auf nach Dubai!! - Iran

Routen nach Dubai
22.10.2007: Dogubeyazit - Poldasht
Nachdem mich Floh mal wieder sehr früh (noch vor dem Hellwerden) rausgejagt hat, weil er angeblich mußte (dafür hat er sich dann aber schön Zeit gelassen, der Bandit), beschließe ich, doch heute noch in den Iran zu fahren. Das Wetter paßt, und nachdem ich so früh auf den Beinen bin, bleibt mir hoffentlich nach dem Grenzprozedere im Iran noch genug Zeit, um nicht im Dunkeln Schlafplatz suchen zu müssen. Ich räume den kompletten Stauraum leer, damit sich auch sicher keine Flasche Wein irgendwo noch findet, und schenke die guten Tropfen zusammen mit ein paar Büchsen Bier und der restlichen Wurst Parashut. Er meint zwar, daß das nicht so wild sei mit der Grenze, aber ich kann mir eine Zurückweisung wegen Alkohol nicht leisten.
Die Straße Richtung Grenze ist 4-spurig ausgebaut und erlaubt locker Tempo 100. Etliche Kilometer vor der Grenze wird mein Optimismus allerdings ganz schön gedämpft - doppelspuriger LKW-Stau bis zum Horizont. Na super. Ich stelle mich also in die Reihe und ergebe mich meinem Schicksal. Klimaanlage läuft, Sprit hab ich, da ich fast alle restlichen türkischen Lira noch vertankt habe (mir ist die Verfügbarkeit von Diesel im Iran nicht ganz geheuer, deshalb fahre ich lieber mit mindestens einem vollen Tank los), Wasser und Lebensmittel auch für einige Zeit, was soll also schon passieren? Da kommt ein Männchen angehumpelt, fuchtelt ganz fürchterlich mit den Armen und meint ganz offensichtlich mich. Ich öffne das Fenster und stelle mich seinem Begehr. Ob ich Geld wechseln will? Aha. Nein, Geld wird erst nach der Grenze gewechselt. "100 Euro?" - Nein, ich sagte ja eben, nach der Grenze. Punkt. Er kann mir aber helfen. Er bringt mich in 5min über die Grenze. Ob ich noch türkische Lira habe? Na gut, ich geb ihm meine 30 restlichen YTL und hoffe auf das Beste. Und sieheda, er dirigiert mich auf die Gegenfahrbahn und - zack  - sind wir an der LKW-Schlange vorbeigerauscht. Hierhin und dorthin dirigiert er mich, mir geht das alles zu schnell, um überhaupt mitzukriegen, was am jeweiligen Schalter abgeht. Jedenfalls habe ich meine Ausreisestempel im Paß und es geht zur letzten Kontrolle vor dem doppelten Eisengittertor (Die türkische Seite ganz hoch technisiert mit einem altersschwachen Zahnradantrieb, die iranische Seite mit Handkraft). Meine Fahrzeuge müssen noch aus dem Computer ausgetragen werden. Und schon haben wir ein Riesenproblem. Der Grenzbeamte bei der Einreise hat einen Fehler gemacht und das Motorrad nicht in den Computer eingetragen. (Hatte  ich dort schon beschrieben, dafür hat er einen ganzen Roman in meinen Paß gekritzelt). Kann man nicht im Paß ebenso was reinkritzeln, und die Sache ist erledigt? Völlig verständnislos sieht mich der Grenzbeamte an. Nein, man muß den Fehler im Computer beheben! Nur weiß leider keiner, wie das geht. Stunde um Stunde vergeht. Knappe Anweisungen von immer höheren Grenzbeamten helfen nur scheinbar weiter. Die Zeit verrinnt. Man  wartet auf ein deutsches Fahrzeug am Grenzübergang in Ippsala, dann könne man meine Nummern ändern. Wie bitte? Das kann ja eine Woche dauern, zur Zeit fährt da kein Deutscher rum (ich hatte zumindest auf meiner ganzen Reise durch die Türkei keinen getroffen!). Irgendwann kommt ihm ein Geistesblitz - Thomas - wie heißt Dein Vater? Konrad! Und schon tippselt er wild auf dem Computer herum, muß nur noch mal schnell zur 1. Kontollstelle, dort einen Stempel holen, wird auch dorthin gefahren und wieder gebracht und - schwupps - schon habe ich meinen Paß wieder und darf ausreisen. Mein gewiefter Helfer stand die ganze Zeit sich rumdrückend rum, hat mir aber ab und zu übersetzt, was da alles ablief. Jetzt will er nochmal Geld. Er hat alles für Bakschisch ausgeben müssen. Und es hat alles so lange gedauert. Stimmt. 5 min. waren ausgemacht, 1 Stunde wäre auch noch ok gewesen, aber so hat er völlig versagt. Das, was er bekommen hat, reicht dafür, daß er mich an der langen Schlange vorbeigelotst hat - was ich wahrscheinlich als Wohnmobil sowieso hätte tun dürfen. Geld wechsle ich noch bei ihm. Zu einem schlechten Kurs, aber was solls. So richtig unglücklich sieht er auch nicht aus, als er sich davonmacht, das war wohl eher ein guter Schnitt, den er da gemacht hat. Das waren etliche Stunden und die 'schwierige' Seite der Grenze kommt ja erst noch! Der Doppelzaun öffnet sich (wobei die Iraner mit ihrem Handbetrieb ganz eifrig schneller sind) und schon sehe ich mich wieder einem "Helfer" gegenüber. Er hilft mir durch alle Formalitäten. Na gut, denke ich mir, in dem Chaos, das hier herrscht, mit einer Schrift, die ich nicht lesen kann, mit kaum jemandem, der Englisch spricht, ist er mir ganz willkommen. Den Polizeistempel habe ich schnell im Paß, der Beamte sehr, sehr freundlich, "Welcome to Iran!" und er schüttelt mir die Hand. Die Zollformalitäten sind da schon schwieriger. Von wem zu wem man hier laufen muß, bleibt mir hier verschlossen. Das ist ein geheimes System. Mal kritzelt einer mit grüner Tinte (der muß ganz wichtig sein) auf ein Blatt Papier, mit dem man dann zu einem Beamten geht, der viele dicke Bücher vollschreibt, einem wieder Formulare aushändigt, die man auf arabisch ausfüllen soll - spätestens da wär ich alleine völlig aufgeschmissen gewesen. Wieder zurück zum Mann mit dem grünen Kugelschreiber im Anzug, nicht alle sind hier uniformiert, wie man hier rausfinden soll, wer wofür zuständig ist, ist mir schleierhaft. Jedenfalls wird viel gestempelt und abgeschrieben und Paß fotokopiert und Bücher beschrieben, alles in allem eine gute weitere Stunde. Die Carnets sind abgestempelt, ich habe ein Einreisepapier für die Fahrzeuge, das ich bei der Polizei abgeben soll, ich soll auch nach Tabriz, mir iranische Nummernschilder besorgen, wei lich länger als 5 Tage im Iran bleiben will, jetzt nur noch Fahrzeugkontrolle und weiter gehts.Der Kontrolleur will ins Fahrerhaus sehen, ich warne ihn noch, daß da zwei Hunde sitzen, die seit heute Morgen sich nicht bewegen konnten - und schon zuckt er wie vom Blitz getroffen zurück, als ihm Mogli direkt in die Augen schaut. Uff. Mit dem Fahrerhaus ist er fertig. Ob hinten auch noch Hunde sind? Nein, aber der Durchgang ist offen :-) Er will nur kurz hineinsehen, interessiert sich dann eher für meine Expeditionskisten, will natürlich eine der unteren sehen, und ich beginne, rumzuräumen. Das dauert ihm zu lange, er gibt sich mit dem Blick in die Klamottenkiste zufrieden. Dann werden noch Fahrgestellnummern gesucht, ich muß das Motorrad herunterfahren, aber alles hat seine Ordnung. Ich bin entlassen. Kann fahren! Mein Helferlein kommt mit mir. Ob ich ihm Geld gebe, dafür, was er für mich getan hat? Klar sage ich, er hat mir doch geholfen und das soll schon eine Belohnung wert sein. "100 Euro, ok?" - Ich breche in schallendes Gelächter aus. Erkläre ihm, daß ich 20 Euro schon großzügig finde und er mir mit irgendeiner Bakschisch-Geschichte nicht zu kommen braucht. Aber er hat mir doch geholfen! Ja, und 20 Euro sind eine Menge Geld. Soviel verdient kein anderer hier am ganzen Tag! Richtig? Ich geb ihm schließlich 30, und auch er läuft sichtlich zufrieden zurück. Eine letzte Polizeikontrolle und ich bin in den Iran entlassen. Ich habe noch eine knappe Stunde, bevor es dunkel wird. Ich will die türkische Grenzregion hinter mir lassen, fahre, soweit man eben noch gut sehen kann, biege dann ab von der Hauptstraße Richtung Poldasht, dort sieht es so aus, als ob es einen See gäbe, vielleicht findet sich dort ein Plätzchen. Aber bis ich in Poldasht ankomme, ist es schon dunkel, ich verfahre mich, lande halb auf einer Polizeistation und fange an, mich damit abzufinden, daß es heute eben keinen schönen Schlafplatz gibt.
Da hupt mich ein Taxifahrer an - ob ich denn etwas suche? Ja, einen Schlafplatz für die Nacht. "I show you" - und ab gehts durch das Städtchen. Er findet den Platz mit der höchsten Polizeidichte - ganze 3 Polizeistationen befinden sich in Rufweite. Wenn das kein sicherer Platz ist!
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Ich ergebe mich in mein Schicksal, führe die Hunde Gassi, derweilen sich eine Traube um den Maxl bildet, deren eine Hälfte mir und den Hunden hinterhertappt. Hello, Hello! Schallt es von überall her, ich schüttle 100 Hände, man findet mich komisch, daß ich mit den Hunden an der Leine herumlaufe, ist aber auch ganz froh, weil - gefährlich sehen sie ja schon aus. Nachdem die Hunde wieder im Maxl verstaut sind, was angesichts der Hundetreppe auch zu erstaunten Ausrufen führt, gehts erst richtig los. Es kommen so wenige Touristen hierher, und so etwas haben sie überhaupt noch nicht gesehen. Und ein Motorrad! BMW! So geht es immer wieder Händeschüttelnd ewig dahin. Ich mag sie auch nicht einfach stehen lassen und mich zurückziehen - also frage ich den Taxifahrer nach einem Restaurant und natürlich bringt er mich sofort in eines, das ich selbst nie und nimmer als Restaurant erkannt hätte. Ich bekomme Soda, Suppe, Huhn mit iranischem Reis (das sei der Beste), Tomaten und Zwiebeln. Nicht umwerfend, aber ok. Ich bezahle 25.000 Rial - so um die zwei Euro! Ich bedanke mich bei Ali, dem Taxifahrer und frage nach seinem Lohn. Er wehrt ab - es sei ihm eine Freude, so wenige sprechen hier Englisch, ob ich ihn morgen an seinem Taxistand besuchen kommen mag? Ich willige gerne ein und mache mich zu Fuß zurück zum Maxl, obwohl er mich unbedingt fahren will, aber ich sage ihm, daß ich gerne die Geschäfte an der Straße ansehen will und er versteht mich. Zurück im Truck versuche ich, ein bißchen zu lesen, den nächsten Tag vorzubereiten, emails abzuholen und zu versenden, aber ständig klopft es an die Tür, immer wieder hängt einer am Motorradträger und macht Leibesübungen, unzählige Male geh ich vor die Tür und beantworte Fragen, schüttle Hände. Noch nicht einmal, als ich das Licht ausmache, ist Ruhe. Das wird eine Nacht! Aber so schlimm ist es dann nicht - noch 3, 4 Versuche und Klimmzüge und ich kann doch bald schlafen.

23.10.2007: Poldasht - Sis
Morgens um 6 lokaler Zeit will Floh wieder raus. Also raus aus den Federn, ab in die Natur. Schon laufen wieder erste Neugierige auf. Hello, Hello! Nach dem Gassigehen füttere ich die Hunde, ein ganzer Trupp Militär (Polizei?) - Angehöriger samt  Bewaffnung kommt vorbei. Einer der Offiziere spricht englisch. "Hello, Sir, Welcome to Iran!  What do you think of my people?" Ich erzähle ihm, daß ich mich freue, im Iran zu sein, erzähle die Geschichte vom Vortag und daß ich überall sehr, sehr freundlich empfangen werde. Das hört er gerne und ich schüttle der ganzen Truppe die Hand und unter viel Hello, Hello, ziehen sie weiter.
Ich fahre mit dem Truck zurück in die Stadt, den Taxifahrer, wie versprochen, zu besuchen. Von weitem sieht er mich und winkt und winkt. Ich parke, bekomme einen Stuhl auf den Gehweg gestellt und werde zum Tee eingeladen. Wie die Nacht war? Danke, sehr gut, eben viel Neugier und Interesse, aber das ist verständlich. Was ich jetzt weiter vorhabe? Und ich erzähle, er übersetzt, es wird viel gelacht und gealbert. Sehr schön! Gegenüber ist eine Tankstelle, ich möchte dann gerne tanken. Oh je - ob ich denn irgendwelche Papiere für den Bezug von Diesel habe? Wie bitte? Ich habe ja gehört, daß es schwierig ist mit dem Diesel im Iran, aber wo zum Teufel soll ich solche Papiere herbekommen? Ich komme höchstens noch 800km weit! Macht nichts, mir kann schon geholfen werden, da sind sie sich einig. Der Tankstellenwart ist ihr Freund, sie regeln das schon. Ich soll mich da und dahin stellen. Der Tankwart zapft mir 100 Liter. Mehr geht nicht? Nein, 60 Liter ist die Höchstgrenze. Ich zahle 20.000 Rial, ca. 2 USD. Für 100 Liter. Wahnsinn, aber es hilft auch nichts, wenn man keinen Sprit bekommt. Ich bedanke mich sehr bei allen Beteiligten und dann muß es aus irgendeinem Grund ganz schnell gehen - Schnell, schnell, Du fahren, weg hier. Ich sehe zwar nicht, warum, aber folge der Aufforderung, winke noch einmal allen zu und bin unterwegs Richtung Qeze Queshlag, ich will zur St. Stephano Church und von dort aus weiter Richtung Tabriz. Ich finde die Straße, obwohl nicht beschildert und düse auf der unglaublich gut ausgebauten Nebenstrecke dahin. Und grüble über das Dieselproblem nach. Soll ich abkürzen und den direktesten Weg nach Bandar Abbas nehmen? Nach 30km finde ich wieder eine Tankstelle. Ich will jetzt jede anfahren, die ich finde, und versuchen, stückchenweise zu meinem Sprit zu kommen. Ich gehe in das Tankwarthäuschen, stelle mich vor und schildere mein Problem, ohne daß mich wirklich einer versteht. "Gazole?" fragt mich der Tankwart und kommt mit nach draußen. Sieht meinen Truck, staunt, aber weist mich neben eine Zapfsäule, drückt mir die Zapfpistole in die Hand und bedeutet mir "voll machen"! Noch einmal gute 210 Liter passen rein, dann sind beide Tanks randvoll. Wahnsinn!
