanda. Und weil nichts vorwärts geht auf der Fahrspur Richtung Ruanda, wird eben auch die Gegenfahrbahn benutzt und bestaut. In Vierer-, Fünferreihen stehen sie uns nun so entgegen. In echt afrikanischer Manier hat auch keiner ein schlechtes Gewissen oder Unrechtsbewußtsein, nein, alles ist Gottgewollt. Es bedarf höherer Gewalt oder eben sehr viel Zeit, sich Gegen-Durch-Zu-Stauen.
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Wir schaffen es, uns am äußersten linken Rand vorbeizuquetschen (mir bleiben rechts immerhin 10mm, wenn ich auf der linken Seite nur auf den inneren 10cm Reifen auf dem Grabenrand balanciere) und gelangen so noch vor der Dunkelheit zurück nach Tansania.


created: 2008/12/24 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2011/01/30 11:33:16 $ by $Author: thomaswaas $