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Vergnügt gehts weiter. Bis eine Kette über die Straße gespannt ist und daneben ein bewaffneter Militär wacht. Ich halte an, steige aus, stelle mich vor, schüttle ihm die Hand, erzähle, wo ich hin möchte, aber er versteht nur Bahnhof und winkt seinem Vorgesetzten. Der kommt pfeifend von der Kaserne herab gegangen, bedeutet dem Wachmann, meinen Truck zu begutachten, hört sich mein Anliegen an und bald sind wir im Gespräch. Warum ich ohne Frau reise? Ich erzähle ihm die Geschichte. Er läßt sich meinen Paß zeigen, nickt, und drin bin ich im abgesperrten Gelände. Wieso hier abgesperrt ist, kann ich nicht sehen, ist vielleicht auch gut so. Jedenfalls läuft die Straße direkt am Grenzfluß zu Azerbaijan entlang.
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Nach 20km ein weiterer Kontrollposten. Auch hier bin ich freundlich, steige aus, zeige auf der Karte, wo ich hin will, nur interessiert es hier keinen. Der Oberwicht ist ein ganz strenger, kassiert meinen Paß und verschwindet. Oh je. Nach minutenlangem Telefonat kommt er wieder und will den Truck untersuchen. Ganz genau. Wieso mich jetzt einer pfeifend rainläßt und der andere griesgrimmig nicht mehr rausläßt, weiß keiner - können die sich nicht abstimmen? Oder den Strengen an der Zufahrt postieren :-)
Irgendwann kriegt er ein telefonisches ok und ich darf weiter. Die St. Stephanos Kirche, die 100m nach dem Kontrollposten liegt, laß ich jetzt Kirche sein und verkneif mir auch das Fotografieren - was weiß, was der Held dann machen würde.
Über Jolfa und Maharand geht es weiter Richtung Tabriz. Ich mache einen kleinen Ausflug in ein trockenes Flußbett abseits der Straße und gehe mit den Hunden spazieren. Die Luft ist angenehm, 23°, die Sonne strahlt, ein leichter Wind geht, da kann mans gut aushalten, auch wenns keinen Schatten hat.
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Mir ist allerdings nach Pause, also zweige ich ab Richtung Shabestar, dann noch einmal in eine kleine Nebenstraße und nochmal auf einen Schotterweg Richtung eines Olivenhains mit vereinzelten größeren Bäumen darin. Dort will ich entspannen, ausruhen, Wäsche waschen, mein Tagebuch pflegen und Kraft sammeln für Tabriz morgen.
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Ich habe noch nicht ganz abgestellt und aufgebaut, da kommt ein altersschwacher Geländewagen angebrummt. Ich winke, gehe auf ihn zu, drin sitzt ein unwirsch wirkender Mann, der mich auf Farsi anbrummelt. Mir irgendetwas über Brot und Getreide und was weiß ich erzählen will, aber ich verstehe absolut gar nichts und er mich auch nicht. Ob ich mich verkrümeln soll? Unentschlossen sitze ich auf meiner Treppe und warte ab. Er sät Getreide aus - in einen absolut trockenen Acker. Den bald darauf ein uraltes Ungetüm von Traktor 'pflügt'. Dann kommt er wieder auf mich zu. Chai? Er lädt mich auf einen Tee ein und bald sitzen wir unter Olivenbäumen, trinken Tee, essen kleine Melonen, eine Suppe, ein paar Brocken Lammfleisch, alles teilt er mit mir und dem jungen Traktorfahrer. Ich erzähle, wo ich her komme, wo ich hinwill und er ist erstaunlich fit in Geographie. Zeichnet mir halb Europa in den Sand und auch die arabische Halbinsel und Teile Ostafrikas. Ich bin verblüfft. Hole die Iran Karte, zeige, wie ich fahren möchte, er macht Verbesserungsvorschläge, ganz entspannt ist die Athmosphäre jetzt. Ob ich ein Foto machen darf von uns dreien? Ja. Also mach ich eines, drucke es dann auf meinem Fotodrucker aus und schenke es ihm. Er freut sich riesig. Ein schöner Tag.
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Nach dem Dunkelwerden brummt ein Moped herbei. Ein Junge mit seinem Vater. Mr. Thomas, Mr. Tomax, Xkay, Xkay! Foto! Xkay! Neben Mr. Thomas nur diese zwei Worte, mal lauter, mal leiser, mal  langsam, mal schnell, aber dringend, fordernd. Ich brauche lange, bis ich begreife, daß die Geschichte mit dem Foto die Runde gemacht hat und er jetzt extra hergekommen ist, um auch ein Foto zu haben. Er kriegts. Zwei Stunden später schallt es wieder Mr. Thomas, Mr. Thomas! Ich faß es nicht. Er ist es wieder. Bringt mir Nüße und Weintrauben und Wasser. Und palavert wieder auf mich ein. Es dauert wieder ewig, bis ich kapiere, was er will. Er will ein Geschenk! Und zwar nicht irgendeins. Das Motorrad wär recht oder auch mein Ring oder zur Not meine Kamera. Mir reichts, als er Geld fordert. Ich mache ihm unmißverständlich klar, daß jetzt Schluß ist. Geschenk (Foto) und Gegengeschenk (Nüsse, Weintrauben, Wasser) ist ok und etwas wunderbares, aber derart freche Forderungen sind absurd.

24.10.2007: Sis - Tabriz
Heute will ich endlich meine iranischen Nummernschilder besorgen und meine fehlende Versicherung abschließen. Habe recht unruhig geschlafen, weil mir das schon ziemlich im Magen liegt. Ich habe keine Ahnung, wo ich hin muß ("zur Polizei" hat man mir gesagt), keine Ahnung, wie ich das mit der Versicherung erledigen soll, ohne Wort oder Schrift auch nur im Mindesten zu kennen. Meine Hoffnung ist, daß man mir im Touristenbüro weiter helfen kann.
Also auf in die Stadt. Der Verkehr ist mörderisch, alle fahren auf Tuchfühlung, es wird gehupt und aufgeblendet wie wild (aber nicht geschimpft!), Vorfahrtsregeln sind außer Kraft gesetzt, jede Lücke wird dichtgemacht, aber es ist ein Leben und Leben lassen - jeder paßt auf seine Haut (und die der Fußgänger) doch irgendwie auf. Ich folge der Ringstraße, bis mich eine Eingebung (anders kann ich das nicht nennen) Richtung Stadtmitte abbiegen läßt. Ich lande auf der "Imam Khomeini", fahre frech bis zur Artesh, biege ab - und parke meinen Truck gleich um die Ecke. Man muß Parking-Voucher kaufen, um parken zu dürfen - deshalb ist hier vermutlich so viel freier Parkraum. Ich mache mich also auf, den Voucher zu erstehen - es laufen Warnwesten-bekleidete Offizielle herum, ich erkläre, daß der Truck dort hinten meiner ist und ich einen Voucher brauche. "You are Tourist, you park for free!" Wow. Man lege das einem Münchner Parkwachtl in den Mund, wenn ein Iraner seinen Truck auf der Leopoldstraße parkt.
Ich bedanke mich herzlich und mache mich auf Richtung Bazar. An der Ampel werde ich von einer jungen Frau, traditionell gekleidet, angesprochen: "Hello, where do you come frome, can I help you?" Ich bin verblüfft. Dachte, es wäre höchst verwerflich, eine Frau anzusprechen, zumal sie einen Chador trägt - und jetzt passiert es umgekehrt. Es ist so ganz anders hier, als man es sich vorstellt oder vorgemacht bekommt. Das Touristen-Büro am Bazar ist so schnell gefunden (Am Haupteingang zum Bazar, 1. Stock, Tel. 5272502). Dort empfängt mich ein perfekt deutsch sprechender Mann, lädt mich ein, mich auf dem Sofa niederzulassen, bietet mir Tee an und vermittelt mir das Gefühl, wirklich willkommen zu sein und hier jede erdenkliche Hilfe zu bekommen. Ich erkläre mein Problem mit den Nummernschildern, er unterbricht mich und meint, ja, und eine Versicherung brauche ich sicher auch noch, da waren erst gestern zwei Italiener da, die hatten das gleiche Problem. Sein Bruder hilft mir und bis um 12:30 hab ich alles erledigt! Wie bitte? Er ruft seinen Bruder an und in seinem Schlepptau gehts durch Banken, Ämter, Polizei, in den Süden der Stadt zur Polizeistation, an der es die Schilder gibt, dort von Beamtem  zu Beamtem, immer an ellenlangen Schlange vorbei dirigiert, daß ich ihm kaum noch folgen kann. Die Privilegien, die ich hier genieße, sei es als Tourist oder weil ihn hier jeder kennt, sind mir fast peinlich. Die Einheimischen warten hier stunden- vielleicht gar tagelang, bis sie denselben Marsch durch die Instanzen hinter sich gebracht haben. Jedenfalls bin ich tatsächlich bis kurz nach Mittag im Besitz von iranischen Nummernschildern und einer Versicherung für einen Monat! Man zeigt mir einen wunderbaren Übernachtungsplatz im Goli Park, ich stehe ruhig, in sauberer Luft, sicher und mit dem Sammeltaxi für 10.000 Rial  locker zu erreichen.
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Ich werde mit dem Privatauto hin- und hergefahren, man zeigt mir die Sehenswürdigkeiten auf der Strecke, stattet mich mit Stadtplan aus, es gibt wieder Tee, ein Rundum-Service, daß man ungläubig staunt. Bescheidene 10 Euro werden für die Extras erwartet. Wirklich unglaublich. Man sieht, er hat Spaß an seiner Arbeit!
Ich laufe kreuz und quer durch das Stadtzentrum, schlendere durch den Bazar, suche ein Internetcafe auf, gehe eine Kleinigkeit Essen und zurück gehts zum Maxl.
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Die Hunde warten. Nur so einfach, wie es zusammen mit dem Touristenbüre-Mitarbeiter geklappt hat, ist es nicht mit den Sammeltaxis. Einer verlangt gar unverschämt 30.000,  ich steige wieder aus, ab in das nächste Taxi, er ruft dem Fahrer irgendwas zu, und schon sinds hier auch 30.000. Klar. Also 100m weiter zum nächsten Taxistand. Von dort werde ich für 20.000 Rial heimgebracht. Na ja.
Beim Gassigehen mit den Hunden bildet sich wieder eine Menschtraube um mich. Where do you come from, how do you do? Und ich erzähle und schüttle Hände und lasse sie die Hunde streicheln. Ein weiterer Mann kommt, er stellt sich vor, er ist Veterinär, spezialisiert auf Hunde und Katzen. Er arbeitet an der Universität, ist dort jüngster Dozent. Falls ich je ein Problem haben sollte im Iran wegen Hund oder Katze, darf ich ihn gerne anrufen, er gibt mir seine Handynummer. Ich werde zum Tee eingeladen, wir sitzen am Goli.Park-See, erzählen, so gut es geht, bis ich nicht mehr kann und 'nach Hause' mag und auch völlig fertig sofort einschlafe.
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25.10.2007: Tabriz - Kandovan
"You have to see Kandovan" heißt es im Touristenbüro - wir haben uns für 9 Uhr verabredet - ein Schwede, der den nächsten Monat den Iran bereisen will, ein Australier, der mit dem Motorrad unterwegs ist, will auch kommen, wir wollen zusammen frühstücken. Joghurt mit Honig und Brot. Für mich etwas zu süß, trotzdem sehr lecker.
Die Taxifahrt zum Büro war wieder etwas ganz Besonderes. Der erste Taxifahrer läßt nicht mit sich handeln. 30.000 sind zu zahlen. Ich steige aus, in das 2. Taxi das da steht. Ich erkläre ihm, daß ich weiß, daß man für 10.000 Rial zum Bazar kommt, er verlangt 30.000. Also biete ich ihm 20, und er nickt. Wir fahren los und ich lege den 20.000 Rial Schein aufs Armaturenbrett, damit jede weiter Diskussion ausgeschlossen ist. Tourist price, gell? lache ich ihn an, und er taut auf. Bevor kurz danach ein iranischer Student zusteigt, nimmt er den Schein vom Armaturenbrett. Ich grinse. Mit dem Studenten unterhalte ich mich über Studium, die Universität in Tabriz, übrigens ein sehr, sehr schönes Gebäude, er zückt einen 5.000 Rial Schein, um gleich zu bezahlen und ich werfe die Tourist-Price-Story ein. Er schmunzelt, der Fahrer grinst, aber - der Taxler erläßt ihm den Fahrpreis, der sei ja wohl von mir schon mit abgegolten. Als ich ein paar Kilometer weiter aussteige, entschuldigt sich der Taxler - sorry. Ich lache und sage ihm, daß er den Fehler sehr, sehr schön wieder gut gemacht habe und ich denke, daß so schon alles paßt.
Ich laufe zur Zitadelle,
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zum Rathaus,
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zum Museum, zur blauen Moschee, wimmle einen Führer ab, ich mag allein sein in der Moschee, sonst ist die Stimmung dahin.
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Vor der Moschee sitzen Mädchen, die giggeln und lachen und tuscheln, nicht anders als bei uns. Nur daß sie hier offensichtlich an dem grauharrigen Typen was zum Lachen finden. Ich nehms - wie kann ich anders - mit Humor.
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Nach knapp 50 Kilometern Fahrt ist die heutige Etappe schon zu Ende. Wir landen in Kandovan, ein Dorf, in dem die Einwohner in Tuffstein-Wohnhöhlen wohnen. Ein Uniformierter hält mich an, ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil ich hier mit dem Lkw nicht rein dürfte, aber nein - Händeschütteln, woher, wohin, yes, I show you where you can park - und dann zeigt er mir stolz das ganze Dorf, ich darf gar in eine der Behausungen hinein.
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Eine Familie, die ein Stück oberhalb des Dorfes campt, lädt mich auf einen Tee ein. Sie stammen aus Orumiyeh, ich müsse unbedingt dort vorbeikommen. Wir erzählen, singen, lachen, zum Schluß kommen gar die Frauen aus dem Zelt und machen mit. Eine wunderbare Welt!
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26.10.2007: Kandovan - Noqdi
habe mir für heute Ardabil vorgenommen - nur vor die Besichtigung hat Allah die Ankunft gesetzt. Mit meiner 1:1.5Mio ReiseKnowHow Karte komme ich da zwar weit, aber nicht immer dorthin, wo ich hinwill. Der angebliche Ring um Tabriz, der da so schön reingemalt ist, den gibts zwar teilweise, aber dann auch um etliche km versetzt. Das sieht man sogar auf der 1.5Mio Karte. Also genieße ich um die 100km Tabriz Rundfahrt und Straße nach Ardabil-Suche (siehe PGS Track). Entnervt frage ich zu guter Letzt eine Gruppe Uniformierter, die mir raten, Richtung Teheran zu fahren, dann komme schon ein Schild mit der richtigen Abzweigung. Und siehe da, so ist es auch. Allerdings gut 10km von der Abtweigung in der Karte weg und der eingezeichnete Straßenverlauf ist größtenteils auch frei aus der Luft gegriffen. Ich weiß nicht, womit die die Karten abgleichen. Na ja.
Zwischen Ahar und Meshgin Shahr treffe ich auf mehrere Nomaden, die auf den Feldern neben der Straße ihre Zelte aufgeschlagen haben. Mir fallen Allrad-Pickups auf, hatte ich nicht erwartet, aber so romantisch wie in manchen Büchern dargestellt ist das Nomadendasein wohl gar nicht, bunte Wäsche, die im Wind flattert und eine große Gelassenheit, mit der alles seinen Gang geht. Ich mag nicht stehenbleiben, um zu fotografieren, ich habe das Gefühl, das wäre etwas zu aufdringlich.
Kurz darauf finde ich eine LKW-Tankstelle die heute am Feiertag wenig Betrieb aufweist, also will ich tanken. Und treffe auf ein Schlitzohr von Tankwart. Ob ich mit Doller zahlen kann? Ja, wenns denn sein muß, geht das. Ja, also 200 Liter kann er mir geben. Gut! Er schaltet die Zapfsäule frei, ich tanke um die 190 Liter, will zahlen - und schwupps, steht die Tankanzeige auf 0. Er verlangt 40.000 Rial. Ich sage ihm, daß er ein Bazi ist, und daß ich ihm nicht mehr als 30.000 gebe, was auch ungefähr hinkommt. Erstaunlicherweise gibt er sich damit zufrieden. Ich bins auch, denn jetzt habe ich wieder gut 2.000km Reichweite, das reicht dann fast bis nach Bandar Abbas.
Ardabil zu besichtigen und dann bei Tageslicht einen Schlafplatz suchen schaffe ich heute sowieso nicht mehr, die Landschaft hier bietet sich direkt zum Nächtigen an, also fahre ich ein paar km nach Noqdi von der Hauptstraße ab, eine kleine Nebenstraße bergauf, biege in einen kleinen Feldweg ab und stelle mich mitten auf ein unbewirtschaftetes Feld. Herrlich. Ich lasse die Hunde toben, setze mich auf meine Treppe und genieße die Sonne und die Ruhe. Vielleicht komme ich heute dazu, meine weitere Route ein bißchen zu planen, mir bleiben nicht mehr so viele Tage im Iran.
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Denkste. Keine 10min später tuckert ein Moped heran. Ein junger Bursche mit einem Opa hinten drauf. Von weitem winkt der schon und zeigt seine zwei verbliebenen Schneidezähne. Ich begrüße beide ganz herzlich, sie sind ganz interessiert am Truck, laufen mehrfach drum herum. Wo ich herkomme, will er wissen, und warum ich alleine unterwegs bin? So gut es geht, erkläre ich es ihm, mache ein Flugzeug nach, das nach Dubai fliegt, ja, und dann bin ich nicht mehr alleine. Aha! Ob er mal reinschaun darf, in das Auto? Klar, darf er. Also steht er auf der Treppe und lugt rein und fällt fast runter, als ich die Bad-Türe öffne. Ein Hammam! Ein Witzbold ist er schon, er fährt mit mir nach Dubai, erklärt er mir und grinst.
Ich werde auf einen Tee eingeladen und kanns nicht verhindern. Ich muß also wieder zusammenräumen, folge den beiden mit dem Truck in ihr Dorf, er ist dort - und das wundert mich bei seinem Alter nicht - der Dorfälteste, hat das Haus ganz oben, wir kraxeln durch Dreck und Gülle hinauf, ich darf eintreten (habe natürlich schön brav meine Schuhe ausgezogen, obwohl er abgewehrt hat) und auf prächtigen Perserteppichen platznehmen. Sichtlich stolz läßt auch er sich nieder und seine Töchter dürfen auftragen und servieren. Er erklärt mir, daß ich jetzt sein Bruder sei, soviel kann ich seinem Redefluß noch entnehmen, weiter komme ich nicht mehr mit. Er erzählt und lacht und zwinkert, immer voller wird das Zimmer, bis schließlich die ganze Großfamilie dasitzt und über das Zeugs, das er mir erzählt, lacht. Schön blöd, wenn man veralbert wird und nichts versteht.
Zum Schluß darf das ganze Dorf (na ja, so groß ists ja nicht, vielleicht 20 Leute) mal einen Blick in den Maxl werfen und Opa steht dabei und blitzt mit den Augen und freut sich wie ein Schneekönig. Dann bin ich entlassen und darf mich wieder auf das Feld stellen, wobei - im Dorf wärs natürlich schon viel besser. Aber ich lehne dankend ab, ich mag meine Ruhe haben.

27.10.2007: Noqdi - Amir Bekandeh
Da habe ich doch glatt ohne es gestern zu bemerken, am Fuß eines mächtigen Vulkans genächtigt, dem immerhin 4811m hohen Kuh-e Sabalan. Er ist ja auch leicht zu übersehen ;-) Nein, er hat sich leider in Wolken gehüllt. Heute auch - da kann man nichts machen.
In Ardebil sehe ich mir das Mausoleum von Sheikh Safi an - so wunderschön, daß es mir den Atem verschlägt. Ich bin ganz alleine, laufe auf Socken über dicke Perserteppiche, das reichlich vorhandene Gold taucht das Innere in ein ganz warmes Licht, es ist völlig ruhig, eine andere Welt.
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Im "Chini khane", dem Porzellanraum, faszinieren mich besonders die ausgestellten Koran-Exemplare, hier einer aus dem 9. Jahrhundert.
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In Khalkhal halte ich bei einem Autoreifen-Händler. Ich habe mir einen spitzen Stein in einen Reifenstollen gefahren und jetzt sitzt er da drin und ich habe Bedenken, daß er da auf Dauer Blödsinn macht. Ich will  ihn aber nicht einfach selbst rausziehen, womöglich verschlimmere ich das Ganze dadurch bloß. Ich zeige ihm die Stelle, aber ohne Englisch kommen wir nicht weiter. Innerhalb von wenigen Minuten ist ein Mann organisiert, der leidlich Englisch spricht. Zunächst wollen wieder Hände geschüttelt werden, Fragen nach woher und wohin und Frau und Kinder beantwortet werden, dann wird mir gedolmetscht, daß ich zu einem Lkw-Reifen-Händler muß und der ist am Stadtrand. Bevor er mir aber den Weg lange beschreibt, mag er mit mir mitfahren und mir den Weg zeigen. Unterwegs erzählt er, daß er im Gefängnis Englisch, Französisch und Deutsch gelernt hat, es aber schon so lange her ist und er so wenig Möglichkeiten hat, es zu praktizieren. Daß Iraner und Deutsche Freunde sind, er auch nichts gegen Amerikaner hat, aber die Israelis, die sind der Grund allen Übels. Bevor wir tiefer eindringen können, sind wir da, der Stein ist schwupp-di-wupp draußen, dem Reifen fehlt nach Aussage des Experten nichts, "it's strong, this doesn't do anything", mein Dolmetscher versichert mit, daß ich damit sicher durch Afrika komme ("I'm also black, so I know that you come through Africa with this tire"), schnappt sich ein Sammeltaxi und winkend ist er weg. Der Reifenhändler weigert sich, die 5.000 Rial anzunehmen, die ich ihm anbiete, er freut sich, daß er mir helfen konnte.
Und wie der Zufall will, bin ich genau auf der Straße, die nach Shahrud führt. Ich will nach Masuleh, einem "pittoresque" Bergdorf. Und es gibt eine Nebenstraße dahin quer durch die Berge.
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Ich verfahre mich ein paarmal, aber heute muß ich die Reise-Know-How-Karte doch einmal loben. Der Straßenverlauf ist doch wenigstens so gut, daß ich erkennen kann, ob ich richtig oder falsch unterwegs bin. Das ist doch schon mal was. Zusätzlich ist die Straße auf der Worldmap von Garmin eingezeichnet (!) und das gar nicht mal so schlecht. So gehts um die 10km dahin - und dann hört der Asphalt auf! Auf  einer Schotterpiste gehts dann 50km weit über einen 2300m hohen Paß. Ein Heidenspaß ist das, steil und wild gehts durch spektakuläre Landschaft.
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Über die Berge ziehen dichte Wolken - kaum bin ich über den Paß und es geht abwärts, sehe ich kaum die Hand vor Augen. Eine super-anstrengende Fahrt über mehr als 1500 Höhenmeter bergab beginnt. Mit Schrittgeschwindigkeit taste ich mich abwärts. Vielleicht ist es ja auch ganz gut, daß ich die steilen Abrisse nicht sehen kann, wer weiß? Es wird glitschig, aber der Maxl bringt mich ganz sicher hinunter, direkt ins Dorf, wo die Einheimischen Bauklötze stauenen, daß da ein Truck die unbefestigte Paßstraße herunter gebrummt kommt. Das Dorf ist hübsch, aber nicht spektakulär - vielleicht liegts am schlechten Wetter oder aber auch am vielen Müll, der herumliegt, aber es lädt mich nicht zum Bleiben ein.
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Wieder einmal mache ich den Fehler, daß mir kein Schlafplatz gut genug ist, obwohl zahlreiche schöne Plätze entlang eines Bergflußes talabwärts einladen, aber mir ist die Nähe zu den ebenfalls zahlreichen Restaurants einfach zu lästig. Also wirds wieder mal dunkel und ich hasse es, im Dunkeln Schlafplatz suchen zu müssen. Man sieht einfach nichts. Trotzdem lande ich wieder mal direkt auf dem Strand - heute am kaspischen Meer in Amir Bekandeh. Die Fischer, die ihre Boote gerade im Dunkeln aus dem Wasser holen, sind überrascht, welches Ungetüm da auf ihrem Strand herumfährt, ein alter Mann bedeutet mir, daß ich da steckenbleiben werde, aber ich lasse unter großem Gepfeife Luft ab und fahre durch den extra weichen Sand. Es gibt wieder viele Hände zu schütteln, die Hunde geben ein großes Schauspiel ab, wie sie durch den Sand tollen, aber heute werde ich (bisher) weitgehend in Ruhe gelassen - das kann ich auch brauchen, der Tag hat mich ganz schön geschafft. Gute Nacht!

28.10.2007: Amir Bekandeh - Bergsee bei Marzanabad
Im Morgengrauen weckt mich Traktorengeräusch. Die Fischer bringen Ihre Boote zu Wasser. Sie haben einen großen Kahn ohne Motor, der Taue und Netze trägt und zwei kleinere Motorboote, die den Kahn aufs Meer ziehen. Zunächst sitzt der Kahn aber auf Grund. Ein Traktor fährt kurzerhand ins Wasser und schiebt den Kahn in tieferes Gewässer. Das scheint Standart-Prozedur zu sein, da der Traktor ein entsprechendes Geschirr trägt. Die Motorboote ziehen den Kahn aufs offene Meer und der gesamte Verband kehrt eine knappe Stunde später ohne Netze wieder zurück. - Zum Teetrinken. Ich werde eingeladen. Also sitze ich mit den Fischersleuten auf Teppichen, trinke Tee, ess Brot mit phantastischem Schafskäse, bekomme als Gast ein Stück Karamel angeboten und erkläre wieder einmal so gut es geht, woher und wohin. Zwei der Fischer schälen Mandeln, zu Mittag gibt es fangfrischen Fisch mit ebendiesen - man versucht, mich zum Bleiben zu überreden, aber ich muß weiter, leider ist meine Zeit sehr beschränkt.
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Kurz vor Chalus schlage ich mich wieder ins Landesinnere, überquere die Gebirgskette, an denen sich die Nordwinde abregnen. Bergwärts fahrend sehe ich einige Grill-Stationen, an denen man auf niedrigen Podesten sitzend und in die Natur schauend Tee trinken oder eben auch essen kann. Von einem dieser Grills winkt mir einer von zwei jungen Burschen zu. Warum nicht, denke ich mir und halte an. Praktischerweise gibt es hier Quellwasser, das aus einem Schlauch über eine selbstgebaute Rampe fließt. So kann man sich im fließenden Wasser die Hände waschen oder sich erfrischen. Ich bestelle Tee und frage, ob ich mir Wasser für meinen Truck nehmen dürfe. Die Antwort erstaunt mich - sie hätten keinen Diesel für die Pumpe. Ja, aber - das Wasser fließt doch - und zwar offensichtlich ohne Pumpe. Ich hole meinen Wasserschlauch samt Zubehör, zeige ihnen, wie ich mir das denke und bekomme ihr ok. Ich schließe also meinen Schlauch an, so ganz paßt das Zubehör nicht, es spritzt ein bißchen, aber es kommt Wasser aus dem anderen Ende des Schlauches. Es fließt immerhin soviel danben und wieder die Rinne hinunter, daß man weiterhin Hände waschen, Teewasser abnehmen etc. kann. Und ich kann meine Tanks füllen. Bei dem Durchfluß kann das zwar gut eine Stunde dauern, aber was solls - dann ess ich eben etwas. Also bestelle ich zu Essen, wähle Lamm, das Feuer wird angeschürt und zwei Lammspieße gegrillt. Ich trinke weitere Tees, bis mir einer der beiden Burschen erklärt, daß es jetzt genug sei mit dem Wasser. Wie bitte? Das läuft den ganzen Tag ins Nirwana, eben nach der Rinne in die Pampa und jezt müssen sie sparen? Auch gut - dann also bitte bezahlen. Ich zücke 20.000 Rial in der Annahme, daß das wohl reichlich ist für zwei Grillspieße, ein paar Tee und Brot, aber zunächst will er 2 davon, letztlich will er 60.000 Rial. Die reinste Abzocke! Nicht daß mich die 5 Euro ärgern, nein, es ist das Gehabe und Verhalten der Jungs. So unendlich daneben. Gehts ihnen jetzt besser, weil sie mich abgezockt haben? Schade. Ich packe meinen Krempel zusammen, schüttle nur meinen Kopf und gehe. So ein Verhalten rächt sich ganz von selbst.
Der Reise-Know-How Iran-Führer weiß von einem einsamen Bergsee etwa 12km von Marzanabad. Den will ich aufsuchen und die Ruhe genießen. Es geht ein kleines Sträßchen den Berg hoch, das letztlich zum Feldweg wird und steil über die Berge zum See führt. Idyllisch liegt er da zwischen den Bergmassiven, ich umrunde ihn halb und bin endlich alleine. Lasse die Hunde toben, richte mich ein, und schon brummt ein Auto daher. Nicht zu fassen. Es sind zwei junge Männer aus Teheran, die den Tag in Bandar Anzali verbracht haben und irgendein Teufel hat sie geritten (wahrscheinlich haben sie mein Expeditionsmobil den Berg hochklettern sehen) und sie wollten noch den See besuchen. Schön, daß ich da bin, "welcome to Iran!" Wir sitzen also im Freien, trinken ihren mitgebrachten Whisky (!), auf den sie mich einladen, ich lehne aber ab, auf "iranische" Art zu trinken - ex und hopp. Whisky vertrage ich sowieso nicht, also nippe ich nur. Es wird schnell recht lustig. Ein weiteres Auto kommt, noch eins. Und ich werde auf Deutsch angesprochen. Es ist ein Iraner, der in Aachen studiert hat und lebt, die ersten deutschen Worte, die ich im Iran wechseln kann. Wir ratschen, fischen, trinken, lachen, eine lustige Truppe. Mit der Dämmerung ziehen sie wieder von dannen, ich koche mir Fisch, mache Salat, esse und pflege mein Tagebuch. Alles andere muß warten.
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29.10.2007: Bergsee bei Marzanabad - bei Hasanabad
Einer der denkwürdigeren Tage...
Nach einer wieder eher unruhigen Nacht - Floh mag einfach nicht draußen schlafen, da rennt er dann hin und her und bellt und macht Terz, daß ich absolut nicht schlafen kann. So ein Hirni - da ist wunderbarstes Wetter draußen, aber er mag in seinen Käfig. Dabei dachte ich, daß ich vielleicht ausschlafen könnte, ohne daß er frühmorgens raus will, da schon draußen, aber Menschen- und Hundelogik sind da zweierlei. Also hab ich die beiden reingeholt, konnte dann wenigstens bis 7:30 schlafen, hab dann ausgiebigst geduscht, Kaffee getrunken, einen wunderhübschen Morgenspaziergang gemacht und mich dann auf die Socken gemacht Richtung Qom. Die Berge zwischen der Küste und Teheran sind gewaltig, bis weit über 5.000m hoch reichen sie, manche sind schneebedeckt, der eine oder andere Vulkan darunter, eine starke Landschaft.
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Die Straße von Chalus nach Karaj führt kilometerweit durch eine Schlucht, einfach herrlich! Es herbstelt, die Bäume sind bunt und bringen lebendige Farbtupfer in die karge Landschaft. Vergnügt fahre ich und winke mal wieder jeder Menge Leuten zu, die sich freuen und zurückwinken.
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Bis ich auf eine Polizeikontrolle stoße.
Man gebietet mir zu halten. Kein Problem, hatte ich schon öfter, ich lasse das Fenster herunter, "Salam!" und strecke ihm die Hand entgegen. "Paßport!" - auch gut, ich nehme meinen Paß, steige aus, reiche ihm das Dokument und warte ab. Er verschwindet im Auto und prüft das Dokument vorwärts und rückwärts. Frankfurt? Nein, da ist das iranische Konsulat, welches das Visum ausgestellt hat, ich komme aus München. Der zweite Polizist umkreist derweil den Truck. Ich zeige ihm bereitwillig alles, es ist nicht die erste Kontrolle, und das Auto ist schon etwas ungewöhnlich. "You have to eat?" - Klar hab ich zu essen, Nam und Nudeln und Tomaten und und und. "You have Fastfood?" - Nein, ich esse kein Fastfood. "You have to drink?" - Ja klar, Wasser hab ich. Schön langsam dämmert mir, was hier abläuft. Während der eine meinen Paß wiederholt von vorne nach hinten und umgekehrt durchblättert, ohne wirklich reinzusehen, versucht mir der andere was abzuluchsen. Gerne öffne ich meine rechte hintere Staubox und zeige ihm den Wasserhahn, er darf gerne Wasser haben, wenn er möchte...
Verächtlich winkt er ab. "You have Dollar?" Jetzt wird er deutlicher. "Many stops to Teheran, you know, Dollar?" - Nein, ich habe keine Dollar und damit laß ich ihn stehen und wende mich dem immer noch in Prüfung des Passes versunkenen Beamten zu und schaue recht freundlich. Nach weiterem Blättern will er meinen Führerschein. Auch den habe ich parat. Er dreht und wendet das Plastikkärtchen als ob Goldstaub rausfallen könnte. Ich gebe mich betont unbeeindruckt. Endlich lassen sie mich ziehen. Solche Heinis!
Keinen Kilometer weiter bedeutet mir der nächste Straßenpolizist ein "Stop!" Ist denn heute Polizeitag? Na gut, ich parke meinen Truck, stecke den Paß gleich ein, steige aus, "Salam!" und reiche ihm die Hand. Der Paß muß ins Polizeiauto zu dem dort sitzenden Kollegen. Wieder dasselbe Spiel. Der Paß wird vorärts und rückwärts durchblättert - es sind außer dem iranischen und jemenitischen Visum nur die Stempel der Länder auf der Reise hierher eingetragen, es gibt also nicht wirklich viel zu untersuchen. Auch hier die Frage nach dem Füherschein. Auch den habe ich parat. Mister Thomas, please come here! Also begebe ich mich zu dem bärtigen Polizisten, der da im Auto meinen Paß malträtiert. Mit dem Strafzettelblock zwischen den Fingern spielend fragt auch er mich nach Dollars. Ich bin mir keiner Schuld bewußt und habs schön langsam auch satt und verneine. Ein Geschenk vielleich? "Korruptes Arschloch!" möchte ich ihm ins Gesicht werfen, aber ich beherrsche mich und verstehe nichts. Jetzt müssen offensichtlich härtere Bandagen ran. Er ruft seinen Kollegen, steckt den Paß ein - bedeutet mir wichtig, ich solle bleiben, wo ich bin - und schwupp - weg sind sie mit ihrem Polizeiauto und ich stehe ohne Paß da.
Zunächst denke ich mir nichts schlimmes, außer daß ich Korruption im Iran nicht vermutet hätte. Aber nach und nach wird mir doch etwas bange. Ich bin völlig allein, ohne jeden Zeugen, ich verstehe kaum ein Wort und habe jetzt korrupte Staatsbedienstete vor mir, die wer weiß was mit mir anstellen mögen. Ich beschließe, zumindest zu Hause Bescheid zu sagen, daß hier ein Problem aufgetaucht ist, wo ich bin, und daß ich mich wieder melde, wenn alles ok ist. Anderenfalls... Nur leider mag ausgerechnet heute das Handy nicht, ich bekomme keine Verbindung ins Ausland. Das Satellitentelefon baut zwar eine Verbindung auf, aber man kann mich nicht hören. Also beschließe ich, eine email zu senden. Zur Sicherheit sende ich auch eine email mit einer kurzen Zusammenfassung meiner Situation an die Botschaft in Teheran. So weiß auf jeden Fall jemand Bescheid, was los ist.
Es vergeht eine weitere Stunde. Eine Dame aus der Botschaft ruft an, läßt sich den Sachverhalt schildern, bedauert, daß sie nicht viel machen kann, aber sie wird mich in einer Stunde noch einmal anrufen. Ich finde mich mit der blöden Situation ab, führe die Hunde Gassi, stelle mir einen Stuhl neben die Straße, koche mir Kaffee und lese in meinem Reiseführer. Korrupter Bulle Nr. 1 fährt vorbei (der ist doch vor einer Stunde auch schon vorbeigefahren, bergwärts) und grinst. Ich grinse zurück. Die Zeit vergeht. Langsam. Endlich kommen sie zurück. Mit einem 3. Mann - als Verstärkung? Nein, sieht nicht so aus. Nach weiterem Blättern und Prüfen (wozu? mich beeindruckt das nicht sehr) gibt man mir den Paß zurück. Ich sage dem dritten Mann, daß ich die Botschaft verständigt habe. Er nickt. Er weiß es. Ich frage, ob ich auf dieser Strecke noch mehr solcher Probleme bekommen werde? Nein, es sei alles in Ordnung, ich dürfe fahren. Na dann. Ich fahre bis auf die Paßhöhe auf 2.600m, halte kurz an, schreibe eine Dankes- und Entwarnungsemail an die Botschaft und nach Hause und setze meinen Weg fort.
Ein grandioser Stausee, umrahmt von gigantischen Bergen taucht auf.
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Und - genau! Eine Polizeikontrolle. Anhalten! Aussteigen! Paß! Nur diesmal werde ich mit in die Polizeistation eskortiert. Dort allerdings sitzt eine fröhlich gestimmte Truppe, die mich willkommen heißt. Und mir Tee anbietet. Das hier ist unser Chef! Dem gebe ich den Paß. Ein Dolmetscher ist zur Stelle. Mir wird ein Stuhl angeboten und man bestürmt mich mit Fragen. Ob ich denn wüßte, daß Hunde im Iran nicht im Auto mitfahren dürfen? Nein, ist mir unbekannt, höre ich zum ersten mal. Ja - aber bei mir würden sie eine Ausnahme machen. Danke, Danke! (Woher weiß er, daß ich Hunde dabei habe? Hier hat keiner ins Auto geschaut). Aber alles in allem herrscht eine freundliche Athmosphäre, man ist bemüht, mich spüren zu lassen, daß ich willkommen sei und keine Probleme befürchten muß... Es werden gar Fotos gemacht, jeder - außer dem Chef - will einmal mit mir auf einem Bild sein. Ich frage, ob sie mir denn ein Bild schicken würden und eifrig schreibt sich einer meine email Adresse auf den Handrücken. Bis es dem Chef zu viel wird und er uns alle rausschmeißt. Mit einer Truppe Polizisten gehts zum Truck zum Gruppenfoto...
Ich weiß nun nicht, ob von Seiten der Botschaft etwas unternommen worden ist, aber ich glaube nicht an Zufälle.
Nachdem ich schon so viel Zeit verloren habe, beschließe ich, mir den Besuch von Teheran zu schenken. Wenn ich wirklich einmal dahin wollte, kann ich das besser mit dem Flugzeug. Und die Stadt ist unter einer so dicken Smogwolke versteckt, daß man die Berge dahinter schon gar nicht mehr sehen kann.
Auf dem Autobahnring umfahre ich Teheran und finde tatsächlich die richtige Abzweigung nach Qom, mit flotten 90 Sachen gehts Richtung Süden - vielleicht bin ich ja 30, 40km von Teheran weg bevor es dunkel wird und ich mir einen Schlafplatz suchen muß. Und zack - schon wieder - Polizeikontrolle. Auf der Autobahn. Ich muß halten, und bekomme Anweisung, die Autobahn an der nächsten Ausfahrt zu verlassen, zurück Richtung Teheran zu fahren und von dort auf die "alte" Autobahn zu wechseln, die neue sei für Lkw verboten. Da nutzt kein Lamentieren und Diskutieren. Lkw bleibt Lkw, auch wenn es ein Wohnmobil ist. Nix Diesel auf Autobahn. Aha - und die Busse? Was solls. Ich fahr weiter, ignoriere die erste Ausfahrt, sollen sie mir halt ein Ticket ausstellen, fahre bis zur Universität und von dort frei Schnauze Richtung "alter" Autobahn, die auf meiner Karte eingezeichnet ist. Da hat mir der Herr Polizist aber einen Dienst erwiesen! Durch die häßlichsten Vororte, aller Lkw Verkehr Richtung Persischem Golf quält sich hier durch, es stinkt zum Gottserbarmen, da komme ich als Tourist gerne wieder!
Gut 50km südlich von Teheran, man spürt schon richtig die Nähe zur Wüste "Dasht-e Kavir", suche ich mir im Halbdunkeln einen Platz auf alten Dünen, komme aber nicht weit von der Straße weg, so daß ich in Sicht- und Hör- und Riechweite des Lkw-Verkehrs stehe. Nun, nicht alle Tage ist Sonntag und morgen wirds bestimmt besser!
Gute Nacht!

30.10.2007: bei Hasanabad - Zavareh
Ein herrlicher Sonnenaufgang weckt mich. Bis auf Lärm und Gestank war der Schlafplatz ja gar nicht sooo schlecht.
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Ich reihe mich also wieder in die Lkw-Schlange ein und schleppend geht es Richtung Süden, ich will nach Qom. Bergwärts schleichen die alten Mercedes-Rundhauber mit knapp über 20km/h dahin, überholen ist fast nicht drin, da der Gegenverkehr so dicht ist, bergab dafür rauschen sie - mangels Bremsen? - mit guten 100km/h an mir vorbei. Es kommt auch durchaus vor, daß man sich einer Lkw-3er-Reihe als Gegenverkehr gegenüber sieht, da sind gute Bremsen und genung Auslaufzone gefragt. Aber ich überlebe es und letztlich ging es auch relativ flott.
In Qom möchte ich mir eines der wichtigsten Heiligtümer im Iran ansehen - die Fatemeh Ma'soumeh. Ich fahre frech bis in die Stadtmitte, von wo aus ich die vergoldete Kuppel auch schon wunderbar erkennen kann, und suche mir einen Parkplatz - in unmittelbarer Nähe. Wie das immer wieder klappt, bleibt mir ein Rätsel.
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Am Eingang des Heiligtums stehen Wärter, die mit Staubwedeln dafür sorgen, daß Nicht-Muslime lästigen Fliegen gleich draußen bleiben. Mal was anderes. Ich bleibe also draußen und spähe in den Innenhof. Ein Student erbarmt sich meiner und versucht, zu klären, was mir den Zutritt ermöglicht. Leider brauche ich eine offizielle Genehmigung aus Teheran, heißt es. Woanders habe ich gelesen, daß es von der Tagesform der Wärter und dem Andrang abhängig ist. Und heute ist leider sehr viel los. Und ich bin ungeschickterweise auch im T-Shirt angerückt. Sollte man nicht machen. Nun erklärt mir der arme Student eben, was es mit dem Heiligtum auf sich hat, daß viele Pilger hier her kommen, Allah um dies und jenes bitten, und Allah in seiner Weisheit die Bitten erhört, wenn es seiner Voraussicht entspricht, oder eben nicht. Er ist nicht gerade firm in Englisch, gibt sich aber alle Mühe, und ich sehe ihm an, daß es ihn gnadenlos friert, so schüttelt es ihn. Also bedanke ich mich herzlich bei ihm und versichere ihm daß alles gut ist, es ist wichtiger, daß Muslime die Gelegenheit haben, das Heiligtum zu besuchen, als ich. Und irgendwann, so Gott will, werde ich es auch sehen. Damit ist er zufrieden und geht.
Ich wende mich den Altstadtgassen zu, die quirlig, orientalisch, bunt und voller Gerüche sind, kaufe Brot und Salat und bins auch zufrieden.
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Viel entspannter geht es nun weiter nach Kashan, unterwegs tanke ich meinen 2. Tank wieder mit 270l Diesel voll, zahle dafür lächerliche 45.000 Rial, knapp 4 Euro, damit komme ich locker bis Bandar Abbas.
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Dort möchte ich mir den Bazar ansehen und mich auch bin bißchen durch die Stadt treiben lassen.
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Im Bazar findet sich ein sehr lauschiges Plätzchen, das ich durch Zufall finde und fotografiere, woraufhin mich ein alter Mann zu sich winkt und mir Tee anbietet. Ich lasse mich gerne auf den niedrigen Bänken nieder, sitze neben einem anderen alten Mann, der voller Gier in den Augen nach Dollars fragt. Ich ignoriere ihn einfach. Rührend, wie der alte Mann Tee zubereitet, er tut sich schwer, hat einen gekrümmten Rücken, aber er lächelt vor sich hin und verbreitet Ruhe. Sehr angenehm. Ich trinke meinen Tee und bestaune die Halle.
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Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt rundet den Besuch ab.
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In Ardestan und Zavareh sehe ich mir frühe Vier-Iwan-Moscheen an.
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In Zavareh bin ich noch auf der Suche nach der Moschee, als mich ein alter Mann anspricht und mir die Sehenswürdigkeiten des Dorfes zeigen will. Ich willige gerne ein. Zunächst gehts zur Moschee, dann durch den Basar, durch verwinkelte Gäßchen zur Fatehma, wo er einen Wärter aus einem Haus holt, damit er uns einläßt, dort treffen wir dann auf eine Gruppe iranischer Architekturstudenten, die sich uns anschließen und die nächsten zwei Stunden bekomme ich einen Schnell-Grundkurs in iranischer Baukunst. Unglaublich interessant und fesselnd. Zu guter letzt führt er uns noch ins Haus seines Großvaters, der in einer uralten Moschee lebt.
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Darüber wird es dunkel und meine Schlafplatzsuche dementsprechend mal wieder schwierig. Ich stelle mich auf ein Feld, koche mir Spaghetti Aglio Olio mit leckerem Tomatensalat, habe kaum aufgegessen, als ein Auto herangebrummt kommt. Na Klasse, denke ich mir. Es sind - Polizisten! Mal wieder! 5 Stück hoch kommen sie da im Auto angebraust und sind neugierig. Meinen Paß möchten sie haben. Gut. Mitkommen soll ich auf die Polizeistation, hier ist es viel zu gefährlich! Da nutzt alles Reden und Diskutieren nichts, ich muß zusammenräumen und ihnen auf das Revier folgen. Dort sitze ich dann mit dem Chef in seinem Dienstzimmer und neben viel Geschreibsel in dicke Bücher mag er sich mit mir unterhalten. Nur ist sein Englisch relativ schlecht und eine echte Unterhaltung kommt nicht richtig in Gang. Was nicht heißt, daß nicht trotzdem mit dem Handy Videos unserer Unterhaltung gedreht werden, alle wollen mal auf ein Foto mit mir, das Ganze geht so eine gute Stunde. Dann darf ich gehen. Komme aber nicht weit, da er, besorgt, wie er ist, mir ein Hotel organisiert hat, zu dem ich jetzt fahren soll. Wie bitte? Nein. Auf keinen Fall. Ich schlafe im Truck, bei den Tieren, meinetwegen hier vor der Polizeiwache, aber Hotel, das geht gar nicht. Also muß ich wieder mit rein, er redet auf mich ein wie auf eine kranke Kuh, aber ich bleibe hart. Mein eigenes Bett ist mir das liebste. Endlich gibt er nach. Als ich dann draußen die Hunde Gassi führen möchte, das nächste Problem. Zu gefährlich! Gehts noch? Seine Lösung: zwei bewaffnete und mit Handscheinwerfern versehene Polizisten gehen mit mir Gassi. Ich bin der Held des Ortes. Jetzt steht einer draußen vor dem Truck und beschützt mich vor allen Gefahren. Hoffentlich kann ich schlafen.
Gute Nacht.

31.10.2007: Zavareh - Esfahan
is auf ein paar vorbeidonnernde Züge, die uns regelmäßig alle aus dem Schlaf gerissen haben, war die Nacht ruhig und vor aller Gefahr beschützt, konnte ich gut schlafen. Ich öffne die Rollos und siehe da - aufgereiht stehen sie draußen samt Chef und warten auf mein Erwachen. Tee trinken ist damit obligatorisch und so sitze ich wieder dem Chef gegenüber, der mir Essen anbietet und sich sichtlich Mühe gibt, all sein Englisch zusammen zu nehmen um sich mit mir zu unterhalten. Als wir fertig gegessen und getrunken haben, bin ich sein Freund, sagt er. Auch ein Freund seiner Kollegen, betont er, als ich mich schließlich von der Kalaschnikow-bewehrten Runde verabschiede.
Mit Abdolhosien Shafiey (seine Tel.Nr. kann man bei mir erfragen), meinem gestrigen Führer, habe ich einen Treffpunkt vereinbart, ich will mit ihm zu einem Dorf in der Dasht-e Kavir Wüste und von dort aus mit einem Führer hinaus in die Salzwüste. Etwa 20km weit geht es über Teerstraßen an den Rand der Wüste, weiter in ein kleines Dorf, in dem er einen alten Mann aus seinem Haus klingelt und unter dessen knappen Handzeichen geht es ab in die Wüste.
Die ersten Kamele, die ich auf meiner Reise sehe! Eine große Freude steigt in mir auf, ich freue mich wie ein kleines Kind.
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Über eine Piste, mal fest, mal sandig, manchmal ist es ein Gefühl, als ob man schwimmt, gehts mit dem Maxl hinaus. Obwohl noch gar nicht weit, fühlt man die große Weite, Leere, Grenzenlosigkeit. 100km Piste sind es von hier bis Teheran. Hätte ich das gewußt! Aber immer langsam. Die Augen des alten Mannes leuchten, ich schätze ihn auf über 80, schwer zu sagen, Abdolhosien sagt, als ich ihn frage, nur old, very old. Wir halten und die beiden zeigen mir die etwa 30mm dicken Salzplatten, die über Staub oder eben Wasser daliegen. Deshalb sei die Wüste auch so gefährlich, sagen sie, ich muß auf der Piste wenden, soll möglichst nicht neben sie fahren. Wenn selbst ein Mann vie Abdolhosien, der hier seit Gedenkzeiten lebt, einen Führer für die paar Kilometer braucht, dann kann ich mir schon denken, daß es nicht so ohne ist hier draußen.
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Abdolhosien sammelt Salz in eine Tüte und reicht sie mir - das Salz sei gut, man kann es zu Tisch verwenden. Bin ja mal gespannt - ich denke, ich werde mir heute abend Kavir-Wüsten-Salz-Nudeln kochen.
Ich verabschiede mich herzlich von dem alten, bis auf einen verbliebenen Zahn zahnlosen Mann, wir machen noch ein Gruppenfoto, von denen ich ihnen gerne ein paar ausdrucke und Abdolhosien zeigt mir noch stolz alte Siedlungen und Moscheen in der Nähe. Er ist ein Führer, bei dem man merkt, daß sein Herz an den alten, sehr alten Plätzen hängt. Er ist Lehrer, zeigt mir einen arabischen Ausweis, dem ich natürlich wenig entnehmen kann, aber es ist wirklich abenteuerlich, mit ihm über Geröll und durch Schleichwege in die alten Gemäuer zu krabbeln. Eine Schande, was hier verrottet und verfällt, weil alle schlafen, wie er sagt.
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Ich lasse ein paar Euro für ihn und den alten Mann da, und mache mich auf den Weg nach Esfahan. Durch karge Landschaft, bis auf über 2000m steigt die Hochebene, umrahmt von mehr als 3000m hohen Bergen, erreiche ich auf gut ausgebauter Straße Esfahan. Unvermittelt finde ich mich auf einer einspurigen Busspur, außer mir überhaupt kein Verkehr mehr, in Richtung Innenstadt. Wer kann schon die arabischen Verbotsschilder entziffern, die die Spur nur für Busse freigeben? Die Polizisten, an denen ich vorbeifahre, nehmen nicht einmal Notiz von mir. Uff. Ich parke schließlich - auch wieder unter unentzifferbaren Verbotsschildern, keine 500m vom 'großen Platz' entfernt. Die Autozubehör-Händler, die hier ihre Läden haben, begrüßen mich, "Hello, Mister, where are you from?", ich schüttle jede Menge Hände, man beruhigt mich, ich darf hier stehen bleiben - ob als Tourist oder weil heute kein Verbot zutrifft, kann ich nicht herausfinden, ist ja auch egal - ich werde zum Tee eingeladen, vertröste sie aber auf später, ich möchte zum Basar. Herrlich orientalischer Trubel, ein intensiver Geruch nach Curry und anderen, mir zum Teil unbekannten Gewürzen empfängt mich. So mag ich es! Ich lasse mich treiben, schlendere durch Handwerkergassen, überall wird gehämmert, geklopft, gemalt, alles unter höchster Konzentration, Handwerk zum erleben und lieben lernen.
Die Gebäude um den 'großen Platz', Meisterwerke islamischer Baukunst, besuche ich fast alleine, außer mir vielleicht 2, 3 andere Touristen, so kann ich die Atmosphäre richtig auskosten.
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Es wird kühl, deshalb mache ich mich auf den Weg zurück zum Maxl, ich will mir etwas überziehen, die Hunde Gassi führen und mir dann ein Restaurant suchen, heute bleibe ich in der Stadt. Von weitem schon sehe ich einen Zettel unter einerm der Scheibenwischer klemmen. Das wird doch kein Strafzettel sein? Nein, es ist ein handgeschriebenes Stück Papier der National Police Station.
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Ich kann nichts erkennen am Motorrad. Es thront hoch oben wie eh und jeh. Bis mich die Autozubehör-Händler auf das geknackte Bügelschloß aufmerksam machen. Das gibt es ja wohl nicht! "Yes, Sir, and they will come back and get the Motorcycle during the night. You are not safe here!" Ich bin geschockt. Trotzdem beeindruckt von dem Service, den die National Police hier abliefert. Einer drückt mir ein Telefon in die Hand, mein englischsprechendes Gegenüber rät mir, zum 'großen Platz' zu kommen und dort zu parken, ab 8:00 Uhr abends wäre da genügend Platz und Polizei sei auch immer da. So will ich es machen, bis dahin hätte ich gerne eine Kleinigkeit gegessen, es soll da ein gutes Restaurant in 20min Fußentfernung geben, bis dahin schaffe ich es noch zu Fuß. Leider hat das Restaurant heute geschlossen, also finde ich mich mit einem überraschend guten iranischen Hamburger ab, der übrigens nichts mit unseren Styropor-Matsch-Hamburgern gemein hat, starte meinen Truck und fahre zum 'großen Platz'. Die dort stationierten Polizisten haben nichts dagegen, daß ich mich ins Parkverbot stelle, wohl aber der vorbeikommende Parkwachtl, der um sein Ansehen fürchtet, wenn ich da stehen bleibe.
Die freundliche Stimme von vorhin am Telefon stellt sich als Teppichhändler im Bazar vor, er kommt mit dem Moped angebraust, versucht, mit dem Verkehrspolizisten zu verhandeln, aber scheitert kläglich. "I told him to piß off", erklärt er mir schließlich, es gebe noch einen anderen Platz, an dem ich sicher stehen könne, sein Sohn wird ihn mir zeigen. So geschieht es, ich bin für heute geschafft und falle ins Bett.
Kurz vor 12 Uhr weckt mich ein Klopfen. Bitte nicht! Ich rolle mich aus dem Bett, ziehe etwas über, öffne die Tür - und da steht er wieder, der Teppichhändler. "My son is an Idiot, this is the wrong place, not safe, please follow me!" Und er bringt mich 500m weiter zu einem bewachten Park, wo ich schließlich den Rest der Nacht ungestört verbringe. Morgen denke ich, werde ich ihn wohl besuchen, obwohl ich eigentlich früh weiter wollte, aber vielleicht findet sich ja der passende Teppich für den Maxl. Gute Nacht!

1.11.2007: Esfahan - Chakchak
Nachdem ich gestern nicht mehr dazu gekommen bin, meinen Tagebucheintrag zu verfassen, erledige ich das heute morgen. Dann fahre ich wieder frech mit dem Maxl in die Stadtmitte, parke wieder im Basar-Viertel, ohne Mühe zu haben, wahrscheinlich ist's verboten, aber was solls. Eine Wespe weht zum Fenster herein und - zack - sticht sie mich in den Unterarm. Das hat sie nicht überlebt. Ich hab zwar eine Beule und es juckt wie blöd, aber das dumme Vieh ist hin. Selbst schuld. Ich schlendere noch einmal durch den Basar, die Gewürze haben es mir angetan, ich mag nochmal eine Nase voll davon nehmen, besuche meinen Teppichhändler, trinke Tee, ratsche mit ihm über Gott und die Welt und laß mir Teppiche zeigen.
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Einer davon ist natürlich genau der richtige für den Maxl unter den Tisch. Er kostet ein kleines Vermögen, aber es sollen auch ca. 8 Monate Arbeit drin stecken. Aus Wolle und Seide ist er, in Esfahan gemacht, zeigt traditionelle Muster und die Farben begeistern mich. Ich darf an seinem Computer noch ins Internet, lade die großen Bilder hoch, dann bringt er mich mit dem Moped zum Maxl. Da kriegt man Teleskop-Oberschenkel, man zieht sie wirklich ein, damit man sich nicht an den haarscharf vorbeirasenden Autos (d.h. rasen tun wir, nicht die Autos) die Knie wundschlägt. Aber wir kommen wohlbehalten an.
Nach Yazd sind es etwa 350km, davon 300km stur geradeaus. So etwas hab ich noch nicht gesehen. Da geht es locker 1000 Höhenmeter rauf und wieder runter, man merkt es nicht, höchstens am Motorengeräusch, das bergab doch leiser ist. Bei Ardakan, ich mag heute mal einen schönen Schlafplatz für uns, fahre ich von der Hauptstraße ab Richtung Chakchak und das stellt sich als Glücksgriff heraus. Es geht durch sagenhafte Landschaft, ich stehe ganz einsam inmitten mächtiger Berge, ein Sonnenuntergang zum Malen schön, einfach perfekt.
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Ich mache den Maxl sauber, damit ich den Teppich auslegen kann, koche mir eine Kleinigkeit und dann trifft mich die Hiobsbotschaft - Marie hatte einen Verkehrsunfall, liegt im Krankenhaus. Mir zieht es den Boden unter den Füßen weg.
2.11.2007: Chakchak - Yazd
Um Mitternacht ruft mich Marie an - ihre Stimme klingt schwer, vielleicht haben sie ihr starke Schmerzmittel gegeben. Aber ich kann sie hören, sie verstehen, sie spüren und daraufhin auch einschlafen. Morgen wird sie von Intensiv weg auf normale Station verlegt, dann kann ich mehr mit ihr sprechen und ihr vielleicht von hier aus ein wenig Kraft geben. Sie hat heute Geburtstag! Von hier aus noch einmal Alles Gute, mein Herz!

Ich mache mich auf nach Chakchak, einem Wallfahrtsort für die Zaratustrier, bestehend aus einem Feuertempel und einem heiligen Baum. Auf dem Parkplatz stehen ein paar Busse (deren Reifen in abenteuerlichem Zustand sind), zahlreiche Pilger sind unterwegs.
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Der Führer einer Gruppe von etwa 50 jungen Frauen, ein Mann mit dunklem, wettergegerbtem Gesicht, Bartstoppeln, sogar auf den Nasenflügeln wachsen ihm Haare, spricht mich an. Auf persisch. Ich lächle, zucke die Achseln und bevor ich etwas sagen kann, eilt eine der Frauen herbei und dolmetscht. Sie spricht perfekt Englisch. Das Frage- und Antwortspiel beginnt. Er wiederholt laut auf persisch, was ihm übersetzt wird, so daß es alle hören können. Überall wird gekichert und gelacht. Mich nett unterhaltend steige ich mit der Gruppe zum Tempel empor. Dort läßt der Gruppenleiter die Mädchen Platz nehmen, alle müssen sich hinsetzen, mir weist er einen Platz in der Mitte des Raumes zu, und dann beginnt er einenVortrag zu halten. Wird dabei immer lauter, mit erhobenem Zeigefinger, ermahnend, unheilschwanger. Eine Zeitlang kapiere ich gar nicht, was jetzt los ist, dachte, er wollte mir weitere Fragen stellen, aber er hält offensichtlich einenVortrag über den Sittenverfall im Westen, speziell in Deutschland. Das mache ich nicht mit. Ich runzle die Stirn, drehe die Augen  zum Himmel, schaue ihn entsetzt an, aber er ist nicht zu bremsen. Dafür ist der Erfolg unter den Mädchen um so deutlicher. Sie krümmen sich vor Lachen. So angespornt, mache ich weiter. Seine Stimme fängt an, sich zu überschlagen, er hat die Mädchen verloren, keine nimmt ihn mehr ernst. Mit einem letzten wütenden Aufschrei scheucht er sie zum Tempel. So eine Absurdität! Sie dürfen nicht mit mir sprechen, erzählen sie mir gleich darauf, und um die Situation nicht noch weiter aufzuheizen, ziehe ich mich zurück und kehre zum Maxl zurück.
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Über eine Schotterpiste geht es durch phantastische Landschaft weiter RichtungYazd.
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Heute habe ich mir ein Hotel ausgesucht, ich frage dort, ob ich im Hof stehen bleiben kann, mir sitzt das Erlebnis in Esfahan noch im Nacken und ich mag entspannt durch die Stadt streifen. Für 10.000 Rial die Nacht kann ich bleiben, die Duschen benutzen, perfekt. Ich stehe direkt neben der Moschee und beschließe daraufhin, zwei Nächte zu bleiben und ein bißchen zu entspannen. Es war doch viel los in letzter Zeit.
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Im Hotel treffe ich die ersten individual reisenden Europäer, ein Schweizer Pärchen (nach Gästebucheintrag berichtigt: er ist Schweizer, sie Italienerin, deshalb vermutlich auch das astreine Italienisch, das er spricht...) auf dem Weg über Bandar Abbas nach Indien (Auto per Container auf dem Schiff, sie selbst über Teheran per Flug), einen Wiener und eine wilde Truppe Engländer auf dem Weg über Pakistan nach Indien. Wir erzählen und ratschen und fachsimpeln in sehr entspannter Atmosphäre im wunderschönen Innenhof des Hotels.
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Morgen will ich mir in aller Ruhe die Stadt anschaun und dann sehe ich weiter.

3.11.2007 Yazd
Am frühen  Morgen gehe ich mit den Hunden Gassi. Das ist in einer islamischen Stadt ein Akt für sich. Wenn die Straßen bevölkert sind, bildet sich augenblicklich eine Menschentraube um uns, die genau zusehen, was Mensch und Hund da machen. Vorbeifahrende Polizisten machen Handbewegungen wie "was wird das denn?", nicht wenige allerdings sind völlig begeistert von den "beautiful animals", andere bieten Geld, auf jeden Fall steht man im Mittelpunkt. Selbst den Hunden ist das nicht egal und so dauert das Gassi-Gehen schon mal deutlich länger, bis sie sich "lösen" können.
Ich besichtige die Moschee, ein alter Mann läßt mich gegen horrendes Entgelt (mein kleinster Schein ist ein 5.000 Rial Schein und natürlich kann er nicht wechseln) in die Tiefen der Be- und Entwässerung hinabsteigen (andernorts kann man das in der Stadt auch umsonst sehen, nur hier ist es wunderbar geheimnisvoll beleuchtet). Ich treffe ihn später wieder, in Begleitung eines jüngeren Mannes, der Englisch spricht, und komme ins Gespräch mit den beiden, dabei kann ich es nicht lassen, ihn als Gauner zu bezeichnen und wir alle lachen herzlich darüber.
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Ich frage mich - was macht eine Standuhr in einer Moschee?
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Bewundere die Eingangstüre mit ihren Schnitzereien,
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das Eingangsportal, das zum schönsten der persischen Baukunst gehören soll,
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schlendere durch die Altstadtgassen,
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beobachte einen Mann am antiken Webstuhl, wie er hochkonzentriert klassische Motive nach handgeschriebener Anleitung webt. Jeder Schuss, den er hinzufügt, dauert Minuten, so kompliziert ist das Einstellen der Kettenfäden.
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Im Bazar höre ich un erwartet Jazzmusik, beim Auspüren der Quelle lande ich vor einerSchmiede,
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ein paar Meter weiter dengelt ein alter Mann gebrauchte Gewindestangen gerade - manchmal ist es unfaßbar, womit Menschen hier ihr Geld verdienen. Aber er scheints zufrieden zu sein.
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Vom Dach des "Mehr traditional Hotel", einem wunderbaren Hotel mitten im Bazarviertel, schieße ich noch Bilder der Altstadt.
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Nach so viel Anstrengung besuche ich den Hamam-e Khan, ein ehemaliger Hamam, der zum Teehaus / Restaurant  umgebaut wurde. Dort werde ich von  einem Pärchen auf einen Tee eingeladen. Sie sind seit kurzem verheiratet, er ist Richter, ich werde ausgefragt nach dem woher und wohin und - neu - nach dem warum. Er echauffiert sich regelrecht darüber, daß ich alleine reise und meine arme Frau zurücklasse - für ihn unvorstellbar. Tja, für mich eigentlich auch, besonders jetzt, da meine Marie im Krankenhaus liegt. Da wäre ich schon sehr gerne bei ihr.

4.11.2007: Yazd - Abarkuh
Ich verlasse Yazd Richtung Shiraz. Mein Weg führt mich durch das Gebirge südwestlich von Yazd, mit Bergen bis über 4.000m, die Paßstraße schlängelt sich sanft bis auf 2.600m hoch, fällt dann langsam ab und führt in die Wüste. Dort sehe ich die ersten Luftspiegelungen. Was aussieht wie heranrollende Wellen ist in der Hitze flirrende und sich spiegelnde Luft.
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Heute will ich in einer Oase nächtigen. Allerdings habe ich mir unter einer Oase wirklich etwas anderes vorgestellt. Abarku ist eine ausgewachsene Stadt. Um ein bißchen Ruhe zu haben, siche ich mir ein Plätzchen außerhalb der Stadt auf einem Hügel. Dort kann ich die Hunde frei laufen lassen und es klettert mir nicht ständig jemand am Truck herum, was auf Dauer schon nervt.
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Das sind sie, die Rabauken. Voller Begeisterung klettern sie am Führerhaus herum, um einen Blick auf meinen Tierpark zu erhaschen. Außerdem soll ich doch das Motorrad herunternehmen, damit sie ein bißchen damit herumkurven können. Überhaupt das Motorrad. Im Iran ist die BMW das Bedeutendste am ganzen Truck. Immer wieder werde ich nach einem Preis dafür gefragt, ehrfürchtig stehen ganze Trauben von Jungs um das Fahrzeugheck herum.
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Ein bißchen außerhalb der Stadt steht eine uralte Zypresse. Neben einer alten Moschee eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Kinder zeigen sie mir gerne, bieten mir gar an, mit ihnen auf dem Moped mitzufahren, aber danke, wenn ich mir anschaue, wie sie herumkurven, gehe ich doch lieber zu Fuß.
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Die Bauarbeiter, die an der Zypresse einen Park(platz?) neu anlegen, winken mich heran. Einer davon ist ein rechter Bazi (im Bild der in der Mitte), der mich auf persisch ganz offensichtlich verarscht. Aber was der kann, kann ich schon lange und ich quatsche mindestens ebenso frech auf Deutsch zurück. Das Gelächter unter den Kollegen ist groß, bis der Oberboß einschreitet und möchte, daß weitergearbeitet wird.
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Ich weiß noch nicht , ob ich in der Stadt bleiben mag - ich habe mich locker mit den Schweizern verabredet, sie wollen auch hier durch, aber ich glaube, mir ist eher nach Ruhe in der Wüste. Weil aber der Platz, den nich mittags gefunden habe,  so wunderschön war, fahre ich wieder dort hinauf und nächtige nach einem wunderschönem Sonnenuntergang in luftiger Höhe in vollkommener Ruhe.
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5.11.2007: Abarkuh - Persepolis
Zu einem Sonnenuntergang gehört natürlich ein entsprechender Sonnenaufgang. Nachdem mich Floh  gottseidank rechtzeitig geweckt hat, kann ich auch damit dienen:
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Ganz abenteuerlustig habe ich mir Nebenstrecken durch die Berge rausgesucht , die mich Richtung  Pasargad und Persepolis bringen sollen. So geht es ca. 70km über Schotterpisten, die sich munter verzweigen, ohne daß man eine bevorzugte Fahrspur erkennen könnte, bisweilen lande ich in einem abgelegenen Hof, aber immer wieder findet sich einer, der mir die richtige Richtung weist. So geht es auf über 2.300m Höhe, wunderschön ist das, auch wenns staubt und rumpelt.
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Ein Tag voller kultureller Höhepunkte. Mein Reiseführer (Reise Know How, Iran) weiß von Pasargad, daß dies "einer der geschichtsträchtigsten Orte auf dem gesamten iranischen Hochland" sei und "von hier aus nahm das persische Weltreich seinen Ausgang". Das ist schon mal was. Es ist durchaus ein wunderbares Gefühl, über solch historischen Boden zu wandeln. Deshalb laß ich es mir auch nicht nehmen, das wirklich weitläufige Areal zu Fuß zu erkunden und zu erlaufen. Der Rest der Touristen macht das per Auto. Aber dann ist die Wirkung weg und nur die Fotos im Sack. Ich mags spüren. Unter den Füßen, mit den Händen. Dann hab ich das Gefühl, es ist real, 'faßbar'.
Der Pförtner lädt mich auf einen Tee ein, wir sitzen im Gras, sein Handy dudelt abwechselnd türkische und spanische Songs, wir unterhalten uns - woher, wohin, alleine?, Frau, Job, Kinder - Reisen, er meint, es sei sehr wichtig für die Seele und die Entwicklung eines Menschen, nach einer Stunde nennt er mich 'seinen Freund', gibt mir Adresse, Telefonnr. und dringt auf mich ein, das nächste Mal muß ich mit meiner Frau kommen. Versprochen.
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Auf dem Weg nach Persepolis halte ich an einem Flußbett, fahre mit dem Maxl die steile Böschung hinunter, ich möchte die beiden Monster ein bißchen toben lassen, bevor es am nächsten touristischen Platz dann eher schwierig ist. Egal, wo man stehen bleibt, irgendwo sind immer Menschen! Hier sitzen drei Männer gut versteckt und geschützt vor der doch starken Sonne unter einem Busch und Essen Mittag. Sie winken, ich gehe hinüber, stelle mich vor - und werde natürlich eingeladen. Also sitze ich mit den dreien auf einer Decke, trinke Tee, bekomme Brot und Fleischstückchen gereicht und wir radebrechen, was die Sprachkenntnisse hergeben. Einer ist Lkw-Fahrer, er transportiert Wasser vom Fluß zur Baustelle.
In Persepolis knöpft man mir 10.000 Rial für den Parkplatz ab. Das ist happig. Also frage ich, ob denn der "Übernachtungspreis" da mit drin sei und lache den Parkplatzwächter an. "No Problem" meint er - so schnell geht das!
Eine unglaublich riesige Anlage erwartet mich. Im Gegensatz zu meinem Reiseführer wissen neu aufgestellte Tafeln um das tiefere Geheimnis der wirklich sehr flachen Treppenstufen, die vom Eingang auf die Terrasse führen. Nicht um auf dem Pferderücken da hochzureiten, "but (it) was a deliberate device to allow them to climb up with ease in their magnificent attire and with dignified movements while conversing with one another". So will ich es auch machen und voller Würde schreite ich langsam die Treppenstufen hoch. Auf mich wirken viele Einzelheiten hier äußerst lebendig, mir gefällt, was ich über die Gepflogenheiten im alten Persepolis lese, man bekommt tiefe Hochachtung vor dieser  Kultur.
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Nicht nur ich bin erledigt:
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Auf der Herfahrt habe ich ein Tourist-Center gesehen, in dem Camping angeboten werden soll. Es schielt schon wieder jeder auf das Motorrad, es ist ein touristischer Platz, ich habe keine Lust mehr, weiterzufahren, also soll mir ein Campingplatz recht sein. Ich frage also, aber "Camping no, you can park here, there is electrical Power, Shower, WC, Restaurant, 10$". Zehn Dollar? Fürs parken? Der spinnt. Da mag ich nicht wissen, was er im Restaurant verlangt. Ich sag ihm, daß ich draußen parke, da kostet es nichts, 100.000 Rial seien völlig indiskutabel. Ja, aber da draußen sei es gefährlich, many bandits, you know? Ich sag ihm, daß der einzige Bandit, den ich hier sehe, vor mir stehe und ich das Risiko gerne in Kauf nehme, bye. 100m weiter esse ich für 60.000 Rial wirklich gut zu abend, fahre zurück zum Großparkplatz, wo mich der Parkplatzwächter schon erwartet. Ich parke in einem kleinen Wäldchen, stehe ganz versteckt und fast romantisch - am abend werden - extra für mich :-) - die  Monumente angestrahlt, nur leider zieht etwas Nebel auf. Beim Gassigehen mit den Hunden werde ich auf italienisch angesprochen, ein Arbeiter auf seinem Moped will wissen, ob meine Hunde gefährlich sind? Nein - nur groß und schwarz! Er war vor 30 Jahren in Rom als Restaurator und arbeitet jetzt seit 25 Jahren hier mit einem Italiener zusammen, sie restaurieren hier die Säulen. Er interessiert sich sehr für den Maxl, noch mehr für das Motorrad, meint, hier stehe ich sehr, sehr sicher, weil die gesamte Wachmannschaft von Persepolis im Haus nebenan wohnt. Besser kann man's nicht treffen.

6.11.2007: Persepolis - Shiraz
Bis Shiraz ist es nur ein Katzensprung, noch am Vormittag komme ich an, finde das ITTIC (Iran Touring and Tourist Investment Corporation, auch andere Übersetzungen kursieren) Tourist Center (GPS N 29° 36' 38", O 52° 34' 18") recht schnell, dort kann man für 5$ / Person / Nacht recht ruhig in einem parkähnlichen Gelände stehen, hat Stromanschluß, Dusche und Küche zur Verfügung.
Heute ist wichtiger Feiertag - der Todestag des Imam  Dja'afar-as-Sadeq, es hat praktisch alles zu. Also laß ich mich einfach durch die Stadt treiben und sammle Eindrücke.
Da ist ein Buchhandel, in dem die Bücher stapelweise, kreuz und quer, zum Teil einfach auf einem Haufen, daliegen - ich weiß nicht, ob hier tatsächlich gekauft oder nur gestaunt wird...
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"Hello, Mister!" schallt es mir hinterher. Ein Mann kommt aufgeregt aus einem Laden gelaufen - "Do you have 10 minutes?" - Natürlich habe ich 10 Minuten, bald sitze ich mit der ganzen Sippschaft im Laden seines Schwiegersohnes und unterhalte mich. Er holt jeden Tag Touristen von der Straße, um sein Englisch frischzuhalten. Nach einer guten Stunde will ich dann doch weiter, er begleitet mich, zeigt mir Sehenswürdigkeit über Sehenswürdigkeit und - ganz zufällig - stehen wir vor seinem eigenen Laden. Er und seine ganze Verwandtschaft fertigen Zelte und Campingstühle. Gibt es denn genügend Geschäft für so viele Läden? - Klar, sie können gar nicht genug produzieren. Ich werde zum Mittagessen eingeladen. Da kann ich nicht nein sagen! Es gibt Pellkartoffeln mit Salz. Und natürlich Tee. Er zeigt mir sein Adressbuch, in dem tatsächlich Adressen aus aller Herren Länder drinstehen. Jetzt hat er auch eine vom Wörthsee. 
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Ich bestaune den schiefen Turm von Shiraz ...
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... und das Schraubendepot der Open-Air-Werkstatt an einer Bushaltestelle. Der gute Mann liegt tatsächlich unter dem Bus und hat eine Nabe an der Hinterachse demontiert, er sucht jetzt in einem weiteren Haufen gebrauchter, verrosteter Schrauben nach einer passenden... Um ihn herum fahren wild gewordene Taxler, qualmende Busse, alles mitten auf der Straße. Der gute Mann hat die Ruhe weg. Bewundernswert.
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Am nächsten Tag besichtige ich die Gedenkstätten der großen Dichter, Sa'di und Hafis. Ich nehme mir viel Zeit, sitze im Gras und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Beeindruckend, wie viele Menschen hier vorbeikommen und ihre Dichter verehren. So etwas ist mir bei uns bisher noch nicht aufgefallen.
Seitlich unter dem Grabmal  führt eine Treppe in die Tiefe. Dort führt ein unterirdischer Kanal frisches Wasser, in dem sich Fische tummeln. Im Sommer ein wohl sehr erfrischender Ort.
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auch am Grab von Hafis herrscht Trubel. Vor allem Frauen berühren ehrfürchtig den Grabstein. Eine mitnehmende Zeremonie.
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Zum Eram-Park leiste ich mir ein Taxi. Vor dem Grabmal werden noch 30.000 verlangt, ich biete 10.000, der Fahrer winkt ab, ich gehe 100m weiter, rufe einem vorbeifahrenden Taxi Baq-e Eram zu, steige in das schon mit 4 Leuten plus Fahrer besetzte Taxi zu, "Hello, Mister, where are you from?" und palavernd gehts mit atemberaubendem Tempo und haarscharfen Manövern Richtung Park. 5.000 Rial gebe ich ihm, 3.000 gibt er mir zurück. Die schenke ich ihm.
Für den botanischen Garten bin ich jahreszeitlich ein bißchen arg spät dran. Die Rosen sind schon am verblühen, trotzdem ist der Park wunderschön, inzwischen als botanischer Garten von der Universität weitergeführt. Der Eintritt ist mit 40.000 Rial horrend, aber vielleicht gilt der Preis ja nur für die Touristen und kommt der Universität zu gute.
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Zu Fuß gehe ich den weiten Weg zurück in die Stadt, schlendere durch den Basar und mag dann bald wieder zum Maxl. Mein rechter Arm schmerzt seit Tagen unerträglich, das kann einem den schönsten Tag verleiden. Ich habe mir (für 4.000 Rial) eine Salbe gekauft (Diclofenac), mal sehen ob's hilft. Ich hoffe es sehr...
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8.11.2007: Shiraz - Furk
Gestern abend war ich noch im Internetcafe, wollte meinen Virenscanner updaten (10MB) und die großen Bilder hochladen. Nach 2 Stunden habe ich abgebrochen. Und dafür 50.000 Rial bezahlt. Die Inhaberin konnte gar nicht verstehen, warum ich mich aufrege. Für keine Leistung das 10-fache dessen verlangen, was ich sonst bisher in ganz Iran bezahlt habe? Ich zahle und wünsche ihr die Pleite, die mit diesem Service ganz von selber kommt.
Für heute habe ich mir wieder 80km Schotterpiste ausgesucht, die an einem Salzsee entlang führt. Zur Qualität der Karten habe ich mich weiter oben schon geäußert - die taugen nur für die roten und dicken gelben Straßen, alles andere fährt man besser 'frei Schnauze'. Es bleibt nicht aus, daß ich mich in einer Ortschaft verfranse, ich steige aus, die Karte unterm Arm und gehe fragen. Keiner spricht Englisch hier, aber das macht nichts. Ich werde gefragt, ob ich wirklich auf Schotter fahren will, es gäbe ja sooo eine gute Straße, aber ich will am See entlang und abseits der Hauptrouten fahren. Man zeigt mir grob, wo`s lang geht, ich kehre zum Maxl zurück - da läuft mit doch ein Hund vor die Nase. Ein großer, schwarzer. Mit Halsband. MOGLI! Wie zum Teufel - da hat mir doch so ein Idiot während ich am Diskutieren war, den Hund rausgelassen. Nicht zu fassen. Aber ich bin selber schuld. Nie, nie, nie vom Auto weg gehen, ohne es abzusperren, egal, wo! Gottseidank sind Floh und vor allem Pipo dringeblieben, so daß alles schnell wieder erledigt ist.
30km weiter mache ich am See kurz Halt, lasse die Hunde toben und genieße die Landschaft.
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Ein paar Kilometer traue ich mich auf dem Salzsee zu fahren, es sind deutliche Spuren zu sehen, aber nachdem ich einige weiche Stellen passiere und auch bedrohlich tiefe Sackgassen-Spuren entdecke, ziehe ich mich lieber wieder aufs feste, wenn auch holprige Ufer zurück. Mitten im Nichts fahre ich an einem Polizeiauto vorbei, die Polizisten sind gerade damit beschäftigt, ein Moped auf ihrer Ladefläche zu verzurren. Am Straßenrand stehen bunte (Feigen?-) Bäume vor herrlicher Kulisse - das muß ich fotografieren! Also halte ich 500m weiter, schieße ein paar Fotos und locke damit prompt die Herren in Uniform an. Zur Abwechslung wollen sie neben meinem Paß die Motorrad-Papiere. Die sie natürlich auf der Wache etliche Kilometer weiter prüfen müssen. Die reine Schikane, aber auch wieder selbst schuld. Nie, nie, nie in der Nähe von Polizisten anhalten und fotografieren. Lieber nach einer Stunde zurückkommen, wenn denn das Motiv soo doll ist. Es findet sich leider nichts, weshalb sie das Motorrad beschlagnahmen könnten, das täten sie wohl gerne :-) also lassen sie mich ziehen.
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Offensichtlich ist heute Motorrad-Prüf-Tag, denn keine 50km weiter stoppen mich wieder zwei Polizisten und wollen die Motorrad-Papiere. Nach Fahrgestell-Nummern-Vergleich und eingehender Prüfung des Fahrzeugscheines darf ich weiter.
Zum Schlafen habe ich mir für heute ein trockenes Flußbett gesucht - hoffentlich bleibt es auch trocken! - hier stehe ich ganz einsam und versteckt und hoffe auf eine ruhige Nacht.
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9.11.2007: Furk - Genu Geysir
Es ist Freitag und damit Feiertag, aber ich habe Zeit und beschließe, um das morgige Suchen abzukürzen, das Gebäude der Valfajr Shipping Co. schon heute aufzusuchen. Wer weiß, vielleicht ist ja doch jemand da, außerdem spare ich mir am nächsten Tag unnötige Sucherei und damit Zeit. Ich fahre also Richtung Bandar Abbas, (verbotenerweise, aber das muß ich inzwischen ja nicht mehr betonen) quer durch die City, eine wirklich schöne Moschee sticht ins Auge, der Reiseführer faselt etwas von '4km westlich des Stadtzentrums', toll, dieses kann in dieser langgestreckten Stadt durchaus überall liegen, also hilft mir das auch nicht weiter, ich fahre fröhlich Richtung Westen, habe grob in Erinnerung, daß ein weißes Gebäude rechts das Shipping-Co. Gebäude sein soll, stoße auf der linken Seite irgendwann auf en solches, es ist beileibe nicht klar, ob die 'South Iran Shipping Co.' die 'Valfajr' beherbergt, aber was solls, ich wende, parke und marschiere ins Gebäude.
Der Guard spricht drei Worte Englisch, schickt mich in den 2. Stock, dort herrscht gähnende Leere, ich klopfe munter an verschlossene Türen, treffe auch irgendwann jemanden an, der schickt mich in den 1. Stock, nennt einen Namen, den ich mir nicht merken kann, macht aber nichts, denn ich kann die Türschilder (außer den Raumnummern, das beherrsche ich inzwischen) sowieso nicht lesen, aber auch hier ist niemand zu finden. Im Erdgeschoß treffe ich auf einen tatsächlich englisch sprechenden Mann, der mich dann um 1000 Ecken zum 'richtigen' Office bringt.
Ja, hier kann ich ein Ticket kaufen. Bandar Abbas - Sharjah. 1. Klasse. Super. Ein Katamaran. Stop. Mein Truck auf einem Katamaran? Was ist denn das für ein Ding? Ach so, nein, Cargo geht morgen nicht. Cargo? Ich denke, das ist eine Fähre? Ich werde auf den nächsten Tag vertröstet, der Experte ist nicht da. Na das kann ja was werden.
Ich fahre also zurück, habe auf der Herfahrt ein Hinweisschild auf einen 'Geysir' gesehen, da findet sich sicher ein Schlafplatz. Unterwegs entdeckte ich eine Lkw-Tankstelle, mein linker Tank ist leer, den kann ich hier ja gut vollmachen. Denke ich. Ich stelle mich also an, in Vierer-Reihen stehen die Lkw's für zwei Zapfstellen an. Da ist es vorbei mit der iranischen Gemütlichkeit und Freundlichkeit. Da wird um jeden Meter gekämpft. Ich bin zu anständig. Merke mir, wer vor mir da war, und lasse einen Lkw vorfahren. Das bringt mir unglaublichen Ärger ein, weil die Lkw's hinter mir damit so gar nicht vereinstanden sind. Ab sofort werde ich dirigiert, muß auf 5cm an den nächsten Lkw auffahren. Ich kann nicht entscheiden, ist es ein Tankwart(-helfer), ein selbsternannter Anweiser oder ein Lkw-Fahrer hinter mir, der mich da anweist, aber ich beuge mich und überhole zu deren Leidwesen zwei Lkw's. Sorry. Mir sind die Regeln nicht verständlich und der Umgangsstil nicht geläufig und verstehen tu ich erst recht nichts. Bis auf einen Bettler, der auf Allah hinweist und Dollars haben will. Hätte er nach Almosen gefragt, hätte es geklappt, aber hiner der Dollar-Masche steckt nicht Allah oder Mohammed, denn Dollars gab es damals nicht.
Der Geysir stellt sich als Thermalquelle heraus, die Quelle gefaßt, der 'Whirlpool' in einem geschlossenen Gebäude, das geht natürlich hier auch gar nicht anders, sonst könnte ja Männlein Weiblein und umgekehrt sehen. Darauf habe ich nun gar keine Lust, aber die Außenanlagen sind auch ganz ok, nur eben nicht zum Baden geeigent.
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Am frühen Abend tuckern zwei Wohnmobile heran - und es sind - Stefan und Lelly, das schweizer-italo-Pärchen und ein älteres Ehepaar aus Kassel, die ich schon in Shiraz bei einem gemeinsamen Abendessen kennen gelernt habe und die schon fast die ganze Welt bereist haben. Mit über 50 haben sie als Backpacker angefangen! Bewundernswert! Wir verbringen einen fröhlichen Abend zusammen, erzählen, lachen, freuen uns über Besuch von Neugierigen (die mal wieder meine Hunde kaufen wollen). Sie wollen gemeinsam nach Indien, ich wünsche ihnen Alles Gute dabei!

10.11.2007: Genu - Bandar Abbas
Ich stehe zeitig auf, versorge die Hunde, denn wenn das mit der Fähre heute klappt, muß ich sehen, daß sie während wenigstens 12 Stunden nicht raus müssen... Punkt 8 bin ich im Valfajr Office, finde nach mehrmaligem Nachfragen den zuständigen Mann und erkläre ihm mein Begehr. Ja, im Prinzip schon, aber die Firma ist eine neue und die Pläne sind andere und der Hafen ist ein neuer und alles ist ganz anders als bisher. Ist mir ja eigentlich auch egal, ich möchte nur mit meinem Truck von Bandar Abbas nach Sharjah. Und der Ticket-Mann von gestern hat mir versichert, daß heute abend um 10 Uhr eine Fähre nach Sharjah ablegt, Also wo ist das Problem?
'This is Cargo only. No Passenger'. Aber das Schiff ist doch eine Fähre, richtig? Ja, aber der Hafen ist ein Cargo-Only Hafen.No Passengers allowed. Ich kann dann am nächsten Tag fahren. Aha. Die Hunde im Cargo -Terminal verelenden lassen oder einfach auf der Passagier-Fähre mitnehmen. Tolle Idee. Das versteht er. Er hilft mir. 'One of my ships is bringing you to V.A.E', verspricht er mir. Und bietet mir Tee an, den ich gerne annehme.
Eine gute Stunde lang tut sich gar nichts. Einer spielt Solitair, ein anderer meditiert oder schläft, er, der 'Besitzer' der Schiffe, läuft wichtig durchs Büro, hin und wieder wird auch ein Telefonklingeln beantwortet, aber Bäume ausgerissen werden hier keine. Kurz vor 10 kommt er schließlich mit einem Stück Papier. 'Thats the Price'. Ich traue meinen Augen nicht. 2.000,- US-Dollar. Wie bitte? Hallo? Kann ich den Preise in Rial haben (nur um auszuschließen, daß sie sich um eine Zehnerpotenz vertan haben)? Tatsächlich. Ich muß mich hinsetzen. Ich fasse mich, erkläre, daß das wohl ein Irrtum sein müsse, ich wolle mit einer _Fähre_ übersetzen, die 100km können auch für einen Truck nicht mehr als ein paar hundert Dollar ausmachen. Indigniert nimmt er es zur Kenntnis und verschwindet. Nach einer guten halben Stunde kommt er wieder und hat es doch tatsächlich geschafft, den Preis auf 1564,- USD zu drücken. 'Last offer from Tehran'. Mir reichts. Ich stehe auf, sage ihm daß er sich das Ding sonst wo hinstecken kann, verarschen kann ich mich selber, ich fahre zurück in die Türkei und auf dem Landweg nach Dubai. Er kann mich mal. Ja, aber er kann ja nichts dafür und Teheran ist schuld und er hat alles für mich getan und und und. Aber er gibt selber zu, daß das 'ungewöhnlich' ist. Ich könne ja zum Hafen fahren und dort versuchen, einen 'privaten' Transport zu organisieren...
Wutentbrannt verlasse ich das Gebäude und fahre zum nächsten Hafen. Es wird doch wohl eine Gesellschaft geben, die mich die 100km zur arab. Halbinsel bringt? Neuling, wie ich bin, werde ich von Büre zu Büre geschickt, Paß-Kontrolle, Custom, Polizei, zurück zum Zoll, das Carnet de Passage wird untersucht, man will eine 'Form' der Shipping-Agentur - und - zack - stehe ich wieder am Anfang, denn die einzige Agentur, die hier verschifft, ist die - richtig - South Iran Shipping Co.
Ich versuche, Valfajr in Teheran zu erreichen. Mobil-Tel. geht mal wieder nicht. Also zurück in dei Höhle des Löwen. Wenigstens ist der Wichtigtuer aus dem Haus, der hätte sich stundenlang gesonnt in meiner Misere. Ich erzähle also seinem Adlatus, daß ich auf keinen Fall die 1564,-USD zahlen will, ich möchte mit Teheran telefonieren. Tatsächlich verbindet er mich mit dem Banditen, der da die 2.000,-USD aufruft, der meint, mich klein machen zu können, was shipping-Konditionen angeht (you know what it costs to ship a container to China? - als ob mich das interessiert - the internet page is outdated - dann nimm sie vom Netz! - a truck costs much more than a car - ja, aber nicht das 10-fache! usw. usf.). Ich biete ihm 500,-USD, die er natürlich sofort und unmißverständlich und rigoros ablehnt. Nach endlosem Gefeilsche wie auf dem Basar landen wir sdchließlich bei 1.000,-USD. Wie ich jetzt weiß, das Doppelte dessen, was ein 40-Tonner kostet! Aber Deal ist Deal, er bekommt sein Geld, ich mein Ticket.
Jetzt wirds hektisch. Ich muß zur Bank, das Geld in bar einzahlen, bekomme dafür eine Quittung, erst dann kann das Ticket ausgestellt werden. Außerdem brauche ich noch ein Ticket für meine Person (55,-USD), in bar zu entrichten. Und dann kommts dick. Ich muß zum Immigration Office in der Stadt, mir von dort ein Permit holen, daß ich mit dem Cargo Schiff mitfahren darf. Am Besten mit dem Taxi, denn es bleibt nicht merh viel Zeit, das Schiff legt bald ab. Ich versuche sie zu überreden, mir jemanden mitzuschicken, mir ist schleierhaft, wie ich der Immigration Polizei verklickern soll, was ich brauche. Ja, ja, es wird für mich gesorgt! Also kommt einer mit auf die Straße, hält dort scheinbar wahllos ein Auto an, erzählt dem Fahrer eine lange Geschichte und schiebt mich in das Auto. Der Typ spricht kein Englisch. Nickt nur, als ich ihn frage, ob er mich zur Immigration Police bringt. Dort lädt er mich ab, zeigt mir aber, daß er auf mich warten wird. Wenigstens etwas. Ich eile also in das Gebäude, entscheide mich gegen die zig Schalter, an denen mehrere zig Leute anstehen und suche mir ein Büro, in dem einer mit möglichst vielen möglichst komplizierten Sternen auf den Schultern sitzt, in der Hoffnung, daß ein höherer Offizier auch eher englisch spricht. Viel Erfolg habe ich damit nicht, ich finde zwar einen Multi-Komplex-Sterne-Mann, aber sein Englisch liegt weit in der Vergangenheit. Ich erkläre trotzdem mein Anliegen, er blättert meinen Paß von vorne nach hinten durch und erklärt, daß alles in Ordnung sei, ich brauche mir keine Sorgen zu machen, ich bräuchte kein Permit und keinen Stempel, ich könne mit dem Schiff fahren. Völlig sinnlos, ihn nach einer schriftlichen Bestätigung dafür zu fragen. Also fahren wir wieder quer durch die Stadt zurück zum Shipping-Office. Dort ist mein Ticket immer noch nicht fertig. Aber ohne Permit brauche ich auch gar nicht erst zum Hafen zu fahren. Der Oberboß des Amtes wird eingeschaltet. Der jammert zwar, daß er ja anderes zu tun hätte, als sich um so einen Mist zu kümmern, für den er nichts kann (damit hat er recht), seine (aha!) Schiffe wären in einem wahrlich schlechten Zustand (na toll) und er müsse sich dringend um Ersatzteile und Reparaturen kümmern. Ich helfe ein bißchen. Er könne ja delegieren, mir einen englisch sprechenden Mitarbeiter zur Seite stellen, der sich um das leidige Problem kümmert... Ich muß also noch einmal zur Polizei, diesmal aber zu einer anderen Stelle (nur Allah weiß, warum), um das nötige Permit zu bekommen. Ich bestehe darauf, daß man mir entweder einen Mann mitgibt, der eklären kann, was ich brauche, oder daß ich einen Brief bekomme, der erklärt, worum es geht. Nach viel Geknirsche bekomme ich den Brief und mein Fahrer von vorhin bringt mich nun zur nächsten Polizeidienststelle. Als wir ankommen und nach dem Chef fragen, wirkt er seltsam bedrückt. Ich verstehe nicht, warum, mache mir aber darum auch keine großen Gedanken. Der Chef ist nun wirklich ein 3-komplizierte-Sterne-Chef, vor dem sie alle salutieren. Sogar die 3-einfach-Sterne-Chefs, die sonst die Chefs sind. Ich bekomem Tee, der Oberchef telefoniert unbeeindruckt, während mir die Zeit verrinnt. Aber so ist es einfach und so genieße ich meinen Tee, zu dem Schokolade und Karamel von einem 3-einfach-Sterne-Chef gereicht wird. Mein Fahrer zittert wie Espenlaub und rutscht sichtlich unbequem herum.
Das Telefonieren nimmt kein Ende. Schließlich kommt ein unbedeutend scheinender Mann herein, der aber werder anklopft noch salutiert, sondern einfach mir gegenüber Platz nimmt und sich Tee eingießt. Wo ich herkomme und wie mir denn 'sein Land' gefalle, werde ich gefragt. Aha. Einer von den Unscheinbaren. Ich stehe ihm Rede und Antwort, er ist ein angenehmer Gesprächspartner und schließlich verfügt er, daß ich mein Permit bekomme. Wir schütteln Hände und ich habe, was ich wollte. Ich verstehe aber nicht wirklich, was hier abläuft.
Wir stressen zurück zum Office. Während der Fahrt offenbart er mir, daß er bei der Polizei ist (zwei Streifen auf der Schulter), kein Wunder, daß ihm da bei so viel Lametta schwindlig wird, er muß sich von einem 'U' zusammenpfeifen lassen und jetzt ist er beim Oberchef der Stadt in dessen Büro.Zurück bei Valfajr ist es leider, leider, leider, jetzt zu spät, die Banken haben geschlossen, Customs auch, heute geht gar nichts mehr, vielleicht übermorgen. Nach endlosem Diskutieren stellt sich eine wietere Möglichkeit heraus - morgen vormittag fährt ein Schiff von Bandar Lengher aus nach Sharjah, eine Passagier-Fähre, da brauche ich kein Permit (vielen herzlichen Dank!), es ist auch die kürzere Strecke über den Golf und nur 180km von Bandar Abbas entfernt. Mein inzwischen persönlicher Angestellter telefoniert mit dem dortigen Office, macht alles klar (behauptet er) und überrascht mich damit, daß ein Mitarbeiter von Valfajr mit mir nach Bandar Lengher fahre, mir das dortige Büro zeige und mir am nächsten Tag helfe. Es stellt sich heraus, daß der gute Mann sowieso nach Bandar Lengher mußte, weil er das Schiff entladen soll, aber das paßt so schon, es ist ein iranischer Araber, worauf er auch großen Wert legt, aber im Laufe der Fahrt kommen wir ins Gespräch und im weiteren Verlauf des Abends nach einem gemeinsamen Abendessen und Bummel durch Bandar Lengher werden wir zwar nicht Freunde, aber verstehen uns recht gut.
Ich darf im Abfertigungsterminal übernachten, stehe dort sehr sicher und ruhig, alle Formalitäten werden am nächsten Tag in aller Frühe erledigt und dann geht es ab in die V.A.E.!
Am frühen Morgen stehe ich auf, führe die Hunde Gassi, sie müssen dann gute 12 Stunden im Auto bleiben, ich mache die Klimaanlage an, kühle das Auto vor, damit es nicht gar so heiß wird auf dem Schiff, es hat jetzt um 6 Uhr morgens schließlich immer noch gute 29 Grad bei wirklich feuchter Luft. Es ist einfach wahnsinnig schwül. Die Fähre ist gerade angekommen, mein gestriger Beifahrer kommt pfeifend aus dem Gabäude, startet seinen vorsintflutlichen Truck, winkt mir zu, wir sehen uns gleich beim Beladen und unter dichtem Dieselqualm macht er sich auf Richtung Fähre.
Ich werden zum Zoll geschickt. Mit dem Truck geht es 500m weiter zur zentralen Zollabfertigungsstelle. Gott sei Dank ist es ein kleiner Hafen, alles ist übersichtlich, jeder kennt jeden und so lande ich trotz fehlender Sprachkenntnisse und Unkenntnis jeder Schrift beim richtigen Mann im richtigen Büro. Er weiß auch gleich, was zu tun ist, vergleicht fachmännisch Fahrgestell- und Motornummern von Fahrzeugen und Carnet-Eintragungen - und entdeckt dann meine iranischen Nuimmernschilder. Dazu muß es ein Papier geben! Es findet sich sogar - im Carnet de Passage versteckt. Nur - da fehlt jetzt ein Eintrag. Ich brauche eine Nummer und einen Stempel der Polizei von Bandar Abbas. Da ist nichts dran zu rütteln. Erst dann kann er das Carnet abstempeln. Daß mir nur noch zwei Stunden bleiben und Bandar Abbas hin und zurück knapp 400km sind, rührt ihn nicht. Auch nicht, daß die nächste Fähre erst in einer Woche geht und mein Visum bis dahin abgelaufen ist. Daß ich 1.000,- Dollar bezahlt habe, schon den zweiten Tag wegen irgendeines Papierkrames festsitze auch nicht. Telefonisch kann man das auch nicht erledigen. Ich muß nach Bandar Abbas. Ich unterdrücke meinen Wutanfall, bleibe freundlich, vielleicht weiß er ja doch eine Möglichkeit. Zunächst geht es zu seinem Chef, der jedoch auch keine Alternative sieht. Daß ich jetzt erst erfahre, was ich in Bandar Abbas hätte erledigen müssen, tue ihm sehr leid, aber da kann er gar nichts machen. Nach endlosem Diskutieren geht es schließlich zum Chef des Zollamtes. Auch er muß ein sehr hohes Tier sein, denn alle geben sich unterwürfig und bedeuten mir, wie wichtig dieser Mann doch sei. Mir ist das alles ziemlich wurscht, ich bin einfach nur noch sauer und erbost über solchen Unfug. Es gibt Tee. Der Chef hört sich die Geschichte an, meint, daß er da nicht viel machen kann, telefoniert dann aber, zwinkert mir zu und meint, ich solle es doch bei der hiesigen Polizei versuchen. Ich beginne zu hoffen, frage ihn noch, was er denn da bewegt hätte, er meint bloß "don't mention it" und schon bin ich mit dem Zollbeamten unterwegs - mit dem Truck quer durch die Stadt - zur lokalen Polizei. Der Polizeichef  läßt Tee auftragen - mir zerrinnt mal wieder die Zeit unter den Fingern - und weist einen 3-normal-Sterne-Chef an, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Der telefoniert lange - und laut - mit Bandar Abbas und winkt schließlich ab. Bandar Abbas weigert sich, die Papiere hier abfertigen zu lassen. Ich muß nach Bandar Abbas. Wir machn uns auf den Weg zurück. Ich nehme die Nummernschilder und das verdammte Stück Papier, verstaue es in der Mittelkonsole, klappe den Deckel zu, schaue den Zollbeamten fordenrd an und behaupte - jetzt hab ich keine Nummernschilder und kein Papier, also kann er jetzt stempeln. Wenn die Bürokratie so absurd ist, lebe ich gerne mit den Konsequenzen und kehre nie wieder in den Iran zurück. Mir reichts. Er faßt sich ein Herz und ruft noch einmal den Chef-Chef an. Schimpft selber über den Bürokratiewahnsinn und daß das eines der Hauptprobleme im Iran sei. Der Chef-Chef hat noch einen Trumpf: Den Gouverneur der Stadt. Den ruft er jetzt an und wir bekommen tatsächlich eine Audienz. 15min vor Abfahrt. Es wird Tee serviert. Der Gouverneur telefoniert  leider noch. Es gibt Plätzchen, Schokolade, Kandis, alle haben sehr viel Zeit. Und der Gouverneur mag sich unterhalten. Also erzähle ich über meine Reise, über die Menschen im Iran, Reiseerlebnisse und er, ein gewichtiger, intelligenter Mann, hört interessiert zu. Schließlich greift er zum Telefon, führt ein knappes Gespräch, streicht sich zufrieden zweimal über den Bart und entläßt uns. Wir sollen es doch noch einmal bei der Polizei versuchen. Und sieheda, es tut sich eine unorthodoxe Möglichkeit auf: man ändert auf dem Formular den Namen Bandar Abbas ab in Bandar Lengher und schon darf man abstempeln! Bei uns heißt das Urkundenfälschung, aber die Anweisung eines Gouverneurs steht da wohl darüber. Ich beschwere mich auch nicht, schüttle eifrig die Hände jeder Menge sterne-bewehrter Polizisten, die sich inzwischen versammelt haben und in aller Eile machen wir uns auf den Weg zurück. Das Schiff hat doch hoffentlich noch nicht abgelegt? Ich bitte den Zollbeamten, doch anzurufen und zu bitten, auf mich zu warten. Er hat die Nummer des Valfajr-Büros nicht. Ruft aber den Zoll-Chef an, weil der die Nummer sicher hat. Der stoppt das Schiff. Ausgelaufen wird erst, wenn er das OK dazu gibt. Mann, so viel Power an einem Tag! Im Nu sind meine Papiere fertig, der Truck kommt aufs Schiff, ich werde mit dem Moped zur Paßkontrolle gebracht, von dort ebenso aufs Schiff - und los gehts! Leinen los!
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Wir haben ein paar Stunden Verspätung, die armen Hunde konnten nicht noch einmal raus, wird schon gut gehn, die Klimaanlage läuft, Wasser haben sie genug und zu Fressen gabs seit gestern vorsichtshalber nichts mehr...
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Die Luft ist warm, das Schiff stampft leise vor sich hin, Bandar Lengher verschwindet ganz langsam am Horizont, ich sitze auf einem alten Stuhl an Deck und schaue zurück. Bis auf manche Verrücktheiten ein wunderbares Land mit herzlichen, offenen, liebevollen, aufrichtigen, unendlich gastfreundlichen Menschen. Selbst schuld, wer da nicht hinfährt. Ich komme auf jeden Fall wieder.

created: 2007/10/12 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2008/10/22 13:58:02 $ by $Author: Thomas